Heidenheim Vier Uraufführungen auf einen Streich

Bei den Proben wird zum ersten Mal die Klangwirkung im Lokschuppen getestet. Außerdem ist Komponistin Dorothea Ferber vor Ort, um dem Gesang der Musikschüler zu lauschen.
Bei den Proben wird zum ersten Mal die Klangwirkung im Lokschuppen getestet. Außerdem ist Komponistin Dorothea Ferber vor Ort, um dem Gesang der Musikschüler zu lauschen. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Tina Lischka 22.06.2018
Die Heidenheimer Musikschule hat in Kooperation mit vier Komponisten unterschiedliche Werke erprobt, die am 1. Juli beim Preisträgerkonzert im Lokschuppen zum ersten Mal aufgeführt werden.

Der Wind pfeift, die Vögel zwitschern und irgendwo klingelt ein Handy. Keine Szene in der freien Natur, sondern inmitten des Lokschuppens. Singend laufen einige Jugendliche durch den Raum und dann auf ihre Notenständer zu. Dort angekommen, setzen sie ihre Proben fort – und das alles unter den stolzen Blicken der Komponistin.

Es sind junge Sänger der Musikschule Heidenheim, die sich auf ihren großen Auftritt beim Preisträgerkonzert am 1. Juli im Lokschuppen vorbereiten. Dieses wird vom Verein „Netzwerk Neue Musik Baden-Württemberg“ organisiert; für das Preisträgerkonzert wurde die Musikschule Heidenheim als Kooperationspartner ausgewählt. Es handelt sich dabei um den Kompositionswettbewerb „ad libitum“, bei dem vier Komponisten von einer Jury ausgewählt wurden, um Neue Musik für Schülerensembles zu komponieren. Die vier Stücke sollen dann gemeinsam erarbeitet werden.

Üben mit der Komponistin

„Es geht beim Netzwerk um die Zusammenarbeit. Deshalb sollte der Komponist mindestens einmal bei den Proben anwesend sein, damit die Musikschüler ihn kennenlernen können“, sagt Sven Kestel, der seitens des Vereins das Projekt koordiniert.

Dorothea Ferber aus Owingen-Taisersdorf ist eine der Komponisten und für die Proben im Lokschuppen extra nach Heidenheim gekommen. Beim Stück von Ferber, in dem sich alles rund um Alice im Wunderland dreht, handelt es sich um eine Stimm-Performance. Es wird nicht nur gesungen, sondern zum Teil inszeniert. „Das ist ein Thema, das mich schon längere Zeit bewegt“, sagt Ferber. An diesem Projekt teilzunehmen, ist für sie etwas Besonderes. Man könne nicht nur Neue Musik schaffen, Neugierde wecken, sondern auch mit den Stimmen der jungen Sänger arbeiten, um deren Vielfältigkeit zu zeigen. „Es macht total Spaß und es ist toll, das Ganze hier in den Proben zu hören“, sagt sie und lacht. Mit der halbszenischen Umsetzung, dem Sprechgesang und dem freien Klangbild werden in mehreren Performance-Miniaturen Bilder wie Angst, Fantasie, Komisches, aber auch Gewalt gezeigt. Etwa 14 Schüler sind daran beteiligt.

Bei den weiteren Kooperationen wurden, je nach Vorlieben der anderen Komponisten, von der Musikschule drei weitere Ensembles zusammengestellt. „James Saunders bevorzugt als Komponist große Orchester“, sagt Musikschulleiterin Monika Zimmermann. Deshalb habe man sich dafür entschieden, ihn mit dem Blasorchester zusammenarbeiten zu lassen. Da er aus England stammt, hat man sich bei den Proben bislang über Videos verständigt. „Er reist aber extra einen Tag vor dem Konzert an, um bei den Proben dabei sein zu können“, sagt Zimmermann.

Musik mit dem Handy

Eine Komposition der anderen Art wird es mit dem Stück von Tobias Hagedorn zu hören geben. Denn das ist für digitale Endgeräte komponiert. „Hierfür haben wir Ralf Möller vom Hellenstein-Gymnasium um Hilfe gebeten“, sagt Zimmermann. Da man in der Musikschule noch nicht viel mit Digitalem musiziert, sei die „Ton und Licht AG“ von Möller genau richtig. Mit Handys und einer speziellen App werden die Schüler elektronische Musik machen – ein Instrument brauchen sie dafür nicht.

Die vierte Komposition stammt von Carsten Hennig. Er hat sogar Fragebögen an die Musikschüler geschickt, in denen sie beantworten konnten, welche Töne im Stück vorkommen sollen oder wie ungewöhnlich es sein soll. Mitwirken werden drei Blockflöten, ein Cello, eine Klarinette, drei Schlagzeuge und zwei Pianos.

„Das Projekt findet im Bereich Begabtenförderung statt“, sagt Zimmermann. Immerhin handelt es sich dabei um zusätzliche Ensembles und Stücke – neben dem eigentlichen Musikunterricht. Bis zum Konzert am 1. Juli um 18 Uhr im Lokschuppen muss deshalb noch viel ausprobiert und geübt werden – und schon hört man wieder die Vögel zwitschern.

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