Heidenheim Wer fährt wo: Der Verkehr in Heidenheim in Zahlen

Heidenheim / Thomas Zeller 01.07.2018
Jeden Tag bewegen sich Zehntausende Menschen durch Heidenheim. Unterwegs sind sie auf unterschiedlichste Art und Weise. Ein Überblick in Zahlen.

Die Redaktion der Heidenheimer Zeitung wird sich in den nächsten vier Wochen mit den verschiedenen Aspekten des Themas Verkehr in und um Heidenheim beschäftigen. Denn dabei kann jeder mitreden, egal ob Autofahrer, Radler, Buskunde oder Fußgänger. Dass das auch für Nicht-Heidenheimer interessant sein dürfte, zeigt der Blick auf die Verkehrsstatistiken.

Stau oder Baustelle? Darüber dürften sich die Einwohner des Kreises mit Sicherheit genauso aufregen wie die Heidenheimer selbst – wenn nicht noch mehr. Die Stadt Heidenheim mit ihren 50 000 Einwohnern ist schließlich Arbeitsort und Lernort für Zehntausende Menschen aus Heidenheim selbst und aus der gesamten Region. Mehr als 40 Prozent der Beschäftigten arbeiten in den großen Industriegebieten am Rande der Kernstadt.

Jeden Tag fahren 16 100 Menschen aus dem Kreis Heidenheim zu einer Arbeit außerhalb des Kreises, davon allein rund 4900 in den Ostalbkreis und fast 2000 nach Ulm. Umgedreht kommen etwas 13 700 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte täglich von außerhalb zur Arbeit in den Landkreis. Die Zahl dieser Einpendler wird zudem durch Beamte und Selbstständige noch einmal deutlich erhöht. Der größte Teil von ihnen stammt aus dem Ostalbkreis und dem bayerischen Dillingen.

Doch damit nicht genug. Neben dem Arbeitsort Heidenheim ziehen natürlich auch Handel und Gewerbe in die Stadt. Dazu kommen Sehenswürdigkeiten wie das Schloss oder das Naturtheater. Nicht zu vergessen sind die täglichen Verkehrsbewegungen, die die Schulen und das Krankenhaus nach sich ziehen.

Rund 2500 Studenten sind an der Dualen Hochschule in Heidenheim immatrikuliert. Sehr viele von ihnen kommen von außerhalb der Stadt. Auch durch die Berufsschulen kommt viel Verkehr in den Kreis. Denn von den mehr als 4000 Schülern wohnt nur etwa Drittel am Schulort.

Nun gibt es zweifellos auch andere Städte mit vielen Pendlern in denen sich der Zielverkehr sehr auf bestimmte Stadtbereiche konzentriert. Das Problem ist jedoch, dass sich nach wie vor der größte Teil der Pendler per Auto auf den Weg nach Heidenheim macht.

Das wiederum liegt an den fehlenden Alternativen. Die meisten Gemeinden im Kreis haben zwar einen Bahnanschluss (Ausnahmen sind Steinheim, Nattheim, Gerstetten und Dischingen). Doch bei der Brenzbahn gibt es gelinde gesagt viel Spielraum nach oben. Häufige Ausfälle und größere Verspätungen stehen im Kontrast zur Notwendigkeit eines pünktlichen Arbeitsbeginns und haben bei vielen Pendlern das Vertrauen in die Zuverlässigkeit dieses Verkehrsmittels erschüttert.

Auch die Qualität des Busangebotes in der Stadt ist sehr unterschiedlich. Während Pendler in der Kernstadt und den angrenzenden Stadtteilen auf ein gut ausgebautes Nahverkehrsnetz zugreifen können, sieht die Situation in den städtischen Randlagen, wie beispielsweise in Großkuchen, anders aus. Folglich steigen hier viele Pendler auf dem Weg nach Heidenheim ins Auto, kommen über gut ausgebaute Straßen in der Stadt an – und stoßen hier auf ein Wegenetz, das vor allem in den Hauptverkehrszeiten unter den Belastungen ächzt.

Das wiederum ist zum Teil historisch bedingt: Die ersten Straßen in Heidenheim entstanden bereits in der Römerzeit um 160 nach Christus. So orientieren sich die Verläufe der Brenz- und der Römerstraße immer noch in Teilen an ihren historischen Vorgängern.

Doch während diese Wege für die marschierenden und berittenen Legionäre breiter angelegt wurden, zeichneten sich die neuen Straßen in den folgenden Jahrhunderten durch eine besondere Enge aus. Selbst als um 1880 die Weststadt erschlossen wurde, geschah dies durch Wege, die deutlich schmaler als die heutigen Straßen verliefen.

Erst durch die stärkere Industrialisierung um 1910 verbreiterte sich das Wegenetz, wie man es heute noch in Teilen der Oststadt findet. In der Konsequenz sind zumindest einige der wichtigen Straßen der Stadt an etlichen Stellen nach heutigem Standard viel zu schmal, lassen aber durch die enge Bebauung auch keinen vernünftigen Ausbau mehr zu.

Brücken als Engpass

Ein weiterer Engpass findet sich bei einem Teil der 56 städtischen Brücken. Ein stärkerer Ausbau ist hier nur selten oder nur mit hohem Aufwand möglich. Unter dem engen Straßenraum leiden aber nicht nur die Autofahrer, sondern auch die Radfahrer und Fußgänger. Etwa 60 Kilometer Radwege gibt es in der Stadt, während das gesamte Straßennetz (ohne Bundesstraßen) auf 254 Kilometer kommt. Das zeigt, an vielen Strecken sind Radwege nicht oder nur lückenhaft vorhanden.

Zudem werden die Bürgersteige auch gern einmal zugeparkt. In diesem Zusammenhang könnte es interessant sein, einmal zu erheben, ob der Anteil des Radverkehrs in Heidenheim auf die bundesweit durchschnittlichen neun Prozent kommt. Angesichts der Tatsache, dass Heidenheim auf Höhen von 478 bis 645 Metern über dem Meeresspiegel liegt, ist aber auch klar, dass längst nicht für alle Einwohner das Fahrrad eine Alternative ist, um ins Stadtzentrum und zurück zu kommen.

Auch im Bereich des Fußverkehrs gibt es in der Stadt eine Menge Potenzial. Noch längst nicht alle Gehwege in Heidenheim haben eine Breite von 2,5 Metern, die in den Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen empfohlen werden.

Dabei kann hier ein bisschen mehr Raum nicht schaden, um die ehrgeizigen Ziele des Landes beim Fußverkehr umzusetzen. Immerhin werden schon heute 23 Prozent aller Wege in Baden-Württemberg zu Fuß zurückgelegt und dieser Wert soll in den nächsten Jahren noch deutlich steigen.

Neuer Verkehrsentwicklungsplan

In den kommenden Jahren soll für Heidenheim ein Verkehrsentwicklungsplan erarbeitet werden, der Perspektiven bis ins Jahr 2035 aufzeigt. Das letzte Mal, dass man sich in Heidenheim mit einer solchen Planung auseinandersetzte, war vor 20 Jahren.

Im Juli 1998 wurde das Werk nach dreijähriger Vorarbeit beschlossen. Es folgten mehrere Jahre, in denen die Planungen umgesetzt wurden – zumindest in großen Teilen. Mit Einweihung der Zentralen Omnibushaltestelle im Mai 2003 war die Umsetzung der kurz- und mittelfristigen Ziele offiziell abgeschlossen.

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