Kreis Heidenheim / Von Nadine Rau Wegen überhöhter Geschwindigkeit kam es im vergangenen Jahr zu 41 Unfällen, bei denen sich Personen verletzt haben – halb so viele wie 2017. Dennoch hat es insgesamt häufiger gekracht.

Eine Überraschung ist es kaum, dass sich die Anzahl der Verkehrsunfälle im vergangenen Jahr erhöht hat, schließlich wird auch im Kreis der Verkehr immer noch dichter. So hat es auf den Straßen im Kreis Heidenheim, die Autobahn einmal ausgenommen, 29 Mal öfter gekracht als im Jahr 2017 – und zwar 2891 Mal.

Das geht aus der Unfallstatistik hervor, die das Ulmer Polizeipräsidium vorgestellt hat. Ein Blick auf die wichtigsten Zahlen und was dahintersteckt.

Der Verkehr in Zahlen

Unfälle mit Personenschaden: Bei 414 der knapp 2900 Unfälle kamen laut Statistik Personen zu Schaden. Im Vergleich zu 2017 ist auch diese Zahl gestiegen, da waren es noch 403. Heidenheim ist hier übrigens keine Ausnahme. Im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums, also auch im Alb-Donau-Kreis, Biberach, Göppingen und in der Stadt Ulm, kam es ebenfalls häufiger zu Unfällen, bei denen sich Personen verletzt haben oder gestorben sind.

Etwas zu vielversprechend also klang zunächst die Meldung der Polizei Ulm, dass die Verkehrsunfälle seit 2014 erstmals wieder rückläufig sind. „Uns ist es zwar gelungen, die Gesamtanzahl um ein Prozent zu senken, aber der Rückgang bezieht sich nur auf Unfälle mit Sachschaden“, erklärte Polizeipräsident Christian Nill. Was ihm weiter Sorgen mache, das seien die Unfälle, bei denen Verkehrsteilnehmer verletzt würden.

Wie endeten die Unfälle?

2018 haben sich auf den Straßen im Kreis 531 Personen verletzt – 393 davon leicht und 136 schwer. Auch diese Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr alle drei gestiegen. Bei einem Unfall ums Leben gekommen sind zwei Personen, 2017 waren es vier. Wie die Polizei vermeldet, geht die Zahl der Verkehrstoten zurück, allerdings auf lange Sicht gesehen: Im gesamten Präsidiumsbereich starben sowohl 2017 als auch 2018 41 Verkehrsteilnehmer. 2010 waren es aber noch 52.

„Wir reklamieren einen Teil für diesen langfristigen Erfolg für uns und unsere Arbeit, haben das aber auch der Entwicklung der Autoindustrie zu verdanken“, befand Nill. Die vielen Sicherheitselemente in den Fahrzeugen und die Hilfen, noch bevor es zu einem Unfall kommt, seien dafür sehr wichtig.

Wie kommt es zu den Unfällen?

Vermeiden lassen sich Unfälle aber eben doch noch nicht. Eine gute Nachricht zumindest lautet, dass die Hauptursache, nämlich überhöhte Geschwindigkeit, weiter reduziert werden konnte. Vor allem im Kreis Heidenheim ist diese Entwicklung sehr auffällig: 2017 hat die Polizei 80 Unfälle, bei denen sich Personen verletzt haben, wegen zu viel Tempo verzeichnet. Jetzt waren es nur noch 41. Die Polizei habe intensiv kontrolliert, so Nill, und weit mehr Verstöße als 2017 aufdecken können.

Um 15 auf 60 Unfälle gestiegen ist in Heidenheim die Zahl der Unfälle, bei denen die Fahrer Alkohol getrunken hatten. Auch Drogen wie Cannabis seien ein Thema, so Nill, das die Polizei weiter stark umtreibe. Extra Schulungen hätten die Beamten auf professionellere Kontrollen im laufenden Jahr vorbereitet.

19 Mal ereigneten sich die Unfälle im Kreis beim Überholen, 83 Mal, weil die Vorfahrt missachtet worden ist.

Während es immer besser gelingt, die Geschwindigkeit zu kontrollieren, kämpft die Polizei umso mehr mit einem anderen Problem: das Handy. Oder auch andere Ablenkung etwa wegen des Navis oder des Radios. Bei zwölf der 41 tödlichen Unfälle in den vier Landkreisen konnte keine Ursache ermittelt werden, was auf Ablenkung schließen lässt.

