Heidenheim / Thomas Zeller  Uhr
Das niedrige Zinsniveau lässt den Gewinn der Bank leicht sinken. Dadurch fällt auch die Ausschüttung geringer aus, die die Genossen auf ihre Einlagen erhalten.

„Trotz schwieriger Rahmenbedingungen ist die Heidenheimer Volksbank mit dem Geschäftsjahr 2018 zufrieden“, sagte Oliver Conradi, Vorsitzender des Vorstands, auf der Bilanzpressekonferenz. Unglücklich sei er dagegen mit der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Denn daraus ergebe sich ein großer Wettbewerbsvorteil für US-Kreditinstitute. „Während die europäischen Banken im vergangenen Jahr rund 7,5 Milliarden Euro an Strafzinsen an die EZB überwiesen haben, erhielten die amerikanischen Institute von ihrer Notenbank rund 40 Milliarden Euro Zinsen für ihre Einlagen.“

Ein Minus von 700 000 Euro

Unter diesem Trend leidet auch die Volksbank. Denn der Zinsüberschuss, ihre wichtigste Ertragsquelle, ging erneut zurück. Verdient wurden mit den Kundeneinlagen im vergangenen Jahr nur noch 20,4 Millionen Euro – ein Minus von 700 000 Euro.

Dieser Entwicklung tritt das Kreditinstitut mit einem strikten Kostenmanagement entgegen. So wurden die Verwaltungskosten 2018 um 923 000 Euro gesenkt. Der Großteil der Summe wurde bei den Sachaufwendungen gespart. Allerdings gab das Unternehmen auch weniger für Personal aus. Die Mitarbeiterzahl sank um zehn auf 240. „Dafür ist aber niemand entlassen worden, stattdessen haben wir Möglichkeiten wie Altersteilzeit genutzt“, so der Volksbank-Chef.

Sparer verlieren durch Inflation

In seiner Unzufriedenheit über die Niedrigzinsphase weiß sich Conradi einig mit den Sparern, die für ihre Einlagen auch nichts mehr erhalten. 46 Milliarden Euro hätten die deutschen Sparer allein 2018 durch die Inflation verloren. Verblüffend für Conradi bleibt, dass dennoch in Deutschland die Sparrate weiter kräftig ansteige.

Ein dickes Plus gibt es auch bei der Nutzung der Online-Geschäftsstelle zu vermelden. Rund 18 000 Kunden melden sich mittlerweile regelmäßig im Online-Banking an. Nicht vergessen möchte die Volksbank die Kunden, die nicht im Internet unterwegs sind, und hat deswegen das Streckennetz für den Zaster-Laster um drei weitere Haltestellen in der Paulstraße, am Werkgymnasium und an der Alten Bleiche ausgeweitet, von denen Kunden in der Oststadt und im Haintal profitieren sollen. Kompensiert werden soll damit aber auch die Schließung der Zweigstelle Ost, die wegen rückläufiger Kundenzahlen geschlossen wurde.

Keine große Freude

Das Kundengeschäft hat die Volksbank 2018 mit einer „leicht gestiegenen“ Bilanzsumme von 1,17 Milliarden Euro abgeschlossen. Die Kundeneinlagen erhöhten sich leicht auf 944 Millionen Euro. Doch kann sich Conradi darüber nicht richtig freuen, weil die Bank wegen der Negativzinsen dafür einen nennenswerten sechsstelligen Betrag an die Bundesbank zahlen muss.

Nach einem Rückgang im Vorjahr ist das Kreditvolumen 2018 leicht auf 720 Millionen Euro gestiegen. Damit konnte die Volksbank mit Neugeschäft die deutliche Steigerung bei den Regel- und Sondertilgungen auffangen. Immerhin wurden im vergangenen Jahr so 188 Millionen Euro abgelöst. „Der Fokus im Darlehensgeschäft liegt nun auf Projektfinanzierungen, Unternehmensinvestitionen und Immobilienkrediten“, sagt Volksbank-Vorstand Elke Müller-Jordan.

Trotz gestiegener Preise sieht die Volksbank keine Immobilienblase in der Region. „Wenn sie heute ein freistehendes Einfamilienhaus in Dischingen bauen, kommen sie schnell auf Kosten von 500 000 Euro“, sagt Conradi. Solche Preise hätte er sich vor zehn Jahren nicht vorstellen können. Solange das Zinsniveau aber nicht steige, sei diese Summe jedoch angemessen.

Ausschüttung an Genossen

Profiteure des abgeschlossenen Geschäftsjahres bleiben die Genossenschaftsmitglieder. Der leicht auf 2,1 Millionen Euro gefallene Bilanzgewinn wird zu einem Anteil von rund 141 000 Euro an sie ausgeschüttet. Inklusive eines Bonus von 296 000 Euro ergibt das eine Gesamtrendite von 1,6 Prozent. Die „höchste Dividende“ der Bank geht freilich auch dieses Jahr wieder in die öffentliche Hand. Die Heidenheimer Volksbank bezahlt für 2018 4,8 Millionen Euro an Steuern.

Für das laufende Geschäftsjahr ist die Volksbank verhalten optimistisch. „Durch regulatorische Vorgaben und das aktuelle Zinsniveau rechne ich für 2019 mit einem erneut sinkenden Gewinn“, prognostiziert Conradi.

Alles online?

Im vergangenen Jahr haben sich die rund 18 000 Online-Kunden der Heidenheimer Volksbank fast 2,8 Millionen Mal im Online-Banking und in der Banking App angemeldet. Dabei wurden über zwölf Millionen Auskünfte über Konten und Umsätze abgefragt, davon übrigens bereits 3,5 Millionen über die VR Banking App. Über 700 000 Überweisungen wurden online ins In- und Ausland getätigt, davon 40 000 mit der VR Banking App. tz