Asyl Waldkirche wird Begegnungszentrum für Flüchtlinge

Ein Zuschuss des Landes macht den Weg frei: In der ehemaligen Waldkirche richtete der Landkreis ein der Flüchtlingshilfe dienendes Begegnungszentrum ein.
Ein Zuschuss des Landes macht den Weg frei: In der ehemaligen Waldkirche richtete der Landkreis ein der Flüchtlingshilfe dienendes Begegnungszentrum ein. © Foto: Oliver Vogel
Heidenheim / Von Erwin Bachmann 04.10.2016
Lange Lange hat man im Landratsamt auf das grüne Licht gewartet, ein Begegnungszentrum für Flüchtlinge einrichten zu können. Jetzt ist die Förderzusage da.

Seit Mitte Juni schon ist die interimsweise als Flüchtlings-Notunterkunft genutzte Waldkirche geräumt, doch bald ist es mit dem mehrmonatigen Leerstand wieder vorbei. Der Landkreis ist und bleibt Mieter dieses Gotteshauses, das schon länger keines mehr ist und nach wie vor mit der Flüchtlingsthematik verbunden bleiben wird, wenngleich in ganz anderer Form: Statt einer Bettenburg wird an diesem Ort nunmehr ein kreisweites Begegnungszentrum „Migration und Ehrenamt“ betrieben.

Auf dem Papier besteht diese Einrichtung schon länger, doch jetzt ist die Kreisverwaltung auch im Besitz des wichtigsten Papiers, einer Förderzusage aus Stuttgart. Mit der Aufnahme des Vorhabens in das Landes-Förderprogramm „Gemeinsam in Vielfalt“, mit dem die Arbeit lokaler Bündnisse der Flüchtlingshilfe unterstützt wird, kann das bereits fix und fertig in der Schublade liegende Konzept nun tatsächlich umgesetzt werden. Aus dem millionenschweren Topf erhält der Landkreis Heidenheim 50 000 Euro, womit der finanzielle Rahmen aber noch nicht ausgereizt ist. So nimmt auch der Projekt-Träger selbst einiges Geld in die Hand. Stimmt der Kreistag dem erst in Planung stehenden Haushalt zu, steuert der Landkreis im kommenden Jahr 50 000 Euro bei, und fürs laufende Jahr kommen voraussichtlich nochmal 12 500 Euro dazu.

Darüber hinaus beteiligt sich auch die evangelische Gesamtkirchengemeinde Heidenheim – als Vermieterin der längst entwidmeten Kirchenräume – an den Kosten für das Integrations-Modell, dessen Förderung bis Dezember 2017 angelegt ist. Nach Angaben von Dekan Dr. Karl-Heinz Schlaudraff ist der bisher vom Landkreis für die Notunterkunft bezahlte Mietpreis halbiert worden, und der Evangelische Kirchenbezirk Heidenheim hat sich entschlossen, einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 5000 Euro zu gewähren. Zudem wirkt die Kirche an der praktischen Arbeit mit: dies in Gestalt der beiden vom Kirchenbezirk angestellten Flüchtlingskoordinatoren Ulrich Abele und Marai Biesinger, die sich – wie auch viele Ehrenamtliche aus Kirchenkreisen – im Begegnungszentrum einbringen werden.

Weitere Finanzmittel will der Kreis in Form von Spenden hinzugewinnen. So zeigt man sich bemüht, Sponsoren mit ins Boot zu holen. Erste Gespräche mit potenziellen Partnern sind nach Angaben von Landratsamts-Pressesprecherin Anja Halbauer bereits geführt worden – konkret wird's aber erst jetzt, nachdem der schriftliche Förderbescheid des Landes vorliegt und damit offizielle Anträge gestellt werden können.

Und wie muss man sich die inhaltliche Arbeit vorstellen? Im Landratsamt will man in dem Begegnungszentrum ab Mitte Oktober Platz für einen Austausch sowie für integrative Projekte schaffen. Die bislang leerstehenden Räumlichkeiten, die jetzt möbliert werden, sollen Schauplätze eines vielgestaltigen Geschehens sein: Veranstaltungen, Sprachförderung, Hausaufgabenbetreuung, musikalische oder handwerkliche Aktionen, auch spezielle Angebote für Frauen oder Kinder.

Erste Aktivitäten stehen nach Angaben von Landrat Thomas Reinhardt unmittelbar bevor. So plant das Landratsamt schon ab Ende des Monats Basisschulungen und Fortbildungen fürs Ehrenamt. Zudem soll dort erneut eine Ehrenamtsklausur stattfinden, bei der sich freiwillige Helfer, Behörden und soziale Einrichtungen mit aktuellen Fragen der Flüchtlingshilfe auseinandersetzen. Und noch ein Beispiel: Der Verein „Kinder und Kunst“ wird in Kooperation mit der Friedrich-Voith-Schule Kreativkurse für Flüchtlingskinder anbieten.

Neue Räume eröffnen Möglichkeiten für alle Akteure der Flüchtlingshilfe

Ein offenes Haus soll es sein: Das Begegnungszentrum „Migration und Ehrenamt“ sieht Landrat Thomas Reinhardt als eine wichtige Ergänzung des im Haintal gelegenen Integrationszentrums Heidenheim.

Die Einrichtung soll Raum für niederschwellige Angebote, für Begegnungen und die Intensivierung der Integrationsarbeit der vielen Ehrenamtlichen und Freundeskreise im Landkreis schaffen - wird aber nicht nur eine Anlaufstelle für spezielle Gruppen sein, sondern allen Interessierten für eigene Aktionen im Rahmen der Flüchtlingshilfe offen stehen. Als Gremium wird ein Beirat eingerichtet, der regelmäßig von der kreisweiten Koordinierungsstelle Ehrenamt beim Landratsamt einberufen wird. Diese Runde besteht insbesondere aus Vertretern der Freundeskreise Asyl, der Kommunen und der Wohlfahrtsverbände.

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