Umbau Voith-Papierzentrum steht vor endgültigem Aus

Noch heute wird vor dem großen Voith PTC-Gebäude an die Eröffnung vor zehn Jahren erinnert. Doch derzeit wird die Forschungsmaschine demontiert.
Noch heute wird vor dem großen Voith PTC-Gebäude an die Eröffnung vor zehn Jahren erinnert. Doch derzeit wird die Forschungsmaschine demontiert. © Foto: Foto: Oliver Vogel
Heidenheim / Andreas Uitz 15.04.2016
Zehn Jahre ist es her, seit das Paper Technology Center von Voith eingeweiht wurde. Jetzt wird die Papiermaschine zerlegt und verkauft. Derzeit ist geplant, das markante Gebäude in der Paul-Hartmann-Straße zu einem Bürogebäude umzufunktionieren.

Vom „Paper Valley“ war die Rede, vom „Herzen der Papierforschung“, als Voith das Paper Technology Center, kurz PTC im Mai 2006 eröffnete – mit großem Feuerwerk und Prominentenauftrieb. Zahlreiche Vertreter aus Wirtschaft und Politik, darunter auch der damalige Ministerpräsident Günther Oettinger, kamen nach Heidenheim, um wohlfeile Reden über Voith und die Zukunft der Papiermaschinen zu halten. Der damalige Voith-Chef Hermut Kormann nannte die Eröffnung einen „großen Tag für Heidenheim“, denn „wir eröffnen eine Fabrik zur Erzeugung von Wissen.“

Mehr als 90 Millionen Euro investierte Voith in den markanten Bau und die hier vorhandene Technik: Eine Papiermaschine, die Forschungs- und Testzwecken dient und mit der zukunftsweisende Technologien erprobt werden, die den technologischen Vorsprung des Unternehmens sichern sollten.

Zwei Jahre nach Eröffnung erste dunkle Wolken

Vorangegangen war der Entscheidung, das PTC in Heidenheim zu bauen, einen längere Standortsuche. Doch 2003 fiel der Beschluss, die Anlage nicht in den neuen Bundesländern sondern am Hauptsitz des Unternehmens zu bauen. Allerdings mussten auch die Mitarbeiter am Standort einen Beitrag leisten: Der damalige Vorsitzende des Konzernbetriebsrats, Gerd Schaible, erklärte Ende 2003, dass man sich nach langen Verhandlungen mit der Konzernleitung auf ein Standortsicherungspaket geeinigt habe. Demzufolge verzichteten die Voithianer teils auf freiwillige Schicht- und Leistungszulagen sowie in Teilen auf eine tarifliche Lohnerhöhung. Schaible bezifferte den Betrag, mit dem die Mitarbeiter zum Bau des PTC beitragen, mit jährlich 3,5 Millionen Euro. 95 neue Arbeitsplätze sollten dafür im Umfeld der Versuchspapiermaschine geschaffen werden.

Nach der Eröffnung ging die Forschungs-Papiermaschine in den Betrieb, doch schon zwei Jahre später taten sich dunkle Wolken am bis dahin strahlenden Papiermaschinen-Himmel auf: Im Januar 2009 erklärte Konzernchef Dr. Hubert Lienhard: „Im Papiermarkt haben wir Einbrüche erlebt“, das Papiergeschäft sei im Abwind. Das Neuanlagengeschäft sei um die Hälfte eingebrochen. Die Folge: Im PTC wurden die Versuchstage drastisch heruntergefahren, Kurzarbeit wurde angekündigt, aber „Kurzarbeit wird nicht helfen“, so Lienhard bei der Voith-Bilanzpressekonferenz im Januar 2009.

Und er sollte recht behalten. In den darauf folgenden Jahren ging der Papiermaschinen-Markt immer weiter zurück und brachte letztlich nicht nur Voith Paper sondern den ganzen Konzern in Schwierigkeiten. Zuletzt wurden allein am Standort binnen eines Jahres nach zähen Verhandlungen und nach Abschluss eines neuen Standortsicherungspaktes rund 500 Stellen abgebaut – ohne eine einzige betriebsbedingte Kündigung.

Die Maschine ruht seit einem Jahr

Und was wurde aus dem PTC? Seit mehr als einem Jahr ruht die Maschine, wurde an der Forschungsanlage nicht mehr gearbeitet. Inzwischen, so wird von Unternehmensseite bestätigt, seien Teile der Versuchspapiermaschine an verschiedene Interessenten verkauft worden. Derzeit werde die Anlage „rückgebaut“. Dem Vernehmen nach wurde die High-Tech-Anlage zum Schrottpreis verkauft, doch das wird von Voith-Seite nicht bestätigt. Der komplette Abbau der Maschine werde wohl bis zum Sommer abgeschlossen sein, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Pressestelle.

Ist die Maschine abgebaut, steht der steht der Bau leer. Doch auch über eine weitere Verwendung der Forschungshalle macht man sich beim Voith-Management Gedanken. Dem Vernehmen nach gibt es einen Architektenwettbewerb, bei dem sich Planer mit Vorschlägen zu einer Umnutzung des Baus als Bürogebäude einbringen können. Mitte Juli soll ein Preisgericht über die Entwürfe entscheiden. Auch das wird von Unternehmensseite nicht bestätigt.

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