Heidenheim Ausstellung: Mischung aus Malerei, Lithographie und Installation

Otto Hess, Rainer Jooß und Walter Häfner (von links) stellen ab Samstag im Türmle aus. Die Vernissage ist um 17 Uhr.
Otto Hess, Rainer Jooß und Walter Häfner (von links) stellen ab Samstag im Türmle aus. Die Vernissage ist um 17 Uhr. © Foto: Christian Thumm
Heidenheim / Joelle Reimer 17.01.2019
Am Samstag um 17 Uhr findet im Türmle die Vernissage zur Ausstellung „In Stein, Farbe und mit Biss“ statt. Drei Mitglieder des Vereins zeigen Malerei, Lithographie und eine Installation.

Kunstwerke im Heidenheimer Türmle – ein gewohntes Bild. Pressevertreter mit Stift und Block bei einem Pressegespräch – auch nicht ungewöhnlich. Nicht oft aber kommt es vor, dass bei letzterem noch andere Personen mitschreiben. „Darf ich vorstellen? Unser Philosoph“, sagt Rainer Jooß und deutet auf den Mann, der sich dezent im Hintergrund hält, während die drei Künstler der kommenden Ausstellung ihre Werke erläutern.

Der Philosoph, das ist Dr. Thomas Fritz aus Heidenheim. Die kommende Ausstellung, das ist eine Mischung aus Malerei, Lithographie und Installation, die am Samstag um 17 Uhr eröffnet wird. Unter dem Titel „In Stein, Farbe und mit Biss“ – und mit einer Einführungsrede des Philosophen. „Oft hat man ja als Vorredner bei einer Vernissage eine lokal bekannte Persönlichkeit oder einen Künstler. Wir wollten das anders machen – und deshalb spricht Dr. Fritz, der einen philosophischen Zugang zur Kunst sucht“, erklärt Jooß, der genau wie Otto Hess und Walter Häfner Mitglied des Beirats des Kunstvereins Heidenheim ist und mit den beiden gemeinsam die Ausstellung bestreitet.

Gelber Sack als Skulptur

Drei Künstler, drei Stockwerke, drei Schlagwörter – Jooß hat sich ganz oben eingerichtet und ist für den „Biss“ zuständig. „Ich mache gerne Dinge, die anecken, wachrütteln oder im politischen Zusammenhang stehen“, sagt er mit Blick auf das große, in rosafarbenem Licht erstrahlende Netz, das die Installation dahinter vom Besucher abtrennt: Ein Vogelkäfig, der von Schraubzwingen gehalten wird; eine Kindernähmaschine, die goldenen Draht verarbeitet und einzelne Hände, die an all dem irgendwie beteiligt zu sein scheinen.

Davor, auf einer Art Säule außerhalb des Netzes, das Bild von süßen, kleinen, gehäkelten Schweinen – zusammengepfercht auf engstem Raum und mit einem Spiegel auf der Rückseite versehen, in dem der Besucher sich selbst erblickt, womit der Massentierhaltung sozusagen der Spiegel vorgehalten wird. Auf der anderen Seite ein gelber Sack in Miniaturform, aufgestellt auf einem Podest. „Es geht darum, wie wir mit Ressourcen umgehen. All das soll ein Szenario sein, wie man in hunderten von Jahren auf das Müllproblem zurückblickt. Ich habe den Raum transformiert in eine Antwort, die aus der Zukunft zurückschaut auf die Gegenwart“, so Jooß. Nun kann natürlich die Frage gestellt werden, inwiefern das Aufstellen eines gelben Sacks Kunst sein soll – eine Frage der Denkweise, meint Jooß. „Müll ist, was bleibt. Solange wir Müll denken. Für mich ist das eindeutig eine Skulptur.“

Langwierige Stein-Kunst

Eine Etage weiter unten hat sich Walter Häfner ausgetobt; in Form von Steinen, im weitesten Sinne. Motivisch auf Köpfe und Gesichter spezialisiert, zeigt er vor allem seine Lithographien – ein Flachdruckverfahren mittels Steinzeichnung. „Sonst habe ich immer mal wieder Einzelbilder ausgestellt, jetzt zeige ich die Lithographien zum ersten Mal als Serie“, sagt er. Seit über 20 Jahren arbeite er daran, was vor allem den technischen Voraussetzungen und örtlichen Gegebenheiten geschuldet sei: „Ich kann die Werkstatt für Lithographie im Werkgymnasium nutzen, aber eben nur an einem Abend pro Woche“, sagt Häfner, der auch an der Volkshochschule Lithographie- und Aquarellkurse gibt. So braucht er bis zu neun Abende – also neun Wochen – bis ein Bild fertiggestellt ist. „Und dann ist da natürlich noch das Risiko, dass es nach wochenlang Vorbereitung einen Fehldruck gibt“, sagt er. Im Gegensatz dazu zeigt Häfner in der anstehenden Ausstellung auch Aquarelle; spontan, schnell gezeichnet, manche auch auseinandergeschnitten oder -gerissen und neu kombiniert.

Ein weiteres Stockwerk nach unten gelaufen, wird plötzlich alles gelb. Zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten und dritten zeigen sich die feinen, aber entscheidenden Unterschiede, die die Malerei von Otto Hess auszeichnet: hier ein kleines, rotes Quadrat – „ich mag Minimalismus“ –, dort ein angedeuteter Horizont und im Mittelpunkt des Blickfeldes das größte Werk, das zwar einerseits „nur“ gelb ist, sich andererseits gerade durch die feinen Nuancen auszeichnet. „Ich habe ein Konzept, aber jedes Bild entwickelt bei seiner Entstehung auch ein Eigenleben“, sagt Hess, der bevorzugt mit Acryl, Öl, Stiften und Pigmenten arbeitet. „Und mit Kohle. Das gibt tolle Effekte, eine unglaubliche Tiefe.“ Er lasse sich zwar von konkreter Kunst beeinflussen, erklärt Hess, letztlich sollen jedoch seine Bilder nichts anderes sein als das, was man darauf sieht – „ich will nichts nachbilden, nichts nacherzählen, sondern neu erschaffen.“

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