Heidenheim / Kathrin Schuler Die erfolgreiche Unternehmerin und Weltumseglerin Stefanie Voss erklärt, welche Strategien man sich von Seeräubern abschauen kann.

Sie weiß, wie man die Segel richtig setzt: Stefanie Voss, ehemals Managerin in einem großen Dax-Konzern, hat bereits einmal die ganze Welt umsegelt. Obwohl sie auf ihrer Weltumsegelung selbst keine Piraten getroffen hat, stellte sie auf See fest: Viele der Fähigkeiten, die Piraten erst erfolgreich machten, können auch im Arbeitsleben nützlich sein.

Denn die oftmals brutalen Vebrecher waren gleichzeitig clevere Strategen und zudem kollegiale Kameraden, denen es an Mut nicht fehlte. Was man sich von den waghalsigen Seeräubern für Berufsleben und Alltag so abschauen kann, erklärt sie in ihrem Vortrag „Piratenstrategie – Was wir von Seeräubern lernen können“. Am Mittwoch, 22. Mai, ist die Unternehmerin, Führungs- und Kommunikationsexpertin Stefanie Voss damit um 19.30 Uhr im Rahmen der Heidenheimer Impulse zu Gast in der Stadtbibliothek.

„Was wir von Seeräubern lernen können“ – da kommen einem doch zuerst rauben, plündern und Überfälle in den Sinn. Darum geht’s in Ihrem Vortrag aber wahrscheinlich nicht, oder?

Stephanie Voss: Wenn man ein Schiff entern will, muss man das woanders lernen. In meinem Vortrag geht es um die nonkonformen Strategien, mit denen Seeräuber unglaubliche Erfolge erzielt haben. Die können wir uns von ihnen abschauen – und dabei sowohl im Beruf, als auch im Privatleben profitieren. Man muss wissen: Seeräuber waren eigentlich arme Männer. Sie wurden nicht wegen der Lust am Rauben und Töten zu Seeräubern, sondern weil sie ihren Status quo nicht akzeptieren wollten. Darum haben sie Dinge getan, die vor ihnen noch niemand gemacht hat – und das so klug, dass sie am Ende erfolgreich waren.

Was denn zum Beispiel?

Der Pirat Blackbeard etwa. Blackbeard hat unglaublich viel Beute gemacht, ohne zu kämpfen – denn die Menschen hatten irgendwann so viel Angst vor ihm, dass sie ihm ihre Schätze freiwillig überlassen haben. Er hat sich einen Ruf aufgebaut, der für sich sprach. Keiner hat sich mehr getraut, etwas gegen ihn zu unternehmen.

Sollten wir also auf der Arbeit anfangen, mehr Angst und Schrecken zu verbreiten?

Nein, das sollten wir natürlich nicht übernehmen. Aber die Strategie, die dahintersteckt, können wir uns fürs Berufsleben abschauen: Ein Image aufzubauen. Wie will ich wahrgenommen werden? Wer im Beruf eine Führungsposition übernehmen will, sollte sich das so früh wie möglich überlegen. Gerade Frauen leiden oftmals am Fleißigen-Bienchen-Syndrom: Sie erledigen alles sofort, stehen auf Abruf bereit und können zu keiner Aufgabe, die man ihnen aufträgt, Nein sagen. Wenn man aber vor allem als Frau nicht klarmacht, womit man glänzen kann, wird man bei der Besetzung von Führungspositionen leicht übergangen.

Kann man ein solches Image überhaupt wieder loswerden, wenn man es einmal hat?

Ja, aber zuerst muss man sich klarmachen, wie man im Moment wahrgenommen wird und welche Verhaltensweisen man an den Tag legt. Dann muss man sich fragen: Was für Menschen bewundere ich? Sagen die immer zu allem Ja und Amen? Natürlich sollte man nicht versuchen, andere nachzuahmen. Doch Vorbilder zu haben, schadet nicht – und bestimmte Eigenschaften darf man sich abschauen. Und letzten Endes braucht es für eine Veränderung vor allem Überwindung und ein bisschen Wagemut.

Und woher bekommt man diesen Wagemut?

Den muss man sich nehmen. Letzten Endes geht es darum, sich bewusst einen Gänsehautmoment zu schaffen. Adrenalin auszulösen. Dafür muss man allerdings etwas tun, das man noch nie zuvor im Leben getan hat, und das ist nicht einfach. Aber sonst sitzen wir irgendwann alle in einem Hamsterrad und reflektieren gar nicht, was mit uns passiert und wie wir leben. Meist brauchen wir einen massiven Anstupser – etwa eine plötzliche Kündigung oder der Tod eines lieben Menschen – damit wir unser Leben selbst in die Hand nehmen. Ich will in meinem Vortrag dazu aufrufen, dass nicht erst etwas Drastisches passieren muss, damit wir uns ändern.

Warum fallen uns Veränderungen eigentlich so schwer?

Weil der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Und wir haben alle Angst davor, auf die Nase zu fallen – also lassen wir lieber alles so, wie es ist. Dabei muss man ja nicht gleich beim Chef mit der Faust auf den Tisch hauen, wenn man eigentlich schüchtern ist und mehr aus sich herauskommen will. Als Anfang kann man auch mal einem Kollegen ein Kompliment machen. Oder im Supermarkt die Öffnung einer zweiten Kasse verlangen, statt den Ärger einfach runterzuschlucken, wie man es sonst immer macht.

Wenn man etwas ändern will, ist es nicht schlecht, einen Plan zu haben. Selbstreflektion ist aber noch viel wichtiger, und dafür brauchen wir keinen teuren Coach. Wir nehmen uns viel zu wenig Zeit für uns selbst, um zu schauen: Wie sind wir eigentlich im Moment unterwegs? Wenn wir wirklich wollen, können wir alle unsere eigenen Piratengeschichten erzählen und unser Leben selbst in die Hand nehmen.

Und werden dann selbst irgendwie auch ein bisschen zu Piraten?

Auf jeden Fall! Und wenn man sich einmal ein Herz gefasst hat, wird es mit der Zeit immer leichter.

Die Heidenheimer Impulse

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Heidenheimer Impulse“ bietet die Heidenheimer Zeitung in Zusammenarbeit mit der Kreissparkasse Heidenheim regelmäßig Vorträge an, bei denen hochkarätige Experten über aktuelle Themen wie Politik, Trendforschung, Chancenmanagement und Selbstmotivation sprechen. Nach Stefanie Voss ist am 5. Juli der Sportpsychologe Professor Jan Mayer zu Gast. Er spricht im Sparkassen Business Club darüber, wie man lernen kann, seine Selbstzweifel zu überwinden und selbst bei größtem Stress souverän aufzutreten.

Karten für alle  Vorträge gibt es im Pressehaus in der Olgastraße, in allen HZ-Geschäftsstellen sowie online im Ticketshop der Heidenheimer Zeitung.