Heidenheim Wann fliegt die ISS über Heidenheim?

Heidenheim / Michael Brendel 21.08.2018
Anders als viele vermuten, ist die um die Erde kreisende Internationale Raumstation regelmäßig und zu exakt bekannten Uhrzeiten mit bloßem Auge auszumachen.

Was waren das für Aussichten: Am 27. Juli sollten gleich drei spektakuläre Ereignisse am abendlichen Himmel zu sehen sein – die längste Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts, der Mars in nie gekannter Größe und der gut sechs Minuten lange Überflug der ISS. Die Voraussetzungen schienen bestens, trübte doch bereits seit Wochen kein Wölkchen den Blick in den Abendhimmel.

Die Vorhersage traf tatsächlich ein, wenngleich mit Abstrichen. Zur Unzeit aufziehende Wolken führten nämlich dazu, dass sich der in Aussicht gestellte und sich komplett im Kernschatten der Erde versteckende „Blutmond“ zunächst als reichlich blutleere Ankündigung entpuppte. Als mancher bereits Fernglas und Kamerastativ eingepackt hatte, zeigte sich die Natur dann aber doch noch nachsichtig, ließ Mond und Mars ein kurzes Schauspiel geben.

Wiederholung in 105 Jahren

Eine Sternstunde war's für jene, die auf ihrer Terrasse ausgeharrt oder das Angebot des Astronomievereins genutzt hatten, von der Sternwarte auf dem Erbisberg aus zum Augenzeugen des Geschehens zu werden, das sich in vergleichbarem Maße erst wieder in 105 Jahren abspielen soll.

Kaum jemand der heute Lebenden dürfte ernsthaft auf die sich dann bietende zweite Chance hoffen, und so machte sich beim einen oder anderen große Enttäuschung breit, diesmal nicht wenigstens die Internationale Raumstation erspäht haben zu können.

Mit bloßem Auge zu sehen

Dahinter verbirgt sich eine mehrfache Fehleinschätzung: Zum einen war die ISS am 27. Juli sehr wohl lang und deutlich am Himmel über Heidenheim zu sehen. Zum anderen wird sie 2123 nicht mehr ihre Runden ziehen, sondern längst in der Erdatmosphäre verglüht bzw. teilweise in den Tiefen eines Ozeans versunken sein. Und überdies ist die Raumstation bis dahin bei Dunkelheit alle paar Tage mit bloßem Auge zu beobachten.

Im Internet lässt sich für jeden beliebigen Ort sekundengenau abrufen, wann die ISS zu sehen ist. Eine Möglichkeit dazu bietet die Adresse heavens-above.com. Auf der Startseite kann man rechts oben die Sprache einstellen und in der linken Spalte unter dem Menüpunkt Einstellungen den Beobachtungsstandort bestimmen. Wer dort beispielsweise Heidenheim eingibt und anschließend unter dem Menüpunkt Satelliten „Internationale Raumstation (ISS)“ wählt, bekommt die sichtbaren Überflüge in den kommenden zehn Tagen geliefert. Gegebenenfalls muss mit den Pfeiltasten im Kalender nach vorne gesprungen werden.

(Wann kann man die ISS sehen: Um dies für Ihren Ort herauszufinden, wählen Sie Ihr Land und Ihren Ort aus. Für den Kreis Heidenheim eignet sich die Auswahl Germany/Stuttgart oder Germany/Ulm. Mit einem Klick auf die Blaue Schaltfläche „More Sightings“ kann man anschließend weitere Termine sehen).

Die dann erscheinende Übersichtstabelle listet neben dem Datum unter anderem die Uhrzeit und den Verlauf der jeweiligen Flugbahn auf. Für Heidenheim spuckt der Rechner aktuell als nächsten sichtbaren Überflugtermin den 30. August aus. Um 5.57 Uhr und 38 Sekunden taucht die ISS im Süden auf, erreicht um 6.00 Uhr und vier Sekunden im Südosten ihren höchsten Punkt und verschwindet um 6.02 Uhr und 30 Sekunden im Osten wieder. Die Gefahr, die ISS trotz freier Sicht zu verpassen, ist gering: Mit ihren Solarpanels bedeckt sie eine Fläche von der Größe eines Fußballfeldes. Von der Sonne beschienen, wirkt sie wie ein heller Stern, der sich in 400 Kilometern Höhe vor dunklem Hintergrund bewegt.

Fast auf der ISS gelandet

Zum Greifen nah war der am 2. September 1953 in Heidenheim geborene Astronaut Dr. Gerhard Thiele im Februar 2000 der Internationalen Raumstation. Mit dem Space Shuttle Endeavour umrundete er damals elf Tage lang die Erde. Er war der bis dahin zehnte Deutsche im All.

Im Sternenstädtchen bei Moskau bereitete sich Thiele drei Jahre später als Ersatzmann für den Holländer André Kuipers auf einen Flug zur ISS vor. Anschließend kehrte er zum Astronautenzentrum der europäischen Weltraumbehörde Esa nach Köln zurück und wurde 2005 Leiter des europäischen Astronautenteams.

Thieles Tochter, Dr. Insa Thiele-Eich, schickt sich an, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten: Die 35-jährige Meteorologin fliegt in zwei Jahren möglicherweise als erste Deutsche ins All. Derzeit trainieren sie und Dr. Suzanna Randall für den einzigen verfügbaren Platz im Rahmen der privaten Initiative „Die Astronautin“.

Die ISS sehen - so geht’s:

(Wann kann man die ISS sehen: Um dies für Ihren Ort herauszufinden, wählen Sie Ihr Land und Ihren Ort aus. Für den Kreis Heidenheim eignet sich die Auswahl Germany/ Stuttgart oder Germany/Ulm).

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