Heidenheim / Patrick Vetter Im Januar vergangenen Jahres gab es Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Partygästen. Fünf der Beteiligten standen jetzt vor Gericht.

Unübersichtlich und aggressiv war die Situation vor über einem Jahr Anfang Januar 2018. Während einer Party kam es vor dem Lokschuppen zu einer Auseinandersetzung zwischen der Polizei und einer Gruppe von knapp 20 Menschen. Soweit decken sich die Zeugenaussagen in dem Fall, der jetzt vor dem Amtsgericht verhandelt wurde.

Bereits beim Einlass fielen einige Gäste der Veranstaltung auf, als sie sich mit den Sicherheitsmännern wegen des Aufdrucks einer Mütze stritten. Veranstalter und Sicherheitsdienst wollten daraufhin, dass eine Gruppe von acht Personen die Party verlässt, deshalb zogen sie die Polizei hinzu.

Fast die ganze Gruppe folgte nach Aussage der Beamten friedlich nach draußen, nur einer setzte sich zur Wehr. Er verfehlte einen Polizisten mit einem Schlag, wurde zu Boden gebracht, bekam Pfefferspray ins Gesicht und wurde laut Polizei unter Gegenwehr in Handschellen gelegt. „Das war der Punkt, an dem die Stimmung kippte“, sagte Alexander Schneider, einer der beiden Verteidiger.

Viele Schaulustige

Es formierte sich eine Gruppe aus vielen Schaulustigen und 15 bis 20 aggressiv auftretenden Gästen der Party. Für die Beamten wirkte es, als wollten sie den Festgenommenen befreien. Es flogen Steine und eine Flasche. Ein Mitglied der Gruppe trat einen Polizisten laut den diensthabenden Beamten im Sprung gegen den Oberschenkel. Erst nach einem weiteren Pfeffersprayeinsatz beruhigte sich die Situation. Die Polizei beendete die Veranstaltung daraufhin.

Der Festgenommene und vier weitere Beteiligte standen nun wegen der Taten der Gruppe vor Gericht, angeklagt wegen versuchter Gefangenenbefreiung und weiterer Delikte im Bereich der Körperverletzung und des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte.

Sie versicherten übereinstimmend, dass die Mitglieder der Gruppe vor dem Lokschuppen sich nicht gekannt oder abgesprochen hätten. Vier von ihnen fühlen sich der Heidenheimer Fußball-Ultraszene zugehörig, der fünfte bezeichnete sich zumindest als Fußballfan. Laut den Verteidigern Schneider und Ulrich Carle hatte das aber nichts mit den Vorfällen im Januar 2018 oder mit den Vorwürfen körperlicher Gewalt zu tun.

Fußball spielte keine Rolle

Außerdem war laut Carle fragwürdig, weshalb gerade die fünf Angeklagten vor Gericht standen, und wie sie identifiziert wurden, da für ihre Identifizierung hauptsächlich Bilder aus einem Ordner mit FCH-Fans aus einem anderen Fall benutzt worden seien. Die fünf konnten nur ausgemacht werden, weil sie direkt mit der Polizei Kontakt hatten. Teilweise wollten sie schon vor der Eskalation schlichten oder die Situation aufklären, denn nach Aussage der Angeklagten, war niemandem wirklich klar, warum man die Party verlassen musste. Einer der jungen Männer blieb sogar, bis die Situation vorbei war und gab dann die Personalien auf.

Für Richter Jens Pfrommer gab es vor dem Urteil ein weiteres Problem: Außer dem Festgenommenen wurde keiner der Angeklagten direkt bei einer Straftat erkannt. Einem Studenten wurde vorgeworfen, einen Polizisten getreten zu haben. Er sollte dafür Schmerzensgeld zahlen. Auch er wurde aber nur auf Grund seiner Statur erkannt: „Ich habe einen großen, korpulenten Mann mit Kapuzenpulli wegrennen sehen“, sagte der geschädigte Beamte, der bei dem Tritt keine schlimmere Verletzung davontrug.

Extrem gefährliche Situation

Staatsanwalt Ralph Feile forderte trotzdem eine Bewährungsstrafe. „Die Situation war extrem gefährlich für die Polizei“, sagte er. Verteidiger Schneider stimmte zu, dass Gewalt gegen die Polizei hart bestraft werden müsse. In diesem Fall gebe es aber zu viele Ungereimtheiten: Niemand wisse genau wer zur damaligen Gruppe gehörte, Zeugen seien unsichere Quellen und „der Mittelhand- und Nasenbeinbruch und die Schädelprellung des festgenommenen Angeklagten tauchen in der Akte gar nicht auf“, so der Rechtsanwalt.

Pfrommer musste aufgrund fehlender Beweise milde urteilen. Auch für den Tritt gegen den Beamten könne er niemanden zur Rechenschaft ziehen. Es sei zwar wahrscheinlich, dass der Student zugetreten habe, aber im Zweifel müsse er für den Angeklagten entscheiden.

Er sprach den Mann sowie alle anderen frei – bis auf den zunächst Festgenommenen. Pfrommer verhängte schließlich wegen eines tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte eine Geldauflage von 140 Tagessätzen à 45 Euro.