Heidenheim / hz Leserbrief zu den Leserbriefen von Stephen Mutschler, Werner Baptist und Dr. Peter Brause.

Zunächst danke ich dem Juristen Dr. Brause für seine fachliche Betrachtung und Herrn Baptist für die gemäßigte Stellungnahme und seine Verneigung vor mir. Das ist zu viel des Guten. Ich habe nicht erwartet, dass eine Welle dieser Art losbricht. Wo sind wir eigentlich? Darf in dieser Demokratie, angeblich einem Rechtsstaat, ein ehemaliger Bundesrichter nicht mehr über ein Geschehen in der Hitlerzeit sich äußern, ohne dass ein Mitbürger dies mit dem Wort „schwadronieren“ abtut? Seine juristisch absolut verständlichen Ausführungen solle er lassen und lieber für den „ österreichischen Gefreiten“ anwenden.

Im Grunde hat er das ja. Wie anders ist zu werten, dass er den Anschlag auf Hitler rechtlich „unter einem übergesetzlichen entschuldigenden Notstand“ sehen könnte. Er geht noch weiter: „Vor einem rechtsstaatlichen Gericht hätte Elser insoweit auf Straffreiheit hoffen können.“ Tatsächlich wurde er von den damals Herrschenden umgebracht.

Die Ehre und Hochachtung vor dem Mut und der Ausdauer des Georg Elser, die ich hervorhob und unangetastet ließ, hob auch der Jurist hervor. Dann muss es in einem Rechtsstaat doch erlaubt sein, dass ein Bürger, vollends gar ein hochrangiger Jurist, nicht sein fachliches Denken zuklappt und die Geschichte ignoriert, sondern den Fall insgesamt sieht.

Dr. Brause hat nun damit die Folgen des Attentats nicht übergangen. Was ist mit den unschuldigen Opfern, wie z. B. Tontechniker, Kellnerinnen, Kassiererinnen, Student, Gymnasiallehrer und vier Besuchern, die nach Hitlers Abfahrt den Bürgerbräukeller nur ansehen wollten? Vergessen? Kollateralschäden?

Würde man sich zur Wahrheit bekennen, dann wäre es eben die Wahrheit. Die Planung, der Mut und die akribische Ausführung Elsers bliebe unveränderliche Geschichte.

Gerhard Schlumpberger, Heuchlingen