Heidenheim Anklage: Vermögen einer Aktiengesellschaft veruntreut?

Der Fall R.: Das Gericht prüft noch, ob die Anklage zugelassen wird.
Der Fall R.: Das Gericht prüft noch, ob die Anklage zugelassen wird. © Foto: David-Wolfgang Ebener
Heidenheim / Silja Kummer 09.09.2018
Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen den Heidenheimer Unternehmer Wolfgang Wilhelm R..

Für die Justiz ist es oft nicht einfach, Vorgänge nachzuvollziehen, die sich innerhalb von Firmen abspielen. So ist es auch im Fall des Heidenheimer Unternehmers Wolfgang Wilhelm R.: Die Staatsanwaltschaft Ellwangen hat jetzt Anklage beim Amtsgericht Heidenheim gegen ihn erhoben. Vorgeworfen werden ihm Untreue und Unterschlagung im Zusammenhang mit dem Vermögen der Kremlin AG, dessen Vorstand er war.

Zugelassen ist die Anklage indes noch nicht, und dies könnte auch noch eine ganze Weile dauern: „Das sind sehr komplexe Vorgänge“, sagt Amtsgerichtsdirektor Rainer Feil, weshalb der Fall genau geprüft werden müsse. Es könne durchaus sein, dass auch noch Nachermittlungen notwendig seien. Für Untreue sieht das Strafgesetzbuch einen Strafrahmen vor, der von einer Geldstrafe bis zu fünf Jahren Haft reicht, genauso verhält es sich bei einer Unterschlagung.

Goldbarren nicht herausgegeben

Die Vorgänge, um die es bei der Anklage geht, liegen schon mehr als zwei Jahre zurück. R. war damals noch als Vorstand der börsennotierten Gesellschaft eingetragen, obwohl er aufgrund einer Vorstrafe von Februar 2014 laut Aktiengesetz eigentlich nicht mehr als Vorstand einer AG tätig sein durfte.

Im März 2016 soll er Aktien, in deren Besitz die Kremlin AG war, an eine anderen Aktiengesellschaft übertragen haben. Den Wert dieser Aktien beziffert die Staatsanwaltschaft Ellwangen auf eine sechsstellige Summe. Aus diesem Vorgang resultiert der Vorwurf der Untreue. Im Mai 2016 wurde der Unternehmer aufgrund seiner Vorstrafe von Amts wegen als Vorstand gelöscht.

Da er die Herausgabe von zehn Goldbarren, die ebenfalls der Kremlin AG gehörten, an den ihm nachfolgenden Vorstand Hans-Hermann Mindermann verweigerte, wirft ihm die Staatsanwaltschaft Ellwangen Unterschlagung vor.

Kurzzeitig insolvent

Im August 2016 stellte Mindermann einen Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit der Kremlin AG. Im Oktober 2016 schaltete sich die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ein, und setzte ein Zwangsgeld von 140 000 Euro gegen die Kremlin AG fest - weil diese ihren Jahresabschluss 2015 nicht veröffentlicht hatte.

Bei der Hauptversammlung der Kremlin AG am 18. November 2016 wurde der Vorstand neu gewählt, Georg E. aus Steinheim löste Mindermann ab. In den Aufsichtsrat wurden Wolfgang Wilhelm und Wolfgang Erhard R. gewählt. Einen Tag später wurde der Insolvenzantrag der Kremlin AG zurückgenommen.

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