Heidenheim / Michael Brendel Mit dem Beginn der Vegetationsperiode gewinnt ein Dauerthema wieder an Aktualität: Hundekot und Müll haben auf Acker- und Weideflächen nichts zu suchen.

Windeln, CD-Hüllen, Glasflaschen, Plastikverpackungen: Alles Dinge, die auf landwirtschaftlich genutzten Flächen fehl am Platz sind. Und doch sammelt Thomas Späth sie in großen Mengen ein. Jetzt, da die Natur sich aus dem Winterschlaf schält und der erwachenden Vegetation der Boden bereitet wird.

Späth betreibt in Aufhausen einen Hof mit 60 Milchkühen, der sich seit Generationen in Familienbesitz befindet. Von entscheidender Bedeutung für die Grundfutterversorgung der Tiere sind die insgesamt rund 100 Hektar Fläche, die der 40-Jährige bewirtschaftet.

50 Kilogramm Müll

Etwa 40 Hektar verteilen sich auf den westlich von Schnaitheim gelegenen Asang. Und dort muss Späth gerade von Hand besagten Müll zusammentragen, ehe er seine Maschinen einsetzen kann. Etwa 20 Stunden, so schätzt er, koste ihn das, und am Ende kämen sicherlich an die 50 Kilogramm Unrat zusammen.

Der Aufwand sei aber unumgänglich, weil sich die Kühe an Fremdkörpern im Futter erheblich verletzen und innere Blutungen erleiden könnten. Außerdem entstehe schnell ein Schaden von etlichen Tausend Euro, „wenn man bei der Arbeit über ein Metallteil fährt“.

Problem hat sich verschärft

Späths Beobachtung zufolge hat sich das Problem in den vergangenen zwei, drei Jahren deutlich verschärft. Mit dieser Einschätzung spricht der Landwirt nicht nur für sich, sondern auch für viele seiner Kollegen im Landkreis, ist er doch Ortsobmann des Bauernverbands für Schnaitheim und Aufhausen.

Und noch ein Ärgernis treibt die Landwirte um: Hundekot auf Grünflächen und Ackerland. In einer Informationsbroschüre macht der Landesbauernverband auf den Aspekt der Hygiene aufmerksam. Auf heimischen Flächen würden neben Getreide auch frische Produkte wie Salat, Obst und Gemüse produziert, die direkt vom Feld in die Ladentheke kämen. Die hohen Qualitätsansprüche könnten nur mit Unterstützung der Freizeitsuchenden und der Hundehalter erfüllt werden.

Rechtliche Lage klar

Der Bauernverband appelliert deshalb in einer Broschüre an die Hundehalter, Hundekot aufzusammeln, auf Wegen zu bleiben und Hunde an die Leine zu nehmen. Gleichzeitig verweist er auf die rechtliche Lage: Das Landesnaturschutzgesetz bestimmt, dass landwirtschaftlich genutzte Flächen während der Nutzzeit – also im Zeitraum zwischen Saat und Ernte – nur auf Wegen betreten werden dürfen. Bei Grünland ist darunter die Zeit des Aufwuchses und der Beweidung von Anfang März bis Ende Oktober zu verstehen. Das Betretungsverbot gilt auch für Hunde.

Dem Landwirtschafts- und Landeskulturgesetz gemäß handelt zudem ordnungswidrig, wer Tiere, für die er verantwortlich ist, außerhalb eingefriedeter Grundstücke ohne genügende Aufsicht oder Sicherung lässt, falls dadurch die Nutzung eines fremden landwirtschaftlichen Grundstücks gefährdet wird.

Appell auf Infotafeln

„Dankeschön für saubere Felder!“ steht auf mehreren Infotafeln, die Späth bei der Zentrale des Landesbauernverbands gekauft hat und nun als plakative Aufforderung an verschiedenen Orten aufstellen will. Eine Genehmigung durch die Verwaltung steht allerdings noch aus.

Späth weiß, dass er mit seiner Haltung und dem Hinweis darauf, dass Hundekot nicht mit Kuhfladen gleichgesetzt werden könne, Widerworte provoziert. Deshalb legt er Wert auf die Feststellung, „dass auch wir Landwirte tierlieb sind, denn wir leben ja von und mit ihnen“. Ihm sei an einem besseren gegenseitigen Verständnis und an verantwortungsbewusstem Verhalten gelegen: „Alle wollen hochwertige Lebensmittel haben“, so Späth, „da kann es doch nicht sein, dass die Kühe Dreck fressen müssen.“

Was Hundekot im Grünfutter zur Gefahr macht

Warum stellt Hundekot auf landwirtschaftlich genutzten Flächen eine Gefahr dar, während Kuhfladen und Gülle ohne Murren hingenommen werden, ja sogar gezielt als Dünger Verwendung finden?

Hunde können mit dem einzelligen Parasiten Neospora caninum infiziert sein. Geben sie dessen Eier über ihren Kot ab, können sich zum Beispiel andere Hunde, Pferde, Füchse, Ziegen, Schafe und Rinder anstecken.

Eier des Parasiten überleben monatelang in Futter oder Wasser. Werden sie auf diesem Weg von einem Rind aufgenommen, besteht die Gefahr, dass es bei trächtigen Tieren zu Fehlgeburten kommt.

Medikamente, die eine Infektion bei Rindern wirksam bekämpfen, gibt es laut Bauernverband bislang nicht. Eine vorbeugende Impfung ist in Deutschland nicht zugelassen. Eine Übertragung auf Menschen ist nicht bekannt. bren