Historie Vor 150 Jahren starb Carl August Heinrich Hartmann

Heidenheim / Doris Eckle-Heinle 29.05.2015
Der Name seines Bruders Paul ist bis heute präsent in der Stadt, aber auch Carl Hartmann war mit seiner Weißbleiche ein erfolgreicher Unternehmer - und dazu noch als Landwirt tätig. Er starb am 31. Mai vor 150 Jahren.

Carl August Hartmann, so im Taufzeugnis aufgeführt, wurde am 26. August 1799 in Sulz am Neckar als drittes Kind von Christiane und Ludwig Hartmann geboren. Sein Vater war Geschäftsführer und Teilhaber der Firma Meebold, Schühle & Co., die in Heidenheim eine Filiale betrieb. Aufgeführt sind neun Taufzeugen und sieben Taufzeuginnen, darunter sein Onkel Ferdinand Hartmann, der spätere Professor für Historienmalerei in Dresden, und Christian Friedrich Meebold, der ältere Halbbruder von Gottlieb Meebold, sowie die Gattin seines Onkels, Hofrat August von Hartmann. Als Carl Hartmann vier Jahre alt war, übersiedelte die Familie nach Heidenheim und die Filiale wurde der Hauptbetrieb.

Ab 1819 studierte Carl Hartmann als einer der Ersten im landwirtschaftlichen Institut in Hohenheim, das Königin Katharina I. mit Hilfe von Carls Onkel Hofrat August von Hartmann gegründet hatte. In Stuttgart-Hohenheim erinnert die „August-von-Hartmann-Straße“ an diesen Mitbegründer der heutigen Universität Hohenheim.

Die Brüder Carl, Paul und Eduard Hartmann übernahmen 1843 die von ihrem Vater 1818 gegründete Firma Ludwig Hartmann und führten sie als Firma Ludwig Hartmann's Söhne in Heidenheim und in Herbrechtingen weiter. Carl Hartmann wurde Inhaber und Verwalter der Weißbleiche als Teil dieser Firma in Heidenheim und der dazugehörigen großen Landwirtschaft mit Ölmühle.

Im selben Jahr heiratete Carl Hartmann die Pfarrerstochter Caroline Maisch aus Roigheim und hatte mit ihr sieben Kinder, darunter die Nachfolger der Bleiche Carl junior und Theodor Hartmann, der spätere Amtliche Güterbeförderer in Heidenheim, sowie Adelheid Hartmann, die 1867 Friedrich Voith heiratete. Adelheid Voith starb 1868 nach der Geburt eines Sohnes. Zwei Kinder des Ehepaares Carl Hartmann ertranken als Kleinkinder in der Brenz.

Ab 1846 erhielt die Weißbleiche eine staatliche Gewerbeförderung und Carl Hartmann gliederte eine Appreturanstalt an. Die Leinwandstoffe waren seit Jahrhunderten die bedeutendsten Exportwaren in Württemberg und der Bezirk Heidenheim ein Schwerpunkt der Leinenweberei. Die Weißbleiche wurde einer der größten Bleichbetriebe in Württemberg und musste wegen der staatlichen Förderung aus ganz Württemberg Aufträge zur Leinwandveredelung annehmen. Zusätzlich wurden auch noch die innerbetrieblichen Veredelungsarbeiten für die Spinnereien ausgeführt. 1858 beschäftigte die Bleiche etwa 30 Personen. Meck schreibt im zweiten Teil seiner Chronik, dass die Leinwandbleiche zwischen 1857 und 1870 „noch immer Aufträge erhielt“.

Als studierter Ökonom und Naturmensch hatte Carl Hartmann Erfolge in der Landwirtschaft und Viehzucht, die allgemeine Beachtung fanden. Auch Ländereien beim Ugenhof gehörten damals zu Hartmann. 1847 schaffte Carl Hartmann als erster Landwirt in Heidenheim einen flandrischen Pflug, auch Suppinger Pflug genannt, an. Dieser Pflug erforderte nur die Hälfte der Zugkraft und ermöglichte eine viel bessere Behandlung des Ackerbodens.

Im Revolutionsjahr 1848 stellte Carl Hartmann seine Bleichwiesen für die Fahnenweihe der Bürgerwehr zur Verfügung. Das Gesetz vom 17. Juni 1849 erlaubte und regelte die Ablösung der Zehnten. Die Gesamtheit der Zehntpflichtigen (Steuerpflichtigen) wählte sechs Geschäftsführer, darunter Bleichinhaber Carl Hartmann. Von 1854 bis 1860 war Carl Hartmann Mitglied im Gemeinderat der Stadt Heidenheim. Bald darauf kränkelte der arbeitssame Mann und starb fünf Jahre später.

Quellen Manfred Hartmann: Hartmannbuch 1953 (im Hartmann-Familienarchiv), Karl Kaspar Meck: Heidenheim nebst Hellenstein, Band 2, Stadtmessungsamt Heidenheim, Reiner Flik: „Die Hartmanns“ aus „Wege zum Erfolg“, Herausgeber Willi A. Boelcke.