Heidenheim / Manuela Wolf Mieten, wohnen, kaufen: Willi Bahmann und Ehefrau Lore haben sich für den Ruhestand in den Fürsamen ein Eigenheim nach ihren Vorstellungen bauen lassen.

Manchmal macht der Zufall Lebensträume zunichte. Über viele Jahre hinweg hatte Willi Bahmann bei Spaziergängen durch Neubaugebiete Ideen fürs Eigenheim gesammelt. Und dann, 1981, wurde plötzlich das Traumhaus seiner Frau Lore in Mergelstetter Hanglage zum Verkauf angeboten. Der Liebe wegen verzichtete der gelernte Techniker damals aufs Bauen. Er kaufte die Immobilie und machte es sich dort mit seiner Familie gemütlich.

Doch der Wunsch, selbst einmal Bauherr zu sein, ließ ihn einfach nicht los. Er erkundigte sich im Heidenheimer Rathaus nach ebenerdigen Grundstücken und ließ sich auf die Warteliste für den Fürsamen setzen, verhandelte parallel mit Besitzern anderer Bauplätze, informierte sich über Bauträger und spazierte vorbei an Baustellen in der näheren Umgebung.

Der Zufall lenkt das Leben in neue Bahnen

Manchmal macht der Zufall Lebensträume erst möglich. Es war im Jahr 2015. Willi Bahmann fing sich eine schwere Lungenentzündung ein. Drei Wochen Krankenhaus. Reha. Zeit zum Nachdenken.

„Ich habe mich gefragt, warum sich nie jemand vom Rathaus gemeldet hatte wegen einem Bauplatz in den Seewiesen. Meine Anfrage war neun Jahre her. Ich schrieb einen Brief und bekam prompt Antwort. Zwei Grundstücke standen zur Auswahl.“ Von da an ging alles ruckzuck. Der Plan im Kopf wurde zu Papier gebracht. Auf Empfehlung eines Bekannten wurde ein Bauträger aus Eselsburg beauftragt. Spatenstich im November 2015, reibungsloser Bau, Einzug ein knappes Jahr später.

Die Wunschliste der beiden Senioren kam ohne viel „Schnickschnack“ aus: Bodenplatte statt Keller, 160 Quadratmeter Wohnfläche auf zwei Etagen, barrierefrei, Fußbodenheizung, bodentiefe Fenster. Das Herzstück des 549 Quadratmeter großen Grundstücks ist die Terrasse. An sonnigen Tagen genießt Willi Bahmann die Nähe zur Natur und freut sich am Leben ringsum.

Die Kläranlage stinkt höchstens einmal im Jah

Den Standort Fürsamen finden Willi Bahmann und seine Frau super, auch wenn er nicht allererste Wahl gewesen ist. Kein Durchgangsverkehr. Mehrere Supermärkte und die Innenstadt sind zu Fuß erreichbar. Für den nahen Brenzpark besitzen sie eine Jahreskarte. Der Anschluss ans Radwegenetz könnte besser nicht sein.

Trotz Brenznähe gab es, anders als bei einigen Nachbarn, die mit Keller gebaut haben, noch nie Probleme mit Feuchtigkeit im Gebäude. Auch die befürchtete Schnakenplage blieb aus. Die Kläranlage sei ebenfalls kein Problem, denn die „stinke“ höchstens einmal im Jahr und damit lasse es sich doch gut leben.

„Ich habe Mergelstetten noch keinen einzigen Tag vermisst“, sagt der 63-Jährige. „Wir fühlen uns zwischen Brenz auf der einen und Brenzbahn auf der anderen Seite sehr wohl. Es ist alles genauso geworden, wie wir es haben wollten.“

Möglicherweise hängt das mit den regelmäßigen Baustellenbesuchen des ehemaligen Voith-Mitarbeiters zusammen. „Handwerker lassen sich zwar nicht so gerne bei der Arbeit über die Schulter schauen und ich bin auch nicht vom Fach. Aber im persönlichen Gespräch vor Ort lassen sich manche Dinge unkompliziert klären. Das erspart aufwändige Nacharbeiten hinterher.“ Im Nachhinein würden die Besitzer des Eigenheims am Wilhelm-Leuschner-Weg nur eine Sache ändern: Die mögliche Breite der Garage wurde nicht voll ausgenutzt. So gibt es nun keine Zugangstüre von der Seite her. Aber auch damit lässt es sich gut leben.

Wunsch nach ausreichend Platz

Ein Haus mit Garten macht viel Arbeit und kostet im Unterhalt Geld. Viele ältere Menschen ziehen deshalb in eine Eigentums- oder Mietwohnung, damit sie sich nicht mehr um alles selbst kümmern müssen.

Für die Bahmanns kam das nicht in Frage. Eisenbahn-Fan Willi Bahmann stammt gebürtig aus Dunstelkingen. Er ist auf einem Bauernhof groß geworden, wo es reichlich Platz gab für jeden einzelnen. „Den Platz brauche ich auch heute noch. In einer kleinen Wohnung würde ich über kurz oder lang sterben“, sagt der Rentner. Auch vermieten kommt nicht in Frage, obwohl sich das anbieten würde bei der oberen Etage. Aber erstens ist das Ehepaar lieber für sich und zweitens wurde die Finanzierung ohne Miteinnahmen berechnet. Mit dem Verkauf des Hauses in Mergelstetten, dessen Wert sich innerhalb von 35 Jahren verdoppelt hatte, waren die Kosten für das Haus im Fürsamen Großteils abgedeckt.

Fürs Alter ist vieles vorbereitet

Willi Bahmann macht sich ums Wohnen im Alter keine Sorgen. Alle Vorbereitungen wurden getroffen, beispielsweise ist die Terrasse barrierefrei zu erreichen und die beiden Wohnzimmer lassen Raum für nachträglich eingezogene Trockenwände, hinter denen Pflegebetten aufgestellt werden könnten.

„Im Moment freuen wir uns einfach an unserem Eigenheim. Manchmal schaut Lore unten fern und ich bin oben in meinem Büro, dann wieder sitzen wir draußen auf der Terrasse. Wir haben Platz, wir haben unsere Ruhe, und ich denke oft, wie schön das doch alles geworden ist.“