Heidenheim / Karin Fuchs  Uhr
Die Übernachtungszahlen sind in Heidenheim um mehr als zwölf Prozent eingebrochen. Das liegt nicht am plötzlichen Desinteresse von Touristen, sondern an der Schließung der Jugendherberge und eines Hotels.

Der Rückgang war absehbar. Denn im Jahr 2018 hat Heidenheim insgesamt rund 140 Übernachtungsbetten im Vergleich zum Vorjahr verloren, allein 120 durch die Schließung der Jugendherberge in der Weststadt. Zudem schloss auch das Hotel Bäuchle in der Oststadt.

Deshalb war Heidenheims Touristik-Chefin Bettina Kruse nicht überrascht vom Minus in der Übernachtungsstatistik. Laut Erhebung des Statistischen Landesamts wurden im Jahr 2018 in Heidenheim 105 778 Übernachtungen gezählt, das waren nahezu 15 000 weniger als noch im Jahr zuvor. „Die 140 Betten haben einfach gefehlt und konnten so nicht ersetzt werden“, sagt Kruse. 711 Betten blieben laut Statistik bestehen.

Zurück zum Jahr 2009

Damit ist die Bettenzahl wieder auf den Stand von 2009 zurückgefallen. Damals hatte in Heidenheim nach der Eröffnung des Schlosshotels gerade die große Aufholjagd in Sachen Übernachtungen begonnen. Kruse erinnert sich an die anfängliche Skepsis der anderen Übernachtungsbetriebe, die durch die Eröffnung des Schlosshotels im September 2009 Verluste erwarteten.

Doch das Gegenteil sei eingetroffen, so Kruse. „Auch die anderen Häuser haben profitiert.“ Kruse lobt dabei, dass viele Geld in die Hand genommen haben. „Der Bau des Congress-Centrums hat einen regelrechten Renovierungsboom ausgelöst.“

Schallmauer von 120 000 durchbrochen

Zwar gab es in den Jahren danach immer wieder kleinere Dellen bei den Überachtungszahlen, die meist wirtschaftlich bedingt gewesen seien, sagt die Touristikerin. Die Rekordmarke wurde dann im Jahr 2017 erreicht, als erstmals die Schwelle von 120 000 Übernachtungen überschritten wurde.

Die Wochenend-Ausflügler zieht es aufs Land

Eines ist aber klar: Dnr Großteil der Übernachtungsgäste bringt die Wirtschaft in die Stadt. Kruse spricht von 85 Prozent Geschäftsreisenden. Anders sehe das im Landkreis aus. Das liege daran, dass die Wochenende-Touristen, die zum Wandern oder Radfahren kämen, lieber aufs Land gingen.

Was tun, um den Einbruch zu kompensieren?

„Im Niedrigpreissegment der Jugendherberge ist kein Ersatz in Sicht“, sagt Kruse. Sie hofft jedoch, dass sich durch private Anbieter in Heidenheim das Angebot für Ferienwohnungen verbessert. Denn die Nachfrage gebe es, was man in den Landkreisgemeinden beobachten könne. Private Eigentümer in Heidenheim vermieteten aber oftmals lieber längerfristig an Studenten oder Pendler.

Wie bekommt man die Hotels am Wochenende voll?

Da also keine neuen Übernachtungsbetriebe in Sicht sind, versucht Kruse, an anderen Stellschrauben zu drehen. Nämlich an der Auslastung von Donnerstag bis Sonntag, wenn die Geschäftskunden fehlen.

Augenmerk hat sie auf den sogenannten Stopover-Verkehr gelegt. Das heißt, die Touristen, die aus Norddeutschland, den Benelux-Ländern oder aus Skandinavien auf dem Weg in den Süden sind und einen Stopp brauchen. Kontakt aufgebaut hat Kruse zu Busreise-Anbietern. „Wenn sie in Heidenheim absteigen, dann haben die Kunden Urlaub schon auf der Anreise“, versucht Kruse zu überzeugen. Interessant ist für sie auch der Schweizer Reisemarkt. Nicht nur für den versucht sie Wochenend-Arrangements zu schnüren. Ihre Prognose: „Die touristische Nachfrage in Heidenheim wird weiter wachsen.“ Und damit einhergehen werden auch wieder steigende Übernachtungszahlen.

Das 120-Betten-Haus in der Weststadt ist und bleibt für immer Geschichte. Jetzt wird ausgeräumt: auch auf der Buchungs-Plattform des Jugendherbergswerks.

Nicole Liebenow ist die Neue

Bettina Kruse war 20 Jahre lang die Tourismusbeauftragte der Stadt Heidenheim und verabschiedet sich nach einer Übergangszeit im Juli in den Ruhestand. Ihre Nachfolge ist bereits geregelt.

Nicole Liebenow ist ab 1. Juli ihre Nachfolgerin. Die gebürtige Friedrichshafenerin arbeitete im Tourismusbereich in einer Stadt in der Nähe von Heidelberg.

Vor 13 Jahren zog sie aus familiären Gründen nach Heidenheim, wo sie immer auch den Tourismus beobachtet hat. Zuletzt arbeitet sie bei den Stadtwerken. kf