Wer war an den Unfällen beteiligt?

Bei den Unfällen im Kreis waren 2018 häufig Motorrad- und Radfahrer (84 und 95 an der Zahl) beteiligt. Das gute Wetter im vergangenen Sommer hat zu dieser Entwicklung beigetragen. „Mit den Zweirädern ist das Risiko noch höher, da ist eben der Kopf die Knautschzone und einen Airbag gibt es nicht“, schilderte Ulms Polizeidirektor Manfred Burger. Es sei gar nicht einfach, Radfahrern und Motorradfahrern etwas nahezubringen. Die Motorradfahrer hörten nur auf andere Motorradfahrer, während Eltern bei den Radtouren mit ihren Kindern selbst den Helm nicht aufsetzten und so alle Prävention an den Schulen zunichtemachen, wie es Nill formulierte.

Um acht auf 132 gesunken ist indes die Anzahl der Unfälle, an denen ein Lkw beteiligt war.

Unfälle mit jungen Fahrern

Viele würden es vielleicht nicht annehmen, aber immer weniger junge Fahrer verursachen Verkehrsunfälle. 2018 erfasste die Polizei für den Kreis 289 solcher Fälle, 2017 noch 300. Bei 64 der Unfälle kamen Personen zu Schaden, ansonsten ging nur Blech kaputt.

Auch über den Kreis hinaus zeichnet sich dieser Trend klar ab. „Wir waren erst kritisch, aber das begleitete Fahren ab 17 Jahren zeigt Erfolg“, zeigte sich Polizeipräsident Nill zufrieden.

Unfälle mit Senioren:

Während die jungen Fahrer weniger Unfälle verursachen, rücken die Senioren immer mehr in den Fokus der Polizei. Die Unfälle in Heidenheim sind 2018 um 13 auf 300 angestiegen, 60 Personen haben sich bei den Unfällen verletzt. In den anderen Landkreisen sieht es ähnlich aus, die Polizei verzeichnet hier eine Steigerung der Unfälle mit Personenschaden um 21 Prozent. „Wir machen keine Jagd auf Senioren, aber wir achten bei Kontrollen vermehrt darauf, ob sie überhaupt noch in der Lage sind, Auto zu fahren“, betonte Nill.

Auch als Zweiradfahrer würden die Senioren Sorgen bereiten, da sie immer häufiger auf Pedelecs unterwegs sind. Mit den doch recht hohen Geschwindigkeiten seien die Fahrer allerdings oft überfordert, weil Konzentrationsfähigkeit und Reflex nachlassen.

Und nach dem Unfall?

Eine letzte Zahl, die ebenfalls gestiegen ist, sei noch genannt: 2018 flüchteten 723 Unfallverursacher im Kreis Heidenheim nach ihrer Tat – 60 Mal öfter als im Vorjahr.

Präsident Nill: Autonomes Fahren wird viel verändern

Er selbst wird das zwar nicht mehr erleben, scherzte Polizeipräsident Christian Nill, doch wenn sich das autonome Fahren, vielleicht ums Jahr 2030 oder 2035, erst einmal etabliert hat, dann werde es in seinen Augen möglich sein, die Anzahl der Verkehrsunfälle stärker zu verringern. Damit würden Unfallursachen wie überhöhte Geschwindigkeit und Unachtsamkeit wegfallen.

Nill ist überzeugt: „Solange Menschen aus Fleisch und Blut, mit Emotionen und Zeitdruck die Fahrzeuge steuern, werden wir es noch nicht schaffen, die Anzahl der Verkehrsunfälle sagen wir um etwa 15 Prozent zu verringern (von 2017 auf 2018 war es ein Prozent).

Derzeit seien die äußeren Rahmenbedingungen für einen spürbaren Wandel schlicht nicht gegeben. Eine größere Bevölkerung und damit einhergehende steigende Zulassungszahlen führten zu einem komplexen Verkehrsaufkommen.