Heidenheim Voice & Soul im CC: Donnerwetter auf dem Schlossberg

Heidenheim / Jens Eber 07.10.2018
Bei „Voice & Soul“ begegneten sich der Neue Kammerchor Heidenheim und die Siggi-Schwarz-Band im ausverkauften Heidenheimer Congress-Centrum.

Wenn sich zwei hochwertige Ensembles begegnen, in diesem Fall der Neue Kammerchor Heidenheim unter der Leitung von Thomas Kammel und Siggi Schwarz mit seiner Band, darf man sich als Besucher etwas erhoffen, das über die Summe beider Teile hinausreicht. Und in etlichen Momenten geschah am Samstagabend im Congress-Centrum genau dies.

Als die 80 jungen Sänger und die Band etwa „Dream On“ von „Aerosmith“ anstimmten, und das mit ergreifender Wucht anstelle der angekratzten Stimme Steven Tylers, dürfte sich unter den 1200 Besuchern im Saal Gänsehaut breit gemacht haben. Der wiederum erreichte wohl einen Höhepunkt mit der letzten Zugabe „Stairway to Heaven“, die in dieser Umsetzung einen geradezu erhebenden Charakter erhielt und der Band auch Freiraum für knackiges Rock-Handwerk gab.

Funky klirrende Guitarre

Aber nicht nur diese sehr alten Songs funktionierten im Crossover aus riesigem Chor und gewiefter Band sehr gut. Bruno Mars' „Uptown Funk“ bot der Chor nicht nur stimmsicher, sondern auch mit viel Tanz dar, während Siggi Schwarz die Gitarre funky klirren ließ.

Der Heidenheimer Schlagzeuger Bernd Elsenhans sorgte dabei zusammen mit Bassist Danny O'Steen für das treibende Gerüst, während Keyboarder Max Hunt nicht nur präzise begleitete, sondern dank eines enormen Klangrepertoires ein großes Instrumentarium ersetzte.

Schon zu Beginn hatte der Neue Kammerchor seine Fähigkeit zu umwerfender Schönheit bewiesen. Im dunklen Saal stiegen die Sänger von der Empore herab, schwenkten winzige Lichter, die an Glühwürmchen erinnerten, intonierten Vogelstimmen und ließen schließlich per Fingerschnippen und Klatschen einen Sommerregen niedergehen, der im Donner eines Gewitters endete und in „Africa“ von „Toto“ mündete.

Stefan Doraszelski hatte die Idee

Die erweiterten Harmonien in dessen Refrain verliehen dem Stück tatsächlich eine neue Ebene, während es gerade Bernd Elsenhans gelang, mit dem unermüdlich schnaufenden Beat von „Toto“-Schlagzeuger Jeff Porcaro Vortrieb zu schaffen. Die Idee zu diesem unter das Motto „Voice & Soul“ gestellte Projekt, so berichtete es Thomas Kammel, hatte der Heidenheimer Kulturmäzen Stefan Doraszelski, der die beiden Ensembles zusammenbrachte. Aus gegenseitiger Sympathie seien rasch die Eckpunkte dieser Premiere entstanden.

Zwischendurch spielte die Siggi-Schwarz-Band gewissermaßen auch solo, Sänger Tom Croèl brillierte etwa bei John Farnhams „You're the Voice“, mit „The Loner“ erklang auch eines der berührendsten Instrumentalstücke des 2011 verstorbenen irischen Gitarristen Gary Moore, dessen melancholischen Klang Schwarz hervorragend traf. In anderen Liedern ging die Gitarre dagegen weitgehend unter.

Fehlende Akzente

In „Candyman“ von Christina Aguilera oder „Hey Brother“ von Avicii war von Schwarz zumindest im Mittelfeld des Saals praktisch nichts zu hören. Dabei wäre es gerade bei diesen zeitgenössischen Stücken aus der Generation der Chormitglieder spannend gewesen zu hören, welche Akzente eine erfahrene Rockband hier setzen kann. Wie spannend die Begegnung der Generationen klingen kann, bewiesen ja die klassischeren Rockstücke.

Die Begeisterung des Publikums minderte dieser Umstand freilich kaum, der Applaus fiel nach gut zwei Stunden Musik überaus herzlich aus. Dazu trugen auch schön umgesetzte Stücke wie „Ameno“ von „Era“ oder „This is me“ aus dem Film „The Greatest Showman“ bei.

Und das Crossover-Projekt wird angesichts dieses Potenzials weiter wachsen können, denn schon jetzt scheint klar, dass es eine Fortsetzung geben wird.

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