Umwelt Umweltminister Untersteller zu Gast in Heidenheim

Kleiner Energie-Gipfel in den Schloss-Arkaden: Umweltminister Franz Untersteller erläuterte die Grundzüge seiner Politik - neben ihm Bürgermeister Rainer Domberg.
Kleiner Energie-Gipfel in den Schloss-Arkaden: Umweltminister Franz Untersteller erläuterte die Grundzüge seiner Politik - neben ihm Bürgermeister Rainer Domberg. © Foto: Oliver Vogel
Heidenheim / Erwin Bachmann 21.09.2014
Energieeffizienz zum Anfassen: Auch wenn die Reichweite nur 280 Kilometer beträgt und es gerade mal fünf Wasserstoff-Tankstellen im Land gibt, kam der Umweltminister Franz Untersteller im Zuge der Energiewendetage mit einem Brennstoffzellenfahrzeug nach Heidenheim - no risk no fun.

Nun, ein altgedienter Chauffeur und ein ausgeklügelter Fahrplan minimierten das Risiko, im Energieland Baden-Württemberg auf freier Strecke liegenzubleiben. Tatsächlich schaffte es der Umwelt- und Energieminister Franz Untersteller am Wochenende, anlässlich der von seinem eigenen Haus ausgerufenen Energiewendetagen gleich acht Veranstaltungen zu besuchen und ohne unfreiwillige Aufenthalte wieder wohlbehalten in Stuttgart anzukommen.

 Der samstägliche Zwischenstopp in Heidenheim war geplant und verlief planmäßig in den Schloss-Arkaden. Dort hatte der Landkreis Heidenheim zusammen mit der Architektenschaft, den Stadtwerken und dem Runden Tisch Energie einen Stand aufgebaut, an dem sich Besucher zu allen energetischen Sanierungsthemen für ihre Immobilie informieren konnten – und der für kurze Zeit inmitten samstäglichen Konsumgetriebes zum Schauplatz eines kleinen energiepolitischen Gipfeltreffens geriet. 

Landrat Thomas Reinhardt war gekommen und nutzte die Gelegenheit, den Handlungsreisenden in Sachen Energie an Ort und Stelle über die Vorreiterrolle des Kreises Heidenheim in Sachen Energiewende in Kenntnis zu setzen. Er zeigte Untersteller den wachsenden Beitrag dieser Raumschaft zur vom Land propagierten Windkraftnutzung auf und wies in diesem Zusammenhang auf das vom Landkreis verfolgte integrierte Klimaschutzprogramm hin. Heidenheims Bürgermeister Rainer Domberg rückte die örtlichen Stadtwerke AG ins Blickfeld, die sich vorgenommen haben, bis zum Jahre 2020 nur noch grünen Strom zu produzieren. Dass der Energieversorger dabei auf einem guten Weg ist, wusste auch der lokale Grünen-Politiker Michael Sautter zu bestätigten, der den Stadtwerken in Anwesenheit seines ministeriellen Parteifreundes attestierte, ein ehrgeiziges Ziel zu verfolgen: „Hut ab.“

Neben dem Freien Architekten Clemens Schmid, amtierender Vorsitzender des Runden Tisches Energie Heidenheim, hatte sich zu dem samstäglichen Austausch auch Wolfgang Sanwald eingefunden. Der Vorsitzende der Architektenkammergruppe Heidenheim, hob auf das energiesparende Bauen ab und regte als Mann der Praxis an, das Thema Energievermeidung zu favorisieren. Zudem plädierte er für den Ausbau einer fachlich fundierten Energieberatung, bei der Gebäude als individuelle Objekte betrachtet werden. Diese Auffassung teilte auch Landrat Reinhardt, der in der Altbau-Sanierung noch ein riesiges Potenzial an Energie-Einsparung sieht, dafür aber mehr steuerliche Anreize geboten sehen will.

Mit den meisten Anliegen rennt die Heidenheimer Basis bei Minister Untersteller offene Türen ein, der in Heidenheim noch einmal die Grundzüge seiner Energiepolitik skizzierte. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, setzt er darauf, konventionelle Ressourcen wie Atomkraft und Kohle durch den Aufbau neuer Energieerzeugung zu ersetzen – wobei weiteren Windkraft-Standorten in Baden-Württemberg eine besondere Bedeutung zukommt. Gleichzeitig sieht er gerade für das Industrieland Baden-Württemberg die Notwendigkeit, Offshore-Windkraftanlagen im Norden zu nutzen – was den Netzaufbau erforderlich macht.

„Wir brauchen beides,“ so Untersteller, dem auch die energetische Modernisierung von Gebäuden am Herzen liegt, wo er angesichts einer erst bei einem Prozent liegenden Sanierungsquote noch viel Luft nach oben sieht. Neue Impulse verspricht sich der Politiker in diesem Zusammenhang von der aktuellen Weiterentwicklung des Erneuerbare-Wärme-Gesetzes. Es betrifft Eigentümer bestehender Wohnbauten, die ihre Heizungsanlage austauschen, und soll künftig unter anderem auch für Nichtwohngebäude wie beispielsweise Büros oder Krankenhäuser gelten.