Heidenheim Tausende beim Schlossberg-Erlebnistag und Diakoniefest

Heidenheim / Karin Fuchs 18.06.2018
Wohin soll man an einem Sonntag wie gestern zuerst gehen? Zur Pauluskirche, wo bei der Diakonie spannende gesellschaftliche Fragen diskutiert werden? Oder auf den Schlossberg zum Erlebnistag?

Es sind diese Wochenenden vor den Sommerferien, die immer mehr bieten, als man überhaupt erfassen kann. So wie jetzt, als nach diversen Feiern am Samstag die Drehzahl am Sonntag noch erhöht wurde. Rings um die Pauluskirche kamen hunderte von Menschen zur Eröffnungsveranstaltung der landesweiten Wochen der Diakonie. Mag man Oberkirchenrat Dieter Kaufmann und Prälatin Gabriele Wulz glauben, die als Gastredner gekommen waren, dann schlägt die Resonanz in Heidenheim die in anderen Städten.

Großer Andrang am Schlossberg

Noch mehr Menschen drängten sich eine Etage höher beim Schlossberg-Erlebnistag. Dort war kaum zu bewältigen, alles Angebotene zu sehen, geschweige denn überall mitzumachen. Angefangen beim Schloss Hellenstein, wo die Fahne der Opernfestspiele zum Blick hinter die Kulissen von „Nabucco“ einlud. Weiter ging es im benachbarten Naturtheater, in den Museen, im Schlosshotel und im Congress Centrum sowie in der Greifvogelstation. Einen Schwerpunkt bildete der sportliche Schlossberg. Angefangen vom Schnupper-Tennistraining bis hin zum Testen von Hockey und Baseball wurde es dann ernst beim Bundesligaspiel.

Fast wie an einem FCH-Spieltag

An Voith-Arena hätte man auf den ersten Blick meinen können, es sei Spieltag. Doch der Parkplatz ähnelte einem Rummelplatz. Viele der Besucher drängten sich zum Karten- und Trickotverkauf oder besichtigten das Stadion. Und nicht zuletzt kamen viele Familien, um beim Paule-Talenttag mit ihrem Fußballnachwuchs vorstellig zu werden.

Schlagabtausch über Wohnungsnot

Mindestens so viel positive Stimmung wie oben herrschte unten in der Stadt rund um die Pauluskirche. Neben all der Unterhaltung ging es durchaus um ganz ernste Dinge des Lebens, wenn über das Motto „Platz da: Raum für Gutes“ diskutiert wurde.

Nach dem Eröffnungsgottesdienst hatten Zinzendorf-Pfarrerin Eva-Maria Busch und Oberbürgermeister Bernhard Ilg eine geteilte Sicht auf die Wohnungssituation. Busch sagte, bei ihrem Gang durch die Oststadt könne sie durchaus Dinge erkennen, die zu verbessern wären. Explizit sprach sie Vonovia-Mietwohnungen an. „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum, damit junge Familien gut leben können.“

Diakonie-Landeschef Dieter Kaufmann bekräftigte, dass soziale Mietwohnungen fehlten und verwies auf die Großstädte.

Oberbürgermeister Bernhard Ilg hielt dagegen: „Wohnungsnot gibt es bei uns nicht.“ Er verwies auf die 400 neuen Wohnungen auf dem Ploucquet-Areal und auf das Baugebiet an der ehemaligen Waldkirche, wo 20 bis 25 Prozent der Wohnungen im sozialen Wohnungsbau entstehen sollen.

Ausstellung der Konfirmanden

Aufgezeigt wurde tatsächlich viel Gutes, sei es durch die Arbeit bei der Eva, in der Sozialstation, im Cafe Samocca, in der der Evangelischen Fachschule oder der Nikolauspflege. Aber auch durch Konfirmanden, die in einer Fotoausstellung Gesichter der Armut zeigen.

Spitzer: „Ja, Armut macht dumm“

Der Ulmer Hirnforscher Dr. Manfred Spitzer war Hauptredner beim Diakoniefest. Er verwies auf Studien, laut denen sich Armut auf die Hirnleistung auswirkt. „Es ist wichtig, dass wir das ernst nehmen. Denn Armut können wir uns nicht leisten.“

Diakonie-Landeschef Dieter Kaufmann war dankbar für Spitzers klare Worte. Denn damit sei es mit der Stigmatisierung armer Menschen vorbei und dem Vorwurf, sie seien selbst Schuld an der Armut.

Für SPD-Landtagsabgordneten Andreas Stoch bestätigt Spitzers Forschung ganz klar den Wert der frühkindlichen Bildung. Angesichts dessen, wie wichtig die ersten 1000 Tage im Leben eines Menschen seien, sei es verkehrt, dass diejenigen, nämlich die Erziehierinnen, am wenigsten verdienten. Sie bräuchten mehr Aufmerksamkeit, dass in der Kinderbetreuung Bildungsarbeit gemacht werde. Denn diese könne die Nachteile von Armut ausgleichen.

Spitzer verwies auf seine bereits oft formuliert Forderung, Kinder bräuchten nicht noch mehr Medien, sondern mehr Ansprache.

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