Im Dreifachmord-Prozess mit einem Vater und seinen zwei Söhnen auf der Anklagebank werden die Urteile erwartet. Die Staatsanwaltschaft hat am Landgericht Ellwangen für alle drei Angeklagten lebenslange Haftstrafen gefordert. Die Verteidiger der 31 und 33 Jahre alten Söhne plädierten auf Haftstrafen zwischen weniger als 10 und maximal 15 Jahren.

Auch der Verteidiger des Vaters hat sich indirekt für eine lebenslange Haftstrafe ausgesprochen. „Er ist hart zu bestrafen, das sage ich als Verteidiger“, erklärte Fritz Döringer am Freitag.

Der Verteidiger bat das Gericht, den Hauptangeklagten nicht zu anschließender Sicherungsverwahrung zu verurteilen. Das hatte die Staatsanwaltschaft gefordert. Man müsse auch diesem Menschen - unter anderem angesichts seiner Geständnisse in zwei Mordfällen - ein Licht der Hoffnung lassen. Lebenslänglich bedeute, dass der Angeklagte 15 bis 18 Jahre im Gefängnis bleiben werde, ehe eine Chance auf Entlassung zur Bewährung bestehe, argumentierte die Verteidigung. Der 55-Jährige erklärte, er bereue seie Taten „tief“. Nach dem Plädoyer erlitt er nach Angaben seines Anwalts einen Schwächeanfall. Das Gericht rief einen Notarzt.

Leichen mit Kettensägen zersägt

Der Vater soll laut Anklage als Haupttäter im Jahr 2008 den Ehemann und 2014 den neuen Lebensgefährten seiner Tochter erwürgt haben. Bei dem zweiten Mord sollen ihm beide Söhne geholfen haben. Zudem wirft die Anklagevertretung dem Vater und dem älteren vor, 2019 aus Habgier einen Geschäftsmann ermordet und bestohlen zu haben. Zwei Leichen sollen mit Kettensägen zersägt worden sein, um sie besser „entsorgen“ zu können. Die drei Bluttaten wurden in Sontheim an der Brenz, in der Nähe der Landesgrenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern, begangen. Alle drei Angeklagten sind italienische Staatsbürger, die seit langem in Baden-Württemberg leben.

Ellwangen/Sontheim

Die Strafforderung der Staatsanwaltschaft für den Vater bezieht sich allein auf die zweite und dritte Tat. Der Fall von 2008 wurde am Dienstag auf Beschluss des Landgerichts vom Verfahren abgetrennt und soll im kommenden Jahr weiter behandelt werden. Der Grund dafür ist, dass sich ein Neffe des Hauptangeklagten bereit erklärt haben soll, vor deutschen Behörden auszusagen.

Der Neffe, der zurzeit in Italien eine Haftstrafe verbüßt, könnte nach Angaben aus Ermittlerkreisen seinem Onkel 2008 bei der Beseitigung der Leiche geholfen haben. Deren Verbleib ist bislang unklar. Als Motiv für den mutmaßlichen Schwiegersohnmord sieht die Staatsanwaltschaft an, dass der Vater „gegen die Beziehung seiner Tochter zu dem türkischen Staatsangehörigen muslimischen Glaubens“ gewesen sei.

Lebensgefährten der Tochter umgebracht

Sechs Jahre später soll der Vater mit seinen Söhnen den neuen Lebensgefährten der Tochter umgebracht haben. Die angeklagten Söhne erklärten dazu, der Lebensgefährte habe ihre Schwester und deren Kinder immer wieder brutal misshandelt. Die Leiche des Opfers wurde - wie der 33-jährige Angeklagte aussagte - zunächst in einer Gefriertruhe gelagert und dann zersägt. Später sollen die Leichenteile in Fässern nach Sizilien gefahren und dort unweit des Geburtsortes des Vaters in einem Wald abgekippt worden sein.

Auch das dritte Opfer wurde zersägt. Die Leichenteile fanden Ermittler im Garten des Hauptangeklagten, wodurch der Fall im Frühsommer 2019 ins Rollen kam.