Heidenheim Voith: Keine makellose Bilanz

Roland Münch (links), Digital-Ventures-Chef, und Voith-Vorstandschef Toralf Haag testen nach der Bilanzpressekonferenz einen der Hoffnungsträger des Konzerns, den Roboter Panda.
Roland Münch (links), Digital-Ventures-Chef, und Voith-Vorstandschef Toralf Haag testen nach der Bilanzpressekonferenz einen der Hoffnungsträger des Konzerns, den Roboter Panda. © Foto: Thomas Zeller
Heidenheim / Thomas Zeller 06.12.2018
Beim Heidenheimer Maschinenbauer läuft nicht alles rund. Die Wasserkraft-Sparte macht Konzernchef Toralf Haag Sorgen. Der Umsatz sinkt im abgelaufenen Geschäftsjahr auf 4,2 Milliarden Euro.

Gerade mal 40 Tage ist der neue Voith-Chef Dr. Toralf Haag im Amt, da musste er am Nikolaustag die Bilanz für das abgelaufene Geschäftsjahr präsentieren. Ganz unbekannt ist das Zahlenwerk dem Manager, der neben seiner Cheffunktion auch noch Finanzchef des Unternehmens ist, nicht. Die reine Freude dürfte Haag beim Verkünden der Zahlen aber dennoch nicht empfunden haben.

Voith steht weiter solide da. Der Umsatz sank leicht auf 4,21 Milliarden Euro. Einer der Gründe dafür waren Währungseffekte, die den Konzern knapp 200 Millionen Euro gekostet haben. Rechnet man den Einfluss der Wechselkurse heraus hätte Voith nach Aussage von Haag ein Plus von vier Prozent erzielt.

Ein Sorgenkind bleibt weiterhin die Wasserkraft-Sparte, vor allem weil sich Großaufträge und die Vergaben neuer Projekte verzögerten. In einem HZ-Interview hatte Haag bereits am Mittwoch angekündigt, dass am Standort Heidenheim 30 Stellen gestrichen werden sollen. In Brasilien seien bereits mehreren hundert Mitarbeitern gekündigt worden.

Einen weiteren Stellenabbau erwartet der Voith-Chef in den nächsten Jahren vor allem durch eine weitere Straffung der Struktur bei den ausländischen Töchtern. Aus rund 400 verschiedenen Gesellschaften seien inzwischen etwa 130 geworden, so Haag. 80 sollen es mal werden. Weltweit arbeiten rund 19 500 Menschen für den Konzern.

Mit guten Zahlen konnte dagegen die Papiersparte glänzen, die unter anderem vom Online-Handel und der damit verbundenen großen Nachfrage nach Karton profitiert. Sie trug maßgeblich zum Ergebnis bei. Der Gewinn nach Steuern lag für das abgelaufene Geschäftsjahr bei 53 Millionen Euro und damit weit unter dem des Vorjahres. Damals hatte allerdings der Verkauf der Anteile am Roboterbauer Kuka für einen enormen Sprung gesorgt. Rechne man diesen einmaligen Effekt heraus, stehe ein dickes Plus, hieß es.

Dafür ist zum Teil auch eine andere Steuerpolitik des Konzerns verantwortlich. Unter Finanzchef Haag ist die Steuerquote bereits in diesem Jahr auf 36 Prozent gesunken. Die Zielvorgabe für dieses Jahr beträgt rund 30 Prozent. Allein durch diesen Effekt, beispielsweise durch eine bessere Nutzung von Abschreibungen am Standort Heidenheim sei der Nettogewinn um rund 18 Millionen Euro gestiegen.

Belastet wird der Gewinn dagegen vom Handelsstreit mit den USA. „Durch steigende Stahlpreise ist unser Ergebnis in den Vereinigten Staaten im einstelligen Millionenbereich gesunken.“

Voith hat sich vorgenommen, in den nächsten Jahren das Wachstums-Tempo deutlich zu erhöhen. Und erinnert sich dabei auch alter Ziele: Langfristig sei dafür der Aufbau einer fünften Konzernsäule neben, Wasserkraft, Papiermaschinen, Antriebstechnik oder dem Digitalbereich denkbar. „Wir legen gerade in Strategie-Workshops die Eckpunkte für so einen Weg fest.“

Große Erwartungen gibt es auch für den „Digital Ventures“ genannten Digitalbereich. „Bereits in zwei Jahren planen wir das Erreichen der Gewinnschwelle“, sagt Dr. Roland Münch, der Vorsitzende der Geschäftsleitung dieses Bereiches. Dafür soll der Umsatz allein in diesem Geschäftsjahr auf rund 100 Millionen Euro nahezu verdoppelt werden.

Münch, der in seinem Segment, ein Sammelsurium an Aktivitäten wie den Roboter Panda oder die Altpapier-Online-Plattform verantwortet, gibt sich betont optimistisch. „Wir setzen hier auch ganz klar auf Zukäufe.“

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