Heidenheim Tango mit „Rammstein“

Barpianist mit Hang zu Heavy Metal: Walter Heinle.
Barpianist mit Hang zu Heavy Metal: Walter Heinle. © Foto: Jens Eber
Heidenheim / Jens Eber 09.06.2018
Walter Heinle macht als Barpianist aus Hardrock-Hits und Heavy-Metal-Nummern ganz anders zu hörende Unterhaltungsmusik – und ist damit erfolgreich.

Die Geschichte könnte so beginnen: Jemand sitzt in einer Bar, bei einer Hochzeit oder bei einer Firmenfeier, im Hintergrund sitzt ein junger Mann am Klavier. Ein rhythmisch strenger Tango ist zu hören, der in eine fast liebliche und merkwürdig vertraute Melodie mündet, danach ein beschwingter Boogie Woogie, den man unwillkürlich mitsummen kann. Verwirrend.

Oder sie beginnt so: Ein junger Mann hat die Idee, seine Leidenschaft für Hardrock und Heavy Metal mit seiner langjährigen Jazz-, Pop- und Rock-Ausbildung zu kombinieren und Metal-Klassiker fürs Klavier neu zu arrangieren. So wird dann aus dem streng-stampfenden „Du hast“ von „Rammstein“ ein bezwingender Tango und aus „Paranoid“ von „Black Sabbath“ wird Boogie Woogie.

Künstlername George Wood

In jedem Fall steckt Walter Heinle dahinter, unter seinem Künstlernamen George Wood. Heinle ist ausgebildeter Musiker, darf sich „staatlich geprüfter Ensembleleiter im Fachbereich Rock/Pop/Jazz mit pädagogischer Zusatzprüfung“ nennen, unterrichtet Klavier, Keyboard, Gitarre und E-Bass in Neu-Ulm, gibt in Heidenheim Privatunterricht, leitet in Mergelstetten den Liederkranz, sorgt seit vielen Jahren bei „Tell Ya Later“ für die tiefen Töne und war von 2011 bis 2014 mit „Guns of Moropolis“ praktisch bundesweit auf Tour.

Und mit seinen Anfang Dreißig wird er oft auch als Barpianist gebucht. „Das macht sehr viel Spaß, oft kommen mir nebenbei ganz neue Ideen, die ich zu Hause ausarbeite“, so Heinle. Das jüngste Projekt „Heavy Metal Barpiano“ entstand ebenso spontan: Sein Bandkollege Steffen Hellmann lud ihn als Pianist zu seiner Hochzeit und wünschte sich einige verjazzte Metal-Songs. Der Erfolg war durchschlagend. Mittlerweile hat Heinle rund 50 Songs umarrangiert – teils sehr deutlich: Mit einem Song von „System Of A Down“, die für ungeübte Ohren durchaus verstörend sein können, habe er bei einer Feier Szenenapplaus älterer Damen erhalten. „Ich wähle genau die Songs aus, die man auf dem Klavier nicht erwarten würde“, erzählt der Familienvater. Natürlich hat er auch „Smoke on the Water“ oder „T.N.T.“ im Repertoire, spannender findet er aber, das rhythmisch komplexe „Black Dog“ von „Led Zeppelin“ oder „Self Esteem“ von „The Offspring“ aus den Neunzigern fürs Barpiano umzusetzen.

„Im Rock und Metal kommt Klavier eigentlich nur in Balladen vor, ich will aber nicht nur Balladen spielen“, sagt Heinle lachend. Also nimmt er sich auch so brachiale Gitarrenstücke wie „Killing in the Name of“ von „Rage Against the Machine“ vor, seziert sie, haucht ihnen neuen Groove und im Zweifel auch einige neue Noten ein. „Es ist mir wichtig, einen eigenen Stil reinzubringen“, sagt Heinle, der seit 2012 Berufsmusiker ist und aus einer musikalischen Familie stammt: sein Großvater Lothar Eckle galt als erster Jazzpianist Heidenheims, seine Mutter Doris Eckle-Heinle hat sich einen Namen als Chorleiterin gemacht.

Mit dieser eigenen Note verleiht Heinle auch vermeintlich „abgespielten“ Songs neuen Charme: „Breaking the Law“ von „Judas Priest“ gewinnt mit einem Latin-Jazz-Einschub ungeahnten Groove, „Schrei nach Liebe“ von den „Ärzten“ verwandelt er zum Bossa Nova. Wer ein wenig bei Youtube sucht, wird zahllose Videos finden, in denen Menschen Lieder in ungewöhnlicher Instrumentierung spielen, im Zweifel auch Metal-Songs auf der Mundharmonika.

Heinle legt freilich Wert darauf, dass sein Programm kein bloßer Gag ist. Vielmehr ist es für die Mehrzahl der Hörer angenehm zu hörende Unterhaltungsmusik – und für metalaffine Gäste hat es den Zauber, dass sie ihren Lieblingskrach ganz neu kennenlernen. Mehrere Songs, zuletzt „Amaranth“ von „Nightwish“, hat er auf seinem Youtube-Kanal veröffentlicht.

Bislang hat Heinle sein „Heavy Metal Barpiano“ vor allem in geschlossenen Gesellschaften gespielt, gute Reaktionen gab es unlängst aber auch bei einem öffentlichen Auftritt in Schwäbisch Gmünd. Die Macher des „Ulmer Zelts“ haben ihn für Sonntag, 1. Juli, ab 11 Uhr zur Matinee eingeladen. Dort will er auch wieder stilecht auftreten: Unter dem für Barpianisten obligatorischen Schwarzen Anzug will Heinle ein zünftiges Metal-Shirt samt Nietengürtel tragen.

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