Heidenheim / Marita Kasischke Kabarettistin Martina Schwarzmann kam, sang und siegte mit einem völlig unaufgeregten Abend vor 1200 Zuschauern im Congress Centrum.

„Da kannst dich ja auch in Brennnessel neihocka“, das ist Martina Schwarzmanns Meinung über kostenträchtige Angebote mit dem Ziel, „sich selbst zu spüren“. Und sie selbst setzt sich ganz gern mal in die Nesseln, das zeigte sich am Freitagabend im Congress-Centrum bei ihrem Programm „Genau richtig“, das das Haus voll machte: 1200 Besucher zog die bayerische Kabarettistin an, und das, obwohl sie nicht bei Facebook & Co. vertreten ist: „Des mog i ned.“

Vieles mag sie nicht: Frauen, die über ihre Männer herziehen, beispielsweise. „Wie kann man sich denn jemand raussuchen, den man so gar nicht mag?“, fragt sie sich in ihrem so nach Gemütlichkeit klingenden bayerischen Dialekt. Und sie weiß, dass Gemütlichkeit trügerisch sein kann. Weiberabende muss man durchstehen können, ohne aufs Klo zu müssen. Denn sonst wird man sofort Ziel von Spott und Häme. Wer eben noch scheinbar bewundernd lobte, man habe abgenommen, kann dann die kurze Abwesenheit der Gepriesenen dazu nutzen, für den nächsten Fasching den Kostümvorschlag Rollbraten zu unterbreiten. Und da saß sie auch schon in den Nesseln, meinte man, wenn sie ihre eigene Spezies so aufs Korn nimmt, aber nein, das Publikum entdeckte den Wiedererkennungswert und schüttelte sich vor Lachen.

Auf den Punkt gebracht

Schwarzmann bringt es einfach auf den Punkt, und sie scheut dabei auch nicht davor zurück, detailliert die richtige Verwendung der Klobürste zu schildern: „I hob des Gfühl, des kann nicht schaden.“ Die demnächst vierfache Mutter („I bin so dick, beim Baden brauch i bloß vier Tassen Wasser“) scheint dermaßen in sich zu ruhen, und nichts und niemand scheint sie aus dieser Ruhe bringen zu können. Themen wie Pornos und Sex fügen sich geschmeidig zu solchen wie Bio-Bauernhof, Fensterputzen und „Staubwuckerl“, und bei den einen wie den anderen nimmt sie keinerlei Blatt vor den Mund: „Wer Vögeln will, muss freundlich sein“, heißt eines ihrer modernen Gstanzerln, selbst geschrieben, selbst gesungen, selbst die Begleitung auf der Gitarre geliefert.

Und auch um sich selbst macht sie keinerlei Brimborium: „I bin so mittelalt, so mittelgescheit, so mittelschön“, singt sie, und vermutlich möchten nicht wenige Zuschauer vor allem im Mittelteil widersprechen. Über den ganzen Abend drängt sich schon der Eindruck auf, dass sie ein bissl mehr Gscheitheit mitbringt als so mancher andere – die Frau, denkt man, die hat’s kapiert, dass es doch das größte Glück ist, einfach bei sich selbst zu bleiben, sich um Cellulite („Man denkt, das muss doch weh tun, aber das gspürt man überhaupt ned“) und Krampfadern („Mir steht’s“) einen Dreck zu scheren und auch ihren eigenen Mann einen guten Mann sein zu lassen. Schließlich hat sie sich den ja auch selbst rausgesucht.

Entspannt mehr Zeit

Selbst gewählt ist auch Mutterschaft und Bühnentätigkeit, die sie beide mit gleicher Gelassenheit ausführt, vor allem, seit sie entdeckt hat, wie entspannend Toleranz ist: „Da hast ja plötzlich so viel Zeit, wenn dich nicht über alles aufregst.“ Freilich können auch sie Dinge auf die Palme bringen: Diskriminierung zum Beispiel, die sie praktisch bei jedem ihrer Auftritte zu spüren kriegt, wenn sie gefragt wird, wer denn nun auf ihre Kinder aufpasst. Aber da diskriminiert sie einfach zurück und stellt die gleiche Frage auch den Männern in ihrem Umfeld, also vorzugsweise dem Postboten.

Seit 15 Jahren ist sie als Kabarettistin unterwegs, und nach Abenden wie diesen wünschte man sich, sie möge niemals aufhören damit, freut sich aber auch auf ihren Ruhestand, denn da wird sie nämlich mit ihrer eigenen Punkband durch die Lande ziehen. Einen Namen hat sie schon: „Die heißen weißen Radi-Salzer“ wird die bayerische Antwort auf die „Red Hot Chili Peppers“ lauten. Und vielleicht hat sie dann ja auch ihren weiteren Traum erfüllt: mit dem Hüpfball durch die Münchener Innenstadt. Die zwei Stunden mit ihr jedenfalls fühlten sich fast so an. Da war alles exakt so wie der Name ihres Programms: Genau richtig.

Gelernte Köchin, gelebte Kabarettistin

Das Lachen blieb Dauergast an diesem Abend mit Martina Schwarzmann im Congress Centrum. Für ihre Lieder und Texte schöpft die gelernte Köchin aus Überacker bei Fürstenfeldbruck aus dem Alltag; aus ihrem eigenen, aus dem der anderen, den sie haargenau beobachtet, scharfsinnig analysiert und dann auf das Wesentliche runterbricht, und das in einer so verblüffenden Einfachheit, das man sich unwillkürlich fragt, warum andere so ein Bohei drum herum machen.