Heidenheim / Joelle Schilk  Uhr
Am 14. Juni feiert die „West Side Story“ Premiere auf der Freilichtbühne, am 23. Juni folgt das Kinderstück „Herr der Diebe“.

Schauplatz: die New Yorker West Side. Nicht die, die sich auf amerikanischem Festland befindet, sondern die auf dem Heidenheimer Schlossberg.

Dort haben fleißige Helfer in den vergangenen Wochen dafür gesorgt, dass sich die Freilichtbühne des Naturtheaters in ein Abbild der US-Großstadt verwandelt – und somit zu einer passenden Kulisse für die moderne Romeo-und-Julia-Geschichte wird, die sich abspielt, wenn Tony und Maria erst zueinander finden und am Ende auf tragische Weise wieder getrennt werden.

Große Aufgabe im 100. Jahr

„West Side Story“, in Anlehnung an Jerome Robbins von Ulrike Valentin und Cornelia Härtner inszeniert, ist eines der bekanntesten und beliebtesten Musicals überhaupt. Eine große Aufgabe also, die sich die beiden Regisseurinnen im Jahr des 100. Bestehens des Naturtheaters gestellt haben.

Choreographen, ein eigenes Orchester, das bei jeder Aufführung mit dabei sein wird, ein musikalischer Leiter, Bühnenbildner, Tanztrainer, Verantwortliche für Maske, Kostüm und Technik, etliche Sänger und Schauspieler – es wird groß aufgefahren dieses Jahr, doch die Regie ist sich sicher, den Ansprüchen – vielmehr noch: den Erwartungen – gerecht zu werden. „Anspruchsvoll ist es auf jeden Fall. Wir tanzen und singen so viel wie sonst selten. Aber andererseits hatten wir immer mal wieder solche Stücke: ,My Fair Lady’ und andere Musical-Adaptionen“, sagt Valentin.

Im Heidenheimer New York der 1950er-Jahre spielt sich die Liebesgeschichte vor dem Hintergrund zweier rivalisierender Jugendgruppen und deren Familien ab. Die „amerikanischen“ Jets und die puertoricanischen Sharks führen einen Bandenkrieg. Riff, der Anführer der Jets, schlägt seiner Gang einen klärenden Kampf zwischen ihnen und den Sharks vor. Dafür will er seinen alten Freund Tony gewinnen, der sich überzeugen lässt. Er verliebt sich jedoch in Maria, die Schwester des Sharks-Anführers – was den Konflikt der Banden verschärft.

Jugendbande in Venedig

Um Banden geht es auch eine Woche später, ab dem 23. Juni, wenn mit „Herr der Diebe“ das Kinderstück Premiere feiert. Eine Jugendbande in Venedig, zwei unzertrennliche Brüder und die Flucht vor einem Detektiv: damit sind die Zutaten für zwei Stunden Spannung schnell genannt.

Die beiden Regisseure Susanne und Ingo Schneider haben bei der Stückauswahl nicht lange überlegen müssen: „Das Stück ist perfekt für die diesjährige Naturtheaterbühne“, sagt Susanne Schneider, die selbst schon seit über 30 Jahren Mitglied im Heidenheimer Naturtheater ist und wie Ingo Schneider einige Regie-Erfahrung hat. Dringend notwendig dieses Jahr ist dabei die große Bühne, denn: Die Anmeldezahl der Mitglieder, die im Kinderstück mitspielen wollten, hat mit rund 200 Personen jede Erwartung übertroffen. Man musste zunächst überlegen, wie überhaupt alle untergebracht werden konnten.

Darsteller als Teil der Kulisse

Gelöst wurde das hauptsächlich durch den Einsatz verschiedener Volksgruppen, sodass die Darsteller letzten Endes selbst zu einem Teil der Gesamtkulisse werden sollen. So weisen die Mönche beispielsweise auf den Dom hin, die Nonnen verorten die Zuschauer mit dem Waisenhaus, und auch die reich verzierten Masken sind ein eindeutiges Indiz für den Schauplatz Venedig; die Stadt, in der der Herr der Diebe als geheimnisvoller Anführer einer Kinderbande schließlich auf die beiden Brüder Prosper und Bo trifft.

Diese sind nach dem Tod der Eltern vor ihrer Tante geflohen, da sie Prosper in ein Internat stecken und die Brüder dadurch trennen wollte – bei der Jugendbande finden sie schließlich Unterschlupf, werden aber bald schon von einem Detektiv verfolgt, den die Tante beauftragt hat. War es vor einigen Jahren noch verhältnismäßig knifflig, die Hauptrollen der Kinderstücke zu besetzen, sei dies laut Ingo Schneider dieses Jahr eigentlich kein Problem mehr gewesen. „Wir haben sieben Jungsrollen und eine Mädchenrolle. Vor allem durch unsere internen Workshops bringt der Nachwuchs eine unglaublich große Sicherheit auf der Bühne mit, sodass wir viele gute junge Darsteller haben“, sagt er.