Heidenheim Draufgeblickt (1): Vom Knast zu Kunst und Kultur

Auf der von 1995 stammenden Schwarz-Weiß-Aufnahme ist das Gefängnis zu sehen, das im Bau befindliche Eugen-Loderer-Zentrum und das Rathaus mit seinen quer verlaufenden Fensterbändern.
Auf der von 1995 stammenden Schwarz-Weiß-Aufnahme ist das Gefängnis zu sehen, das im Bau befindliche Eugen-Loderer-Zentrum und das Rathaus mit seinen quer verlaufenden Fensterbändern. © Foto: Geyer-Luftbild
Heidenheim / Michael Brendel 30.07.2018
Mitten in Heidenheim stand einst das Gefängnis. Heute gebührt dieser prominente Platz der Stadtbibliothek.

Nicht jede öffentliche Einrichtung, über die eine Kommune verfügt, stellt zwangsläufig einen Standortvorteil dar. Beispiel: das Heidenheimer Gefängnis. Seit 1966 hatte es in bester Innenstadtlage eine unverrückbare Rolle gespielt. Die einen wollten raus, durften aber nicht. Die anderen durften nicht rein, wollten das in der Regel aber auch gar nicht.

Kein Ort also für alle Heidenheimer, und schon gar keiner, den man seinen Gästen zeigen mochte. Nicht verwunderlich, dass sich die schräg gegenüber im Rathaus sitzende Verwaltung lieber heute als morgen von dem Betonkomplex mit der hohen Mauer verabschiedet hätte. Einfacher gesagt als getan: Als Oberbürgermeister Bernhard Ilg sich 2002 in einem Schreiben an den damaligen Justizminister Ulrich Goll für das Aus des Gefängnisses starkmachte, gab's eine Abfuhr. Golls Nachfolger Rainer Stickelberger kündigte jedoch im Juli 2012 die Schließung der Vollzugsanstalt noch für die zweite Jahreshälfte an.

Einen 120 000 Euro teuren Abriss und einen Neubau für 18,5 Millionen Euro später ist an gleicher Stelle ein Komplex entstanden, den man seinem Besuch dann doch gern präsentiert: Die neue Stadtbibliothek vereint unter ihrem abgestuften Flachdach nicht nur Medien unterschiedlicher Prägung. In dem Gebäude, das sich zwischen Brenz- und Christianstraße entlang der Helmut-Bornefeld-Straße in Nord-Süd-Richtung erstreckt, finden seit der Eröffnung im November 2017 auch das Stadtarchiv, das Kreismedienzentrum, Veranstaltungs- und Seminarräume sowie ein Café Platz.

Offene Türen

Nicht jedem gefällt der Bau, der die Handschrift des Schweizer Architekten Max Dudler trägt, gleichermaßen. Das war schon beim Gefängnis so. Aber im Unterschied dazu machen die großen Fenster in den hellbeigen Ziegelwandflächen der Stadtbibliothek ein viel gastfreundlicheres Angebot: Komm herein, bleib so lange du willst und geh wieder, wenn es dir beliebt.

Von oben betrachtet: der Wandel als Konstante

Mensch, wie hast du dich verändert! Was man gern zu jemandem sagt, den man lange nicht mehr gesehen hat, trifft regelmäßig auch auf das Bild von Städten und Gemeinden zu. Hier wird eine Straße gebaut, dort ein Haus, mal verschwinden Bäume, mal werden neue gepflanzt. Der Effekt ist stets derselbe: Hinterher sieht's anders aus als zuvor.

Die Sommerserie „Draufgeblickt“, die mit dieser Folge beginnt, zeigt in den kommenden sechs Wochen, wie sich aus der Vogelperspektive betrachtet an vielen verschiedenen Flecken in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten das Gesicht des Landkreises verändert hat.

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