Der Plan der Voith-Konzernleitung, Ende des Jahres 2020 im Geschäftsbereich Voith Turbo drei Standorte zu schließen, stößt bei der IG Metall Allgäu auf heftige Kritik. In Sonthofen im Oberallgäu haben laut Voith Heidenheim 420 Menschen ihren Arbeitsplatz, die IG Metall spricht von 500.

Auf der Facebook-Seite der Gewerkschaft hieß es am Dienstagmorgen: „Die Konzernleitung von Voith will trotz voller Auslastung im Oberallgäu 500 Arbeitsplätze vernichten. Unternehmerische Verantwortung sieht anders aus!"

IG Metall: Schließung bei Voith trotz voller Auftragsbücher

In einer Mitteilung beklagt die Geschäftsstelle der IG Metall in Kempten, dass die Schließung ohne wirtschaftliche Not und trotz guter Auftragslage erfolge. Die Vorsitzende des Betriebsrats in Sonthofen, Birgit Dolde, betont: „Wir arbeiten in drei Schichten und die Kollegen leisten darüber hinaus häufig Überstunden! Diese Entscheidung geht völlig an der wirtschaftlichen Realität vorbei."

Voith Heidenheim: Produktion wirtschaftlich nicht sinnvoll

Die Voith-Geschäftsleitung in Heidenheim hatte die Schließungen in Sonthofen (Bayern) und Zschopau bei Chemnitz (Sachsen) am Montag damit begründet, dass es an beiden Standorten wirtschaftlich nicht sinnvoll sei, die Produktion fortzuführen. Unter anderem sei Voith Turbo mit einem steigenden Wettbewerbsdruck und Margendruck konfrontiert. Die Maßnahmen seien unumgänglich.

Die Werke sollten daher bis Ende 2020 geschlossen und die Kapazitäten an andere Standorte verlagert werden. In Mülheim an der Ruhr, wo nicht produziert wird, ist eine Verlagerung aller 19 Arbeitsplätze nach Essen im Gespräch, hatte der Sprecher von Voith in Heidenheim, Lars A. Rosumek auf Anfrage erklärt. Man führe Gespräche mit den Arbeitnehmervertretungen um eine sozial verträgliche Lösung zu finden.

Durch die Umstrukturierungen werden 230 Menschen entlassen, 370 Stellen werden an andere Standorte verlagert. Insgesamt sind 600 Arbeitsplätze betroffen.

Gewerkschaft kündigt Widerspruch an

Carlos Gil, bei der IG Metall in Kempten zweiter Bevollmächtigter, erhebt schwere Vorwürfe gegen Voith in Heidenheim: „Ein solches Vorgehen kennen wir bisher nur von kapitalgetriebenen Investmentfirmen. Von Familienunternehmen erwarten wir zumindest ein bisschen mehr Verantwortungsbewusstsein für die Beschäftigten." Auch er betont, dass in Sonthofen die Auftragsbücher voll seien, zudem zeichne der Standort sich durch eine hohe Auslastung und hochqualifizierte Beschäftigte aus. Und der Gewerkschafter kündigt an: „Wenn die Heidenheimer Konzernzentrale glaubt, einen kleinen Standort ohne Widerspruch schließen zu können, dann kennen sie weder die IG Metall noch den Allgäuer-Spirit."

Weiter heißt es bei der IG Metall, dass Voith in Sonthofen ein wichtiger Wirtschaftspfeiler in der Region Oberallgäu sei. Auf dem Gelände des ehemaligen Hüttenwerks in Sonthofen würde die Schließung des Werkes das Ende von 400 Jahren Industrietradition bedeuten.

Reaktionen in den sozialen Medien

In den sozialen Medien gibt es relativ wenige Reaktionen. Auf der Facebook-Seite von Voith zum Beispiel schreibt eine Nutzerin:

Danke Voith für Nichts!!!!!!!! 😡

Grüße aus Sonthofen

Zur Schließung in Zschopau, wo 85 Arbeitsplätze wegfallen, schrieb ein Nutzer auf der Facebook-Seite der Freien Presse Chemnitz: „Unkluge Entscheidung...mit den beiden anderen Wirtschaftssäulen könnte die Bude mehr aus dieser Region machen und verdienen. Zschopau kann mehr!“

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