Heidenheim / Kathrin Schuler  Uhr
Die Tätigkeit eines Stadtrats ist ehrenamtlich, eine Entschädigung gibt es trotzdem. Wie viel das ist und ob sich der Aufwand lohnt.

Lohnt es sich finanziell, Stadtrat zu werden? Zwar ist die Arbeit im Gemeinderat eine ehrenamtliche Tätigkeit, doch nichtsdestotrotz gibt es dafür eine Vergütung. Oder vielmehr: eine Aufwandsentschädigung.

Und Aufwand hat man als Stadtrat nicht gerade wenig: „Wenn man die Arbeit mit der gebotenen Sorgfalt und Verantwortung macht, ist das schon ein Halbtagsjob“, sagt Uli Grath, der allerdings nicht nur Stadtrat, sondern Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler ist: „Da hat man ungefähr noch einmal doppelt so viel zu tun wie als normaler Stadtrat.“ Ganz ähnlich sieht das Rudi Neidlein, der den Fraktionsvorsitz der SPD im Heidenheimer Gemeinderat innehat: „Mit einem Vollzeit-Job ist diese Arbeit nur sehr schwer zu vereinbaren.“

Doch worin besteht dieser Aufwand eigentlich? Etwa einmal im Monat tagt der Gemeinderat, dessen Sitzung sich gerne über mehrere Stunden vom Nachmittag bis in den Abend ziehen. Dazu kommen noch die Sitzungen der Ausschüsse und Aufsichtsräte, die ebenfalls regelmäßig zusammen kommen und in denen viele der Stadträte Mitglied sind, insbesondere die Fraktionsvorsitzenden. Die Klausurtagungen des Gemeinderats dauern sogar mehrere Tage.

Doch mit der Teilnahme an Sitzungen ist die Arbeit der Stadträte längst noch nicht getan: Dazu kommt die Vorbereitungszeit. „Wir sind nicht alle Experten auf jedem Sachgebiet und müssen uns in die verschiedenen Themen auch erst einarbeiten“, sagt die CDU-Fraktionsvorsitzende Petra Saretz.

Mit den Jahren und steigender Erfahrung benötige man für die Vorbereitung jedoch immer weniger Zeit: „Irgendwann kennt man sich besser aus und vieles wiederholt sich irgendwann“, sagt der Grünen-Fraktionschef Michael Sautter, der den Job als Stadtrat immerhin seit 40 Jahren macht. Vor einer Gemeinderatssitzung werden die einzelnen Tagesordnungspunkte außerdem mit den Fraktionsmitgliedern besprochen.

Wie viel Zeit die Arbeit kostet

Wie viel Zeit bleibt dabei aber nun auf der Strecke? „Im Monat sind es rund 60 Stunden“, sagt Neidlein. Etwas weniger schätzt Petra Saretz mit guten 20 Stunden. Doch dann wären da auch noch die Termine, bei denen zumindest die Anwesenheit der Fraktionsvorsitzenden Pflicht sei, auch wenn sie mit der eigentlichen Arbeit im Gemeinderat nur wenig zu tun haben: zum Beispiel Hauptversammlungen der Sportvereine oder Feuerwehren. „Schließlich wollen wir wissen, was die Menschen bewegt, und dazu muss man vor Ort sein“, sagt Saretz.

Spannend ist also die Frage, ob sich die ganze Arbeit denn wenigstens finanziell lohnt. „Wenn Geld das Motiv ist, würde ich jedem davon abraten, Stadtrat zu werden“, sagt Grath. Denn würde man die Entschädigung als Stundenlohn betrachten, läge dieser noch weit unter dem Mindestlohn.

Rund 300 Euro im Monat

130 Euro gibt es jeden Monat als Aufwandsentschädigung für die Stadträte, womit die Fraktionsarbeit abgegolten ist. Dazu kommt ein Sitzungsgeld in Höhe von zehn Euro je angefangener Stunde bis zu einem Höchstbetrag von 90 Euro. Etwas mehr bekommen die Fraktionsvorsitzenden: Für den Mehraufwand gibt es monatlich eine zusätzliche Entschädigung in Höhe von 75 Euro – und für jedes Fraktionsmitglied gibt es für die Vorsitzenden nochmal fünf Euro obendrauf.

Für die Fraktionsvorsitzenden macht das durchschnittlich pro Monat rund 250 bis 300 Euro. „Finanziell lohnen tut es sich bei dem ganzen Aufwand nicht“, sagt Neidlein. Doch über die Bezahlung nachzudenken, sei ohnehin sinnlos: Darum mache man den Job schließlich nicht, so Saretz. Schließlich ist die Tätigkeit eines Stadtrates immer noch ein Ehrenamt, dass man aus innerer Überzeugung ausübe. Und immerhin sei die Aufwandsentschädigung doch ein ganz ordentliches Taschengeld, meint Sautter: „Es ist also nicht so, dass man den Job umsonst macht.“

Was die Ortschaftsräte bekommen

Nicht nur die Stadträte, die im Heidenheimer Gemeinderat sitzen, werden für ihre ehrenamtliche Tätigkeit entschädigt. Auch für die Ortschaftsräte in den Teilorten Großkuchen und Oggenhausen gibt es eine Aufwandsentschädigung – allerdings deutlich weniger. Denn bei den Ortschaftsräten fällt die monatliche Pauschale in Höhe von 130  Euro weg. Für sie gibt es also nur ein Sitzungsgeld, das bei einem zeitlichen Anspruch von bis zu zwei Stunden 20 Euro beträgt, bis vier Stunden gibt es 40  Euro und ab fünf Stunden 50 Euro.