Heidenheim Treffpunkt Rewe: Was sagen die Jugendlichen zu den Vorwürfen

Heidenheim / Patrick Vetter 23.06.2018
Die Anwohner nennen es Lärmbelästigung, die Stadtverwaltung Vermüllung. Das sagen die Jugendlichen selbst:

Ständige Polizeipräsenz und gleich zwei wachsame Sicherheitsbeamte auf der anderen Straßenseite vor dem Eingang des Rewe-Centers: Sicherer könnte das Saufen nicht sein. Um die 200 Jugendliche von 14 bis 18 Jahren versammeln sich unter diesen Bedingungen jeden Freitag in der Innenstadt, um vorzuglühen, also billigen, harten Alkohol im Rewe zu kaufen und am Brenzufer für eine Grundlage zu sorgen, bevor sie weiterziehen in die Innenstadt und hauptsächlich in das Jacks. Alle fünf Minuten passiert sie dabei eine Streife, oder die Polizeibehörde stattet einen Besuch ab.

„Alle, die hier draußen stehen, gehen normalerweise weiter in das Jacks. Im Winter trinkt man hier ein bisschen und geht dann direkt weiter. Im Sommer kann es schon mal sein, dass viele auch länger vor dem Rewe stehen. Normalerweise gehen die meisten bis 10 Uhr aber wo anders hin.“

Das Problem an der Sache: Immer mehr Anwohner und Kunden des Rewe-Centers beschweren sich über die Situation. Über die Lautstärke und ein unsicheres Gefühl für Passanten. Die Jugendlichen selbst halten die Diskussion um ihre freitäglichen Treffen für übertrieben und zu groß geführt.

Die meisten verstehen nicht, weshalb sich Anwohner so sehr gestört fühlen. Und tatsächlich: Die Atmosphäre am Brenzufer ist entspannt. Wer sich mit den Jugendlichen unterhält stellt fest, sie kennen die Problematik und haben sich Gedanken zu dem Thema gemacht. Für die Schüler steht aber auch fest: „Irgendwo trinken wir sowieso.“ Beschwerden der Anwohner sind Ihnen egal. Dass es freitagabends zu laut sei, wollen sie nicht glauben: „Ab zehn Uhr wird es hier sowieso langsam leerer.“

„Ernsthafte Schlägereien gab es hier noch nie. Während ich hier war, musste auch noch nie der Krankenwagen kommen. Klar wird es immer wieder laut hier draußen, aber handgreiflich wurde es noch nie.“

Neben der Lautstärke ist auch der Müll ein Problem. Schon kurz nachdem die ersten Partyfreudigen mit ihren Alkoholflaschen aus dem Rewe kommen, sind die wenigen Müllbehälter überfüllt und der Platz drum herum wird als Mülleimer zweckentfremdet. Die trinkenden Verursacher versichern: „Wenn es die Möglichkeit gäbe, würden wir den Müll auch entsorgen.“ Die Möglichkeit der Müllentsorgung ist aber gegeben.

„Autorennen werden vor dem Rewe keine gefahren. Natürlich kommen immer wieder Leute vorbei die sich cool fühlen mit ihren Autos und dann extra langsam vorbeifahren oder den Motor aufheulen lassen, das ist aber das gleiche überall in der Innenstadt an einem Freitagabend. Die Leute fahren hier vorbei und drehen eine Runde durch die Stadt.“

Die Mülleimer sind zwar voll, doch an der Ecke, wo sich Newporter Straße und Ludwig-Lang-Straße treffen, steht ein Unterflurbehälter mit ausreichend Fassungsvermögen. Wieso dieser nicht wahrgenommen wird, bleibt unklar. Für die städtischen Betriebe bedeutet die Party am Brenzufer jeden Samstag- und Sonntagmorgen ein bis zwei Stunden Arbeit. Außerdem werden die Mülleimer immer vor Schichtende noch einmal entleert.

„Auch als Mädchen habe ich mich bisher immer sicher gefühlt. Mir hat noch niemand etwas getan. Ich kann es aber verstehen, wenn Leute sich unsicher fühlen. Wenn da betrunkene Jugendliche rumsitzen, weiß man ja nie, wie die drauf sind. Vor dem Rewe macht aber normalerweise niemand Probleme.“

Ein weiteres Problem ist, das die Feiernden hinter den Rewe oder teilweise in die Gärten auf der anderen Seite des Brenzufers urinieren. Eine andere Möglichkeit gibt es derzeit vor Ort nicht und soll laut dem Pressesprecher der Stadt Heidenheim, Wolfgang Heinecker, auch nicht geschaffen werden. Es handele sich um öffentlichen Straßenbereich, damit sei es nicht nötig Toiletten wie an den Busbahnhöfen oder der Skateanlage zu errichten.

„Wir können ja nicht neben jeder Bank eine Toilette aufstellen“, erklärt Heinecker. Die Möglichkeit gegen Wildpinkler vorzugehen, gebe es erst, wenn der Rewe Anzeige erstattet oder der Kommunale Ordnungsdienst einen auf frischer Tat ertappt.

„Wo es tatsächlich oft Ärger gibt, das ist vor dem Jacks. Dort gibt es immer wieder Streitereien. Hier passiert nichts, aber laut ist es manchmal schon. Zum Treff 9 wollen wir nicht gehen, da sind nur Asoziale unterwegs. Auch Drogen werden dort genommen und nicht vor dem Rewe.“

Die Besucher vor dem Rewe kennen sich - zumindest vom Sehen: „Es kommen jede Woche die gleichen Leute“, sagen sie. Viele von ihnen kommen nicht aus Heidenheim, sondern treffen am Abend aus Nachbarorten mit dem Bus ein. Ausweichen auf das Gelände des Treff 9, wo keine Anwohner gestört würden, sei laut der Jugendlichen keine Option. Dort fühlten auch sie sich unwohl. „Es ist ganz klar, dass sich die verschiedenen Cliquen gegeneinander abtrennen“, sagt Wolfgang Heinecker dazu. Auch die Jugendhäuser der Stadt kennen die Probleme am Rewe und Treff 9. Sie sehen neben dem Einsatz der Jugendarbeiter aber keinen weiteren Handlungsbedarf.

„Ich habe hier noch niemanden gesehen der Drogen nimmt. Die Leute kiffen hier nicht mal, weil alle fünf Minuten die Polizei vorbeifährt. Die Sicherheitsleute vor dem Rewe schauen die ganze Zeit zu und können auch die Polizei rufen. Da traut sich niemand Drogen zu nehmen oder sogar welche zu verkaufen.“

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