Heidenheim Wenn sich Unternehmen bei den Bewerbern bewerben

Mehrere Tausend Menschen tummelten sich bei der Ausbildungsmesse 2017 im Congress Centrum in Heidenheim.
Mehrere Tausend Menschen tummelten sich bei der Ausbildungsmesse 2017 im Congress Centrum in Heidenheim. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Andreas Uitz 08.11.2018
Am Samstag werden bei der Ausbildungsmesse auf dem Schlossberg wieder tausende Besucher erwartet, die sich über Berufe und Studiengänge informieren wollen.

Seit der ersten Heidenheimer Ausbildungsmesse vor nunmehr 17 Jahren hat sich das Blatt komplett gewendet: Damals fanden sich in der Kar-Rau-Halle rund 40 Unternehmen, Institutionen und Anbieter von Studiengängen ein, um sich jungen Menschen zu präsentieren und verschiedene Ausbildungsberufe vorzustellen. Die Jugendlichen waren es, die um Lehrstellen kämpfen mussten, die sich aufwendigen Bewerbungsverfahren unterziehen und im besten Licht präsentieren mussten, um nach der Schule nicht auf der Straße zu stehen. Die Zahl der Bewerber überstieg die der freien Ausbildungsplätze sehr deutlich.

Situation ist traumhaft

Heute sieht das ganz anders aus. „Die Situation ist aus Sicht der Jugendlichen traumhaft, aus Sicht der Betriebe weniger“, sagt Elmar Zillert, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Aalen. 1033 freie Ausbildungsplätze seien in diesem Jahr im Landkreis Heidenheim gemeldet gewesen, die Zahl der Bewerber belief sich lediglich auf 839. „Und nicht jeder, der als Bewerber geführt wird, tritt tatsächlich auch eine Ausbildung an“, so der Agenturchef, der Ausbildungsmarkt sei heute so gut wie nie.

Und die Betriebe suchen teils händeringende nach Nachwuchs. Denn durch den demographischen Wandel werde sich der schon bestehende Fachkräftemangel in ein paar Jahren noch deutlich verschärfen, wenn viele Fachkräfte in den Ruhestand gehen. In zehn Jahren würden in Ostwürttemberg 27 000 neue Fachkräfte gesucht, prognostiziert Zillert.

Und so ist die Ausbildungsmesse, die am Samstag auf dem Schlossberg stattfindet, inzwischen eine Präsentationsfläche für Unternehmen geworden. Gleichwohl ist sie weit mehr als das, „denn die Komplexität der Berufswahl bleibt und ist sogar noch größer geworden“, so Zillert. Die Frage, welcher Beruf zu einem passt, ist eine der wichtigsten überhaupt. Bei der Messe haben die Jugendlichen Gelegenheit, sich umfassend über die verschiedenen Berufe zu informieren, mit Praktikern ins Gespräch zu kommen, Unternehmen kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. Das ist dem Agenturchef zufolge sehr wichtig, denn häufig könnten auch Praktika bei der richtigen Berufswahl sehr hilfreich sein.

Sich im Dschungel der Studiengänge und Ausbildungsberufe zurecht zu finden, sei nicht einfach: „Bei 350 Ausbildungsberufen und mehr als 18 000 Studiengängen ist das eine große Herausforderung.“ Das wird schon daran deutlich, dass die Abbrecher-Quote bei Ausbildungsberufen bei 18 Prozent, beim Studium sogar bei 30 Prozent liegt. „Das können wir uns aber gesellschaftlich gesehen auf die Dauern nicht leisten“, sagt der Agenturchef. Deshalb empfiehlt er, sich auf den Besuch der Messe richtig vorzubereiten. Auch die Begleitung durch die Eltern sei sehr sinnvoll, weil sie wesentliche Entscheidungshilfen bei der Berufswahl bieten könnten.

Junge Menschen nicht verlieren

„Wir dürfen keinen jungen Menschen verlieren“, betont David Mittner, Geschäftsbereichsleiter für Kinder, Jugend und Soziales im Rathaus. Ein erfolgreicher Schulabschluss sei die Grundlage für eine gute Berufsausbildung, und deshalb setze die Stadt schon seit Jahren auf eine sehr hohe Qualität der Bildung. „Wenn es schulisch passt, gelingt auch der Übergang in den Beruf“, so Mittner. Die Stadt ist ebenso wie das Landratsamt bei der Ausbildungsmesse präsent. „Das ist eine tolle Plattform, bei der Arbeitgeber Werbung für sich und ihre Ausbildungsberufe machen können“, sagt Nicole Gerstenlauer, Leiterin der Stabsstelle Personal im Landratsamt.

Der Geschäftsführer des Job-Centers, Albert Köble, betont, dass auch Flüchtlinge für den Ausbildungsmarkt eine bedeutende Rolle spielen. Im Kreis gebe es mehr als 300 erwerbsfähige anerkannte Flüchtlinge zwischen 15 und 25 Jahren. Sie gelte es, in den Arbeitsmarkt zu integrieren und ihnen Ausbildungen zu ermöglichen.

Dass es über die Ausbildungsmesse hinaus die Möglichkeit gibt, sich über Berufe und Unternehmen zu informieren, erläuterte HZ-Geschäftsführer Martin Wilhelm im Rahmen des Pressegesprächs. So hätten Unternehmen die Möglichkeit, sich mit Videos im Internet zu präsentieren und auf sich aufmerksam zu machen.

Die Webseite, auf der sich die Unternehmen aus der Region präsentieren, findet sich unter www.nextstep-ausbildung.de

141 Aussteller und tausende Besucher werden erwartet

8000 Besucher wurden im vergangenen Jahr bei der Ausbildungsmesse gezählt Damit ist sie die größte in der Region.

141 Aussteller werden sich am Samstag im Congress-Centrum, im Schloss-Hotel und in der Tennishalle präsentieren. Dabei sind rund 200 Berufe repräsentiert.

Neben den Infoständen der Hochschulen, Institutionen, Behörden, Kammern und Betriebe gibt es auch bei der Veranstaltung zahlreiche Vorträge rund ums Thema Berufswahl.

Eröffnet wird die Messe am kommenden Samstag, 10. November, um 9.30 Uhr. Bis 14.30 Uhr haben Interessierte die Möglichkeit, sich umfassend zu informieren und Kontakte zu knüpfen.

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