Umfrage USA: Was sagen Heidenheimer zur Trump-Wahl?

Donald Trump triumphiert - was sagen Heidenheimer mit US-Wurzeln dazu?
Donald Trump triumphiert - was sagen Heidenheimer mit US-Wurzeln dazu? © Foto: Imago
Silja Kummer 09.11.2016
Wahl in den USA: Viele Amerikaner sind enttäuscht, dass Donald Trump Präsident wird – auch in Heidenheim.

Der Ausgang der Präsidentschaftswahl war am Mittwoch das Thema des Tages, auch in Heidenheim. Viele US-Bürger, die hier leben oder gelebt haben, sind enttäuscht, dass Donald Trump nun Präsident wird – zum Beispiel John-Charles Simon. Der Vorsitzende des Vorstands der Clever Group AG und der Werbegemeinschaft Schloss Arkaden sagt, er habe Hillary Clinton gewählt. „Sie war das kleinere Übel“, so der Geschäftsmann. Die eigentliche Enttäuschung für ihn sei gewesen, dass es Amerika nicht geschafft habe, einen richtigen Kandidaten aufzustellen. „Ich bin jetzt gespannt, ob Trumps dumme Sprüche nur Propaganda waren“, sagt Simon. Er könne sich nicht vorstellen, dass tatsächlich eine Mauer an der mexikanischen Grenze gebaut werden wird.

Weder auf Trump noch auf Clinton hat der Heidenheimer Manuel Sanchez gesetzt: Er hat die Kandidatin der grünen Partei Jill Stein gewählt. „Es ist schade, dass jetzt ein Mann ohne Skrupel regieren darf“, sagt der 42-Jährige. Ähnlich wie die AfD in Deutschland würde Trump die Angst der Menschen benutzen. Es sei zwar vieles nicht wahr, was Trump im Wahlkampf gesagt habe, aber das sei den Leuten, die ihn gewählt haben, offenbar egal.

Sanchez, dessen Eltern aus Spanien und Kuba kommen, ist besonders erzürnt darüber, dass Trump die Einwanderer in ein so schlechtes Licht gerückt hat. Dabei sei die Nation auf Einwanderung begründet: „Alle Amerikaner sind Immigranten, das vergessen sie nur sehr schnell“, sagt er.

In Los Angeles lebt mittlerweile die ehemalige Fotografin der Heidenheimer Zeitung, Jennifer Wenger (früher Räpple). „Ich bin sprachlos“, sagt sie zum Ausgang der Wahl. „Das haben wir alle nicht erwartet“, meint die 31-Jährige. Sie selbst hat Hillary Clinton gewählt, ganz im Gegensatz zu ihrer Mutter und ihren Brüdern, die in Oklahoma leben. Diese wählen schon immer republikanisch, erzählt die Fotografin. „Sie haben gedacht, er kann eine Firma leiten, dann kann er auch ein Land regieren“, sagt sie. Sie teilt diese Auffassung aber keineswegs. „Dass die USA immer noch so viel Rassisten hat, ist nach wie vor nur tragisch“, sagt Jennifer Wenger. „Ein Land, das Hass, Angst und Bigotterie unterstützt, ist für mich keine Heimat mehr, sondern ein Schlachtfeld“, sagt sie. Ihre beste Freundin sei Polizistin in Oklahoma. „Sie hat wirklich Angst um ihre Zukunft.“

Trotz ihrer Enttäuschung kann sie nachvollziehen, wieso Trump die Wahl gewonnen hat: „Es gibt hier sehr viele Menschen, die keine Perspektive haben“, diese hätten auf ihn gebaut. „Ich weiß nicht, was jetzt auf uns zukommt“, so Wenger, die sechs Jahre lang in Heidenheim gelebt hat. Sie kann sich gut vorstellen, zurück nach Deutschland zu kommen. „Meine Freunde hier beneiden mich für diese Möglichkeit“, sagt sie.