Heidenheim Urteil im Brandstifter-Prozess

Mitte Dezember 2017 begann eine ominöse Brandserie an der Nördlinger und Härtsfeldstraße. Bis Ende Januar legte ein Mann dort immer wieder Feuer und sorgte damit für Angst und Schrecken bei den Bewohnern.
Mitte Dezember 2017 begann eine ominöse Brandserie an der Nördlinger und Härtsfeldstraße. Bis Ende Januar legte ein Mann dort immer wieder Feuer und sorgte damit für Angst und Schrecken bei den Bewohnern. © Foto: Archiv / Markus Brandhuber
Heidenheim / Von Karin Fuchs 11.10.2018
Der Brandstifter von der Nördlinger Straße wurde am Landgericht Ellwangen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr verurteilt. Lange wurde über die Frage diskutiert, ob der Mann zurechnungsfähig ist.

Acht Mal brannte es über den Jahreswechsel 2017/2018 in der Obdachlosenunterkunft an der Nördlinger Straße. Zuerst hatte Kleidung auf einem Wäscheständer im Gemeinschaftsbad Feuer gefangen. Da gingen die Ermittler noch von einem technischen Defekt eines Heizlüfters als Ursache aus.

Als dann jedoch China-Böller ins Spiel kamen, war schnell klar, dass ein Brandstifter am Werk sein musste. Dieser hatte immer das gleiche Zimmer attackiert, ohne größere Schäden anzurichten. Die Spur führte zu einem 26-Jährigen, der selbst in der Obdachlosenunterkunft wohnte.

Seit acht Montaten in Haft

Gestern fand am Landgericht Ellwangen an der 2. Großen Strafkammer der Prozess gegen den Mann statt, der zwei Monate lang die Bewohner der Unterkunft in Angst und Schrecken versetzt hatte. Um ihm am weiteren Zündeln zu hindern, war der Mann seit Februar in Untersuchungshaft gewesen. Nach dem Urteil verließ er auf das Gerichtsgebäude auf freiem Fuß. Die einjährige Freiheitsstrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Keine Brandstiftung, sondern Sachbeschädigung

Doch ganz so sicher war dieser Ausgang zu Beginn des Prozesses nicht. Schwere Brandstiftung hatte die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vorgeworfen. Doch waren alle Prozessbeteiligten am Ende überzeugt, dass der Mann das Haus nicht abfackeln wollte, in dem er ja selbst wohnte. Deshalb lautete das Urteil auf Sachbeschädigung. Außerdem sollte ein Gutachter feststellen, ob der Angeklagte überhaupt schuldfähig ist.

Der Zorn des Angeklagten richtete sich gegen einen Mitbewohner, von dem er sich gemobbt fühlte. „Ich wollte dem bloß einen Schrecken einjagen“, sagte der Angeklagte. Warum er ausgerechnet zum Feuerzeug griff und nicht zu anderen Mitteln, erklärte gestern der Sachverständiger.

War niedrige Intelligenz die Ursache für die Taten?

Dessen Meinung war für das Gericht mit ausschlaggebend für die Urteilsfindung. Hätte der Psychiater dem Angeklagten eindeutig „Schwachsinn“ attestiert, hätte das Gericht diesen auch in eine geschlossene psychiatrische Anstalt schicken können. Der Sachverständige stellte beim 26-Jährigen bei Tests einen unterdurchschnittlichen Intelligenzquotienten fest. Diese geringe Intelligenz sei der Grund, dass der Angeklagte bei „psychosozialem Stress“ mit Impulshandlungen reagiere. Er fände kein anderes Ventil.

Die Vorstrafen zeigten, dass der Mann zu seltsamen, rechtswidrigen Handlungen neigt. Er hatte schon aus Langeweile Zeitungen angezündet, falsche Notrufe abgesetzt und bei der Polizei Straftaten wie Vergewaltigung angezeigt, die es nicht gab. Aufmerksamkeit zu erregen, das ziehe sich wie ein roter Faden durch das Leben des Angeklagten, sagte der Vorsitzende Richter, Bernhard Fritsch.

Eine Behandlung, so der Sachverständige, sei nicht möglich. Dass der Mann künftig ähnlich reagieren werde, sei anzunehmen. Der Verteidiger wollte diese negative Einschätzung nicht stehen lassen. Wäre es nicht vorstellbar, dass sich der Angeklagte mit Hilfe im Alltag bessere?

Drei Jahre Bewährungzeit samt Betreuer

Schlussendlich sah das auch das Gericht so und baute deshalb solche Hilfen in das Urteil ein. Drei Jahre lang muss der Mann nicht nur mit einem Bewährungshelfer zusammenarbeiten, sondern ihm soll auch ein Betreuer zugewiesen werden. Zudem soll der Mann 80 Stunden soziale Arbeit leisten.

Was die Brandserie mit dem Tötungsdelikt zu tun hat

Ein 48-jähriger Mann ist in der Nacht zum 3. Juni im Obdachlosenheim an der Nördlinger Straße zu Tode gekommen. Der Tote war just der Mann, wegen dem der Brandstifter aus Frust immer wieder zum Feuerzeug gegriffen hatte. „Er hat mich gemobbt. Er ist unbefugt in mein Zimmer gegangen. Das hat mir gestunken“, sagte der Angeklagte gestern vor Gericht.

Totschlag-Prozess für November geplant

Mehr jedoch haben beide Fälle wohl nicht miteinander zu tun. Drei Bekannte des Getöteten wurden wenige Stunden nach der Tat festgenommen. Gegen zwei wurde Haftbefehl erlassen. Einer der Beschuldigten hatte sich im Sommer in der U-Haft in der Ulmer Justizvollzugsanstalt das Leben genommen.

Die Staatsanwaltschaft hatte schon zu diesem Zeitpunkt Anklage an die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Ellwangen wegen gemeinschaftlichen Totschlags erhoben. Der Prozess gegen den 28-jährigen Angeklagten soll im November stattfinden und ist auf auf mehrere Tage angesetzt.

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