Lehre Verzweifelt gesucht: Nachwuchs fürs Handwerk

Schule trifft Handwerk: Zur Vorstellung der neuen Broschüre traf man sich in der Westschule mit Schülern der Klassen 9 und 10. Im Hintergrund von links: Wolfgang Krause (Jobcenter), Hermine Nowottnick (Landratsamt, Projektleitung „Startklar“), Schulleiter Jörg Glückschalt, Klaus Liebhaber (Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft), Schulrat Roland Dangelmaier und Lehrer Bernhard Jehle.
Schule trifft Handwerk: Zur Vorstellung der neuen Broschüre traf man sich in der Westschule mit Schülern der Klassen 9 und 10. Im Hintergrund von links: Wolfgang Krause (Jobcenter), Hermine Nowottnick (Landratsamt, Projektleitung „Startklar“), Schulleiter Jörg Glückschalt, Klaus Liebhaber (Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft), Schulrat Roland Dangelmaier und Lehrer Bernhard Jehle. © Foto: Oliver Vogel
Kreis Heidenheim / Silja Kummer 04.11.2013
Die Situation für das Handwerk wird nicht besser: Es gibt insgesamt weniger Schulabgänger und der Trend zu höherer Schulbildung nimmt zu. Es fehlt schon heute an Lehrlingen. Eine von vielen Maßnahmen zum Gegensteuern ist eine Broschüre, die jetzt neu aufgelegt wurde.

Man trifft sich an der Heidenheimer Westschule. Warum? Diese Frage beantwortet Schulrat Roland Dangelmaier vom staatlichen Schulamt in Göppingen: Weil an dieser Haupt- und Werkrealschule alles ziemlich optimal läuft: „Berufliche Orientierung muss in der Schule verankert sein“, sagt der Schulrat, und darum bemühe man sich in der Westschule schon ab der 7. Klasse. „Schon Ende der 7. Klasse gibt es ein Schnupperpraktikum, in der 8. Klasse dann intensive Betriebspraktika“, berichtet Schulleiter Jörg Glückschalt. Lehrer Bernhard Jehle erzählt von Elternabenden, Planungsgesprächen und Berufsberatung, in die auch die Eltern mit einbezogen werden.

Vorstellungen aus dem Fernsehen

Oftmals steht aber bei den Haupt- und Werkrealschülern – und vor allem bei ihren Eltern – der Wunsch nach höherer Schulbildung im Vordergrund. „Die duale Ausbildung rückt immer mehr in den Hintergrund“, sagt Hermine Nowottnick, die beim Landratsamt das Projekt „Startklar“ betreut. „Vor fünf Jahren war es noch einfacher, Lehrlinge zu bekommen“, sagt Klaus Liebhaber, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Heidenheim. Ihre Vorstellungen über das Arbeitsleben würden viele Schüler aus dem Fernsehen gewinnen – und dies hätte dann mit der Wirklichkeit wenig zu tun. „Sicherlich haben 15-Jährige auch noch keine wirkliche Vorstellung davon, was einen auf Dauer glücklich macht“, meint Liebhaber – ein hohes Gehalt und viel Urlaub oder doch eher berufliche Erfüllung und sinnvolles Tun.

Um Schulabgänger mit Hauptschulabschluss schneller in den Beruf zu bringen, hat die Handwerkskammer einen ganzen Maßnahmenkatalog erstellt, die jetzt neu gestaltete Broschüre ist ein Element davon. Vorgestellt werden in kurzen Porträts und mit vielen Bildern viele Handwerksberufe, oftmals stehen die Kontaktadressen zu Ausbildungsbetrieben im Landkreis direkt daneben. Aufgrund der derzeitigen Situation können es sich ausbildungswillige Schüler oft aussuchen, in welchen Betrieb sie gerne gehen möchten. „Eine Berufsausbildung ist heute auch keine Sackgasse mehr“, sagt Wolfgang Krause vom Jobcenter, und Rektor Jörg Glückschalt ergänzt: „Was man in einer Ausbildung lernt, hat man auf der Haben-Seite“, auch wenn der Berufsweg danach woanders hin führe.

Pünktlich, höflich und kritikfähig

Doch wie sieht es mit den Anforderungen vonseiten der Betriebe aus? Dort stehe die Ausbildungsreife oft im Vordergrund, berichtet Liebhaber. Dazu zählen Eigenschaften wie Pünktlichkeit, Höflichkeit, Kritikfähigkeit und Durchhaltevermögen. Die Leistungen an der Berufsschule hingegen würden sich oft verbessern, wenn die Auszubildenden Motivation in ihrem zukünftigen Beruf finden.

Info Die 44 Seiten starke Broschüre „Schule trifft Handwerk“ wurde gemeinsam finanziert von Landkreis, Kreishandwerkerschaft und Jobcenter und wird von allen Institutionen bei der Berufsberatung von Jugendlichen eingesetzt.
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