Heidenheim / Joelle Reimer  Uhr
Am 14. Juni feiert das diesjährige Stück „West Side Story“ Premiere im Heidenheimer Naturtheater. Bis das Musical bühnenreif ist, stehen vor allem noch etliche Gesangs- und Tanzproben an.

Ein Choreograph aus Trier, ein eigens zusammengestelltes Orchester, ein musikalischer Leiter, ein Bühnenbildner, eine Tanztrainerin aus Ulm, Verantwortliche für Maske, Kostüm und Technik, etliche Sänger und Schauspieler und natürlich eine gute Geschichte – so ließe sich in etwa die Zutatenliste für das diesjährige Naturtheaterstück „West Side Story“ beschreiben. Die gewisse Würze steuern die beiden „Chefköchinnen“ Ulrike Valentin und Cornelia Härtner bei: „Achtet auf eure Laufwege! Wenn nochmal jemand schwätzt, gibt’s Ärger! Und nimm erst mal den Kaugummi raus!“

Die kleinen Lachfältchen um die Mundwinkel herum zeigen, dass die beiden Regisseurinnen ihre Anweisungen nicht ohne die nötige Prise Humor geben. Es ist eine der ersten Proben im Freien. Das Stück, das in Anlehnung an Jerome Robbins für die Naturtheater-Bühne adaptiert wurde, wird an diesem Abend natürlich noch nicht komplett durchgespielt; die letzten beiden Szenen sind an der Reihe.

Die Szenen, in denen die ganze Tragik dieser moderneren Romeo-und-Julia-Geschichte steckt: Tony, der von Doc hört, dass seine geliebte Maria erschossen wurde, läuft verzweifelt durch die Straßen des New York der 1950er-Jahre und fleht den vermeintlichen Täter Chino an, ihn ebenfalls zu erschießen. Zufällig läuft er dabei Maria in die Arme, doch genau in diesem Moment erschießt Chino ihn. „Ihr müsst ihn nicht komplett tragen“, ruft Ulrike Valentin den Schauspielern hinterher und lacht, als sie den regungslosen Tony von der Bühne tragen. Die paar wenigen Anwesenden, die nicht an der Szene beteiligt sind und mit Wolldecken auf der Zuschauertribüne sitzen, klatschen zwei, drei Mal in die Hände.

Premiere der „West Side Story“ ist am Freitag, 14. Juni. Noch ist also genügend Zeit, alle Laufwege, Texte, die Mimik, Gestik und das richtige Timing einzustudieren; und auch das Bühnenbild erinnert noch nicht wirklich an das New York der 50er-Jahre. Dennoch ist der Druck, den alle Naturtheatermitglieder bereits jetzt spüren, sicherlich nicht gering: Zum einen, da es das Stück im Jahr des 100-jährigen Bestehens des Naturtheaters ist, zum anderen, da es sich dabei auch noch um eines der bekanntesten und beliebtesten Musicals überhaupt handelt. Eine große Aufgabe, möchte man meinen.

„Ja, vielleicht. Anspruchsvoll ist es auf jeden Fall, wir tanzen und singen so viel wie sonst selten. Aber andererseits hatten wir immer mal wieder solche Stücke, ich denke da an ,My Fair Lady’ oder andere Musical-Adaptionen“, sagt Valentin. Die Überlegung, die „West Side Story“ auf die Naturtheater-Bühne zu holen, sei schon länger im Raum gestanden – „und Conny hat dann einfach entschieden: Ja, das machen wir“, so Valentin. Also wurde die Idee in den Beirat eingereicht – und angenommen.

Als gutes Vorzeichen werteten die Regisseurinnen die tänzerischen und sängerischen Talente, die sie schon im Rahmen der Kinderfreizeit entdeckten. „Klar, bei so einem Stück macht man sich natürlich viele Gedanken um die Besetzbarkeit. Tatsächlich ist es jetzt so, dass wir gerade im Bereich Gesang einige neue Mitglieder von außen gewonnen haben, aber auch zum Großteil aus dem Verein heraus besetzen konnten“, sagt Härtner.

Aktuell stehen neben den szenischen Proben, die dreimal wöchentlich stattfinden, auch noch einmal pro Woche Chor- und Mambo-Proben im Wechsel an. „Hier helfen uns Ulf und Susan Griesbach, das sind wahre Mambo-Experten“, erzählt Valentin. Dreimal im Monat kommt zudem samstags Caterina Salvadori, Tänzerin aus Ulm, um mit den Naturtheater-Schauspielern die restlichen Tänze einzustudieren.

„Und es gibt insgesamt vier Proben mit dem Orchester.“ Ein Orchester mit 19 Mitgliedern, welches der musikalische Leiter Markus Romes zusammen mit Marlies Bernet-Götz eigens für die Heidenheimer „West Side Story“ zusammengestellt hat und das bei jeder Aufführung live spielen wird – eine Vorgabe des Verlags, wie Härtner durchblicken lässt. „Überhaupt machen sie sehr strenge Vorgaben. Nur Livemusik, keine Kürzungen und keine Änderungen bei der Besetzung von Männer- und Frauenrollen, zum Beispiel.“

Parallel zu den Proben laufen die handwerklichen Arbeiten am Bühnenbild: Manuel Meiswinkel hat hierbei die Hand drauf und sorgt mit vielen freiwilligen Helfern Wochenende für Wochenende dafür, dass sich Tiffany’s Eastside vom Vorjahr dieses Jahr in die New Yorker Westside verwandelt.

Ein paar Hürden sind also noch zu nehmen, bis Maria und Tony das erste Mal vor Publikum auftreten. „Wir sind aber nach wie vor von unserer Stückauswahl überzeugt und hoch motiviert“, so Valentin. Auch wenn New York also als die Stadt gilt, die niemals schläft – schlaflose Nächte bereitet das diesjährige Theaterstück zum Glück niemandem.

„West Side Story“

Die „West Side Story“ ist ein amerikanisches Musical mit Musik von Leonard Bernstein, Gesangstexten von Stephen Sondheim und dem Buch von Arthur Laurents. Die Idee stammt ursprünglich vom Choreographen Jerome Robbins und die Urfassung trug den Namen „East Side Story“.

Die „West Side Story“ ist die Übertragung von Shakespeares „Romeo und Julia“ in das New York der 1950er-Jahre: Eine Liebesgeschichte vor dem Hintergrund zweier rivalisierender Jugendgruppen und deren Familien. Die „Jets“ und die „Sharks“ führen einen Bandenkrieg und Tony lässt sich zu einem Kampf überzeugen, verliebt sich jedoch vorher in Maria, die Schwester des rivalisierenden Anführers. Dies verschärft den Konflikt der Banden und die Situation gerät außer Kontrolle.

Gespielt wird das Stück im Naturtheater im Zeitraum vom 14. Juni bis 17. August. Das Stück dauert etwa drei Stunden, Altersempfehlung ab 14 Jahren.