Warnstreik Tarifstreit: Die Metaller proben in 14 Firmen den Ausstand

Erwin Bachmann 11.01.2018
2500 Beschäftigte waren am Mittwoch im ganzen Landkreis zum Warnstreik aufgerufen worden.

Die Tarifverhandlungen in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie sind festgefahren. Landesweite Warnstreiks sollen für Bewegung sorgen. Im Kreis Heidenheim waren 2500 Beschäftigte in 14 zumeist größeren Betrieben aufgerufen, die Arbeit mindestens eine Stunde lang Arbeit sein zu lassen und früher als sonst nach Hause zu gehen.

Das hieß für die Organisatoren, ausgeschlafen zu sein: Der Erste Bevollmächtigte Ralf Willeck gehörte zusammen mit anderen Funktionären und Vertrauensleuten mit zu jenen Frühaufstehern, die teils schon um 4.30 Uhr vor den Werkstoren einiger Unternehmen standen, um Streikaufrufe zu verteilen und die Belegschaft zum Mitmachen zu motivieren.

Hoher Mobilisierungsgrad

Willecks Eindruck zufolge scheint dies denn auch gelungen zu sein. Er sprach gestern unserer Zeitung gegenüber von einem hohen Mobilisierungsgrad und geht davon aus, dass die Frühschluss-Aktionen auf breite Resonanz gestoßen sind und die meisten der aufgerufenen Metaller tatsächlich mindestens eine Stunde früher Schluss gemacht und ausgestempelt zu haben, um ihrer Forderung nach sechs Prozent mehr Lohn und Wahloption bei der Arbeitszeit Nachdruck zu verleihen.

„Die Stimmung in den Belegschaften ist gut, und bei den Arbeitgebern steigt die Nervosität,“ so der Gewerkschaftsfunktionär. Als Indiz für diese Feststellung nimmt er vereinzelte Meldungen von Betriebsräten, die sich nach eigenem Bekunden von Unternehmensseite aufgefordert sahen, auf die IG Metall einzuwirken, um von den Warnstreiken ausgenommen zu werden. Nach Kenntnis Willecks handelt es sich dabei um Betriebe mit rappelvollen Auftragsbüchern: „Und da tut jede Stunde weh, in der nicht gearbeitet wird.“

Ralf Willeck in Böblingen

Und weh tun soll denn auch, was die Gewerkschaft gestern inszeniert hat – und vielleicht noch schmerzhafter wird. Für den Fall, dass die Arbeitgeber bei der heute in Böblingen stattfindenden dritten Verhandlungsrunde im Pilot-Tarifbereich Baden-Württemberg bei ihrem strikten Nein bleiben sollten, hat die IGM bereits angekündigt, die bislang kurzzeitigen Arbeitsniederlegungen auszuweiten. Und einen Eindruck davon, wie's in Böblingen läuft, kann sich Ralf Willeck direkt vor Ort verschaffen. Der Heidenheimer Metaller-Boss ist Mitglied der mit rund 30 Funktionären, Vertrauensleuten und Betriebsräten besetzten Hintergrundkommission, die die den Arbeitgebern gegenübersitzende Verhandlungskommission während der laufenden Verhandlungen unterstützt.