Verbot Wildtiere im Zirkus: „Verantwortbare Tierhaltung ist nicht möglich“

Muss das sein? Tierschützer sind generell gegen Wildtiere in Zirkusbetrieben.
Muss das sein? Tierschützer sind generell gegen Wildtiere in Zirkusbetrieben. © Foto: Jule Eichblatt
Heidenheim / hz 28.11.2017
Verband spricht sich für ein Wildtierverbot in Zirkusunternehmen aus.

Der Landestierschutzverband Baden Württemberg sowie der Kreistierschutzverein Heidenheim sprechen sich ausdrücklich für ein kommunales Wildtierverbot für Zirkusse in Heidenheim aus.

Über ein solches wird am Dienstag im Kultur-, Sozial-, Schul- und Sportausschuss des Gemeinderats debattiert. „Wildtiere stellen besonders hohe Ansprüche an ihre Haltung und Unterbringung“, so Stefan Hitzler, Vorsitzender des Kreistierschutzverein Heidenheims und Vorsitzender des Landestierschutzverbandes: „In einem Zirkusunternehmen ist eine verantwortbare Haltung von Wildtieren grundsätzlich nicht möglich“, betont er.

Seiner Meinung nach leiden die Zirkustiere massiv darunter, dass sie Kunststücke vorführen müssen, für die sie oft mit Gewalt dressiert werden, dass sie im Schnitt 50-mal im Jahr den Auftrittsort wechseln müssen, dass sie die überwiegende Zeit in kleinen Käfigen, unzureichenden Gehegen oder im Transportwagen verbringen. Auch die tierärztliche Kontrolle oder Versorgung sei oft mangelhaft.

Kontrolle der Ämter greift nicht

Wie schnell darüber hinaus ein Zirkus in Not geraten kann, zeige das Beispiel des vor einem Jahr in Heidenheim gestrandeten Zirkus, für den der Kreistierschutzverein Heu und Stroh beschaffen, sowie Kosten für den Tierarzt tragen musste, was nur dank eines Spendenaufrufes bei „Unsere Hilfe zählt“ möglich war.

Selbst die kontrollierenden Veterinärbehörden könnten an dem Leid der Tiere wenig ändern, weil die Beschlagnahmung eines Wildtieres aus schlechter Zirkushaltung rechtlich kaum möglich und eine Vermittlung in Auffangstationen schwierig sei. Außerdem wechseln Zirkusse häufig – auch unangemeldet – ihren Standort. Ein effektiver Vollzug sei so erheblich erschwert.

In den letzten 22 Jahren, so Hitzler, seien europaweit über 300 Zwischenfälle mit mehr als 600 Zirkustieren dokumentiert worden, davon hätten sich fast die Hälfte in Deutschland ereignet.

Deshalb bittet Hitzler die Stadträte dringend, sich für ein kommunales Wildtierverbot für Zirkusse einzusetzen. Städte wie Ulm oder Stuttgart hätten dies auch getan. „Ich hoffe sehr, dass der Heidenheimer Gemeinderat sich ebenso fortschrittlichen und aufgeschlossenen zum Wohl der Tiere einsetzt“, so Hitzler. Diese Tierwohl sei auch in der Landesverfassung festgeschrieben.

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