Heidenheim Eiszeit: Neue Funde geben Einblick in den Alltag

Ein sehr ergiebiges Betätigungsfeld für Archäologen sind das Lone- und das Achtal. Prof. Nicholas Conard, der für die Uni Tübingen die Grabungen leitet (hier im Hohle Fels), sprach über neue Erkenntnisse von der Langmahdhalde.
Ein sehr ergiebiges Betätigungsfeld für Archäologen sind das Lone- und das Achtal. Prof. Nicholas Conard, der für die Uni Tübingen die Grabungen leitet (hier im Hohle Fels), sprach über neue Erkenntnisse von der Langmahdhalde. © Foto: Maria Malina/Uni Tübingen
Heidenheim / Marita Kasischke 15.06.2018
Professor Nicholas Conard berichtet über neue archäologische Funde rund um die Feuerstellen im Lonetal, die Aufschluss über den Alltag im Magdalénien liefert.

Letzte Woche hielt Professor Nicholas Conard seinen Vortrag über die aktuellen Funde in der Langmahdhalde im Lonetal noch in Paris beim Weltkongress der Prähistoriker. Am Mittwochabend kamen die rund 150 Gäste in der Kreissparkasse Heidenheim in diesen Genuss. Auch in Paris weiß man nun also Bescheid über die Feuerstellen in der Langmahdhalde, die dort zu Tage gebracht werden konnten und die bezeugen, dass die Menschen gegen Ende der Eiszeit, im Zeitalter des sogenannten Magdalénien vor 15 000 Jahren, als die Klimaverhältnisse wieder günstiger wurden, ins Lonetal zurückgekehrt sind.

Ein Volltreffer

Einen „Volltreffer“ nannte Conard diesen Fund in seiner gewohnt unterhaltsamen Art, sein nur vermeintlich trockenes Fachgebiet an den Mann, sprich in diesem Fall: Laien zu bringen. Freilich konnte Conard über diesen Volltreffer hinaus noch von vielen weiteren Funden berichten.

Eine Nähnadel aus Gansknochen beispielsweise, bereits mit Öhr ausgestattet, was erst seit dem Magdalénien der Fall ist, viele Rückenmesser, Kratzer für die Fellbearbeitung, Mehrschlagstichel für Knochen, diverse Jagdgeräte, Rentiergeweihe, die als Rohstoff genutzt wurden, Pferdeunterkiefer – hochzufrieden zeigte sich Conard mit dieser Ausbeute und sein Team gleich mit. Denn das hatte Conard mitgebracht und die Mitarbeiter aus aller Herren Länder, für die das Lonetal etwa das ist, was Bayreuth für den Opernliebhaber bedeutet, durften sich für ihre mühevolle Arbeit einen großen Applaus der Zuhörerschaft abholen.

Nach der Ausgrabung kommt die Auswertung: Gilian Wang aus Kalifornien beispielsweise schreibt ihre Doktorarbeit über die Langmahdhalde und erforscht dazu anhand von Tierknochen die seinerzeitigen Lebensumstände der Menschen. Bis Weihnachten, so Conard, werden wohl erste Ergebnisse vorliegen. Schon jetzt erfuhren die Zuhörer, dass Pferde und Rentiere seinerzeit am häufigsten vertreten waren, dass die Feuerstelle Rückstände sowohl von Knochenkohle als auch von Holzkohle aufweist – kleinwüchsige Bäume konnten bei der Witterung gegen Ende der Eiszeit schon wieder gedeihen.

Der Vortrag wurde vom Förderverein Eiszeitkunst im Lonetal veranstaltet, der damit „das Jahr 1 nach der Ernennung zum Weltkulturerbe“, so Vorsitzender Hermann Mader, begeht. Mader berichtete auch von geplanten Themenwegen und Stationen, die die Eiszeit im Lonetal für Besucher erlebbar machen sollen, und den ab Juli im Archäopark zu besichtigenden neuen Exponaten: Unterkiefer, Oberschenkel und Haut eines Mammuts. Das letzte Wort aber hatte abermals Nicholas Conard: „Das größte Alleinstellungsmerkmal Baden-Württembergs sind weder Trollinger noch Spätzle. Das ist die älteste Quelle für Musik und Kunst weltweit.“

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