Nachruf Trauer um Siegfried Pommerenke

Siegfried Pommerenke.
Siegfried Pommerenke.
Heidenheim / erwin bachmann 22.04.2016
Ein schneidiger Mann, der so manchem Kontrahenten den Schneid abgekauft hat – und davon hatte Siegfried Pommerenke in seinem Leben als Gewerkschafter richtig viele.

Zuletzt war es sehr still geworden um diesen Heidenheimer, der laut und vernehmlich war in seiner öffentlichen Artikulation, der aber ein Mann der leisen Töne war, wenn es um ihn selber ging. Das Bundesverdienstkreuz hatte er dankend abgelehnt, wollte er lieber an eine Nachtschwester im Krankenhaus oder an einen Gießereiarbeiter bei Voith verliehen wissen, der seit 40 Jahren Schwerstarbeit leistet.

Jetzt, da Siegfried Pommerenke nach längerer Krankheit und zunächst unbemerkt von aller Öffentlichkeit verstorben ist, lebt die Erinnerung an Tugenden auf, die diese unvergessene Persönlichkeit zum Teil kompromisslos vorgelebt hat. Durchhaltevermögen und Durchsetzungsstärke prägten die Biografie des gelernten Möbelschreiners und Drehers, der noch aus eigener Erfahrung wusste, was ein Voithianer ist, weil er selbst 16 Jahre lang einer war – bevor er 1966 bei der Heidenheimer IG Metall die Gewerkschaftslaufbahn einschlug, die ihn 1987, in einer Zeit wachsender Arbeitslosigkeit, an die Spitze des DGB-Landesbezirks führte.

15 Jahre lang war er dort als Nachfolger von Lothar Zimmermann die Nummer eins in der baden-württembergischen Gewerkschaftsbewegung. In dieser Ära trat der Funktionär auf oberster Landesebene als engagierter Streiter für die Belange derer da unten auf, machte Front gegen den Radikalenerlaß, wandte sich gegen jede Form staatlich sanktionierten Duckmäusertums, stellte sich drohendem Sozialabbau entgegen, sorgte sich schon früh um die Zukunft der Rentenversicherung, stand in Tarifauseinandersetzungen in der ersten Reihe – und schaffte es trotz des großen Ganzen, auch dem kleinen Mann im persönlichen Gespräch zur Verfügung zu stehen.

Beharrlichkeit, die sich nie mit dem Starrsinn einließ, kennzeichnete auch den politischen Weg Pommerenkes. Der führte den in der Sozialdemokratie seines Heimatkreises verankerten Stadt- und Kreisrat im Jahre 1977 als Nachfolger von Günter Moser in den Stuttgarter Landtag. Dort stand der bekannte Sohn Heidenheims bis 1982 gleichfalls zuvorderst für die Interessen von Arbeitnehmern, wobei auch schon mal systemkritische Töne zu hören waren, was sein breites Vertrauenskapital in allen Schichten der Bevölkerung nicht schmälern konnte. Dass er mit offenem Visier zu kämpfen pflegte, eine klare Sprache liebte, pointiert argumentierte und nicht gefährdet war, politische Verantwortung mit Opportunismus zu verwechseln – das wurde geschätzt und anerkannt.

Siegfried Pommerenke: eine streitbare Natur, unbestritten kantig, unumstritten geradlinig.

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