Heidenheim / Thomas Zeller  Uhr
Die Müllmenge im Kreis Heidenheim ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Gleichzeitig erweist sich unser Entsorgungssystem als zu kompliziert und die angestrebte Recycling-Quote als gesetzgeberische Utopie. Es besteht Handlungsbedarf, schreibt Thomas Zeller in seiner Kolumne „So gesehen“.

Diese Zahl hat es in sich. Pro Monat produziert jeder Landkreisbewohner, vom Säugling bis zum 100-Jährigen, im Durchschnitt 68,6 Kilogramm Müll. Tendenz steigend. Allen Schockbildern von Plastikmüll in den Weltmeeren zum Trotz erzeugen wir nicht weniger, sondern ständig mehr Abfall.

Das liegt daran, dass die Konjunktur zurzeit noch gut läuft und der Konsum brummt. Gleichzeitig werden die Haushalte im Kreis Heidenheim immer kleiner und damit auch unsere Einkäufe. Die meisten Supermärkte haben zwar mittlerweile die Tragetaschen aus Plastik verbannt, aber gleichzeitig liegen immer mehr plastikverpackte Fertigprodukte in den Regalen. Jeder Online-Kauf rächt sich in unserer Müllbilanz, wenn sich nach der Lieferung Pappkartons, Kunststofffolien oder Styropor-Material türmen, die die gelieferten Produkte schützen sollten.

Auch wenn der Landkreis bei der Haushaltsmüllmenge landesweit auf einem relativ guten sechsten Platz liegt, landen in den grauen Restmülltonnen immer noch eine Menge Stoffe, die dort eigentlich nicht hineingehören, von Gemüseresten bis zur Plastikverpackung. Trotz dieser Beimischungen bleibt der Haushaltsmüll ein gutes Geschäft. Er wird im Müllheizkraftwerk Ulm-Donautal verbrannt, an dem auch der Kreis Heidenheim beteiligt ist. Laut Jahresabschluss erhält das Landratsamt für 2018 eine Rückzahlung von fast 300 000 Euro. Gleichzeitig sinkt die jährliche Umlage. Der Grund ist die gestiegene Energiemenge, die mit den Abfällen produziert werden konnte.

Das zeigt, dass der Haushaltsmüll eigentlich gar nicht das große Problem ist. Schwieriger wird es da schon mit den Abfällen, die in den Gelben Sack gehören. Das System ist eigentlich nur für Verpackungen gedacht. Doch schaut man sich den Inhalt der Säcke in einer Sortieranlage einmal genauer an, finden sich hier neben „normalem“ Plastikmüll auch Tiegel, Sonnenschirme oder sogar Puppen.

Das zeigt einmal mehr, dass unser Mülltrennungssystem viel zu kompliziert geworden ist. Warum nicht eine Wertstofftonne für alles einführen? Anstatt den Verbraucher mit immer neuen Vorgaben zu verwirren, sollte die Regierung den Fokus auf Müllvermeidung und das Erreichen der angestrebten Wiederverwertungsquote legen. Diese soll bis 2022 für Kunststoff bei 63 Prozent, bei Papier, Metallen und Glas sogar bei 90 Prozent liegen. Davon sind wir aktuell weit entfernt.

Zugespitzt lässt sich formulieren, dass sich dahinter eine gesetzgeberische Utopie verbirgt, die nicht erreichbar scheint. Denn schon die verwendete Statistik ist zweifelhaft. Demnach gilt bereits als wiederverwertet, was nur in einer Recyclinganlage angeliefert wird, egal ob dieser Müll verfeuert, ins Ausland verschickt oder wirklich wiederverwertet wird.

Doch diese Debatte lenkt nur davon ab, dass die Müllmengen in Deutschland und im Kreis Heidenheim größer werden. Gehen Sie doch einmal bei schönem Wetter zu einem der öffentlichen Grillplätze in der Region. Da können Sie häufig Müllberge statt Alb-Landschaften bewundern.

Das zeigt: Appelle nützen nichts. Denn der Verbraucher schafft es nicht allein, er benötigt Anreize. Damit der Konsum zurückgeht, muss es also Richtlinien geben, etwa eine Abgabe auf jeden Einwegbecher oder auf Plastik allgemein. Das hat beispielsweise mit der Tabaksteuer bei Zigaretten  gut funktioniert und könnte endlich helfen, die Müllmenge nachhaltig zu verringern.