Heidenheim / hz Leserbrief zur Hilflosigkeit mancher Menschen.

Samstag nach Einbruch der Dunkelheit. Einer jungen Flüchtlingsfrau geht's gesundheitlich schlecht. Dann hat sie plötzlich 40 Grad Fieber und Schüttelfrost. Der Ehemann fährt mit dem Fahrrad zum Arzt am Ort. Kein Dienst und niemand da. Weiter zur Apotheke. Alles dunkel. Er liest auf der Tafel, dass die nächste diensthabende Apotheke, in Königsbronn oder Niederstotzingen, geöffnet hat. Die Familie hat kein Auto, also sucht der Mann bei den wenigen Leuten, die sie kennen, nach Hilfe. Zuerst bei uns, doch wir sind auswärts bei einer Familienfeier. Eine Frau, ebenfalls ohne Auto, ruft einen Arzt in Heidenheim. Der Mediziner kommt zur Erleichterung aller Beteiligten umgehend nach Dischingen. Diagnose Grippe. Er schreibt ein Rezept aus, auch für Antibiotika, das wegen dem hohen Fieber baldmöglichst genommen werden soll. Man erinnert sich – die nächste Apotheke ist 24km weit weg. Geld für ein Taxi haben sie keines. Gut, wir haben per Telefon mitgesucht und eine hilfsbereite Frau gefunden, die nach Königsbronn fuhr und die dringend benötigten Medikamente abholte. Was, um Himmels Willen, macht jemand, der aufgrund seiner Lebensumstände – Alter, Behinderung, Armut, Vereinsamung – keine Kontakte hat?

Inge Grein-Feil, Dischingen