Heidenheim / Klaus Dammann Willem Dafoe brilliert in „Van Gogh“ als das einst verkannte Malergenie.

„Ich möchte einfach nur dazugehören.“ Aus dem Off spricht Willem Dafoe diese Worte eingangs des fesselnden Künstler- und Kunst-Films „Van Gogh – an der Schwelle zur Ewigkeit“. Regisseur Julian Schnabel, selbst Künstler und Maler, hat just dieses Statement in seinem Porträt über die letzten Jahre des neben Michelangelo vielleicht berühmtesten bildenden Künstlers eingefangen. Seine Interpretation der Zeit Vincent van Goghs in Arles zeigt den holländischen Maler als einsamen, ausgestoßenen Menschen, der zu Lebzeiten mit seinen Werken von der Öffentlichkeit nicht anerkannt wird und so den Einklang mit der Natur sucht und findet.

Oft übernimmt eine subjektive Kameraführung den Blick Vincents auf die Welt, der sich von dem seiner Zeitgenossen so radikal unterscheidet. Geradezu besessen ist er von dem Verlangen, die Vielfalt des Lichts in den Landschaften der Provence auf die Leinwand zu bannen. Unruhige Handkamera macht die Rastlosigkeit des Künstlers bisweilen fast schwindelerregend sichtbar.

Große, poetische und gemäldehafte Bildinszenierungen ebenso wie starke Nahaufnahmen prägen die visuelle Gestaltung, die sich deutlich erkennbar von Vincents Bildern beeinflusst zeigt. Unschwer zu identifizieren sind viele der Personen, die der Maler in seinen Porträts verewigte. So beobachtet Schnabel seinen Van Gogh häufig bei der künstlerischen Arbeit, lässt Musik als akustischem Begleiter den Vorrang. Nicht immer in ihrer Motivation verständlich ist in der französisch-amerikanischen Coproduktion die gelegentliche Beibehaltung der französischen Sprache (dann deutsch untertitelt).

In erster Linie ist dieser neue Van-Gogh-Film aber eine überragende One-Man-Show von Willem Dafoe, der sich seine Oscarnominierung für die Rolle wohl verdient hat und schon aufgrund beachtlicher physiognomischer Ähnlichkeit an den Vincent einiger der berühmten Selbstbildnisse erinnert. Gegenüber der bekannten Verkörperung des holländischen Künstlers durch Kirk Douglas mit seiner etwas übertriebenen Leidenschaftlichkeit in den Fünfzigerjahren weiß man die Zurückhaltung bei Dafoe zu schätzen. Weniger intensiv ist das grandiose Porträt deshalb aber keineswegs.

Kino-Center, ab 6

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