Arbeit Streikwelle erfasst erneut Edelmann

Wieder im Streiklokal: Beschäftigte der Firma Edelmann tragen sich in die von Gewerkschaftssekretär Hans-Joachim Beyer geführten Streiklisten ein.
Wieder im Streiklokal: Beschäftigte der Firma Edelmann tragen sich in die von Gewerkschaftssekretär Hans-Joachim Beyer geführten Streiklisten ein. © Foto: Rudi Weber
Heidenheim / erwin bachmann 01.10.2014
Im Zuge des sich zuspitzenden Tarifstreits ist die Firma Edelmann in Heidenheim jetzt erneut von der Warnstreikwelle erfasst worden. Über 300 Beschäftigte legten zeitweise die Arbeit nieder, was wieder Produktionsausfälle nach sich zog.

Dass das Stammwerk der international operierenden Verpackungsgruppe nur zwei Wochen nach dem ersten Warnstreik ein weiteres Mal zum Schauplatz eines Arbeitskampfes wurde, hat zum einen mit dem hohen Organisationsgrad, zum anderen aber auch mit der besonderen Motivation der Belegschaft zu tun. Die speist sich nach Einschätzung des Betriebsratsvorsitzenden nicht zuletzt aus einer Mischung von Verunsicherung und Verärgerung, die er durch die aktuelle Unternehmenspolitik hervorgerufen sieht. „Viele machen sich Gedanken über ihre Arbeitsplätze,“ so Hans Schneiderhan, der in diesem Zusammenhang auf Produktionsverlagerungen ins Ausland verweist und die wachsende Arbeitsbelastung infolge Nichtersetzung der Fluktuation anführt – wobei er Edelmann in keiner Sonderrolle sieht, „das ist eigentlich fast überall so“.

Aus Sicht des Unternehmens hat der neuerliche Warnstreik nichts mit Edelmann-spezifischen Ursachen, sondern allein mit dem bundesweit geführten Tarifstreit um Lohn– und Gehaltserhöhungen zu tun. „Hier kämpft Verdi gegen den Arbeitgeber-Verband,“ urteilte gestern Marketing-Leiter Oliver Eschbaumer, der sich durch den breit angelegten und bundesweit Kreise ziehenden Arbeitskampf bestätigt sieht. Tatsächlich waren gestern neben Edelmann auch andere Großbetriebe der Verpackungs- und Papierverarbeitungs-Branche – darunter Mitbewerber – von der Streikaktion betroffen, deren baden-württembergischen Schwerpunkte neben Heidenheim in Ulm, Heilbronn und Mannheim lagen. In ganz Deutschland waren seit Anfang der Woche die Belegschaften von rund 50 Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitenden Betrieben zu befristeten Streiks aufgerufen worden.

Im Heidenheimer Faltschachtel-Werk haben sich nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Tag der dritten Verhandlungsrunde insgesamt mehr als 300 Beschäftigte an dem Warnstreik beteiligt. Anders als noch vor zwei Wochen, als die Räder ganztägig still standen, waren die Nadelstiche über den ganzen Arbeitstag verteilt.

Den Auftakt machte laut Gewerkschaftssekretär Hans-Joachim Beyer die Edelmann-Nachtschicht, die statt um 6 Uhr morgen schon zwei Stunden früher nach Hause ging. Die Frühschicht folgte diesem Beispiel und machte bereits punkt 12 Uhr Schluss, und auch die Spätschicht war aufgerufen, erst mit Verzögerung zur Arbeit zu kommen. Blieben die Tagschichtler, die das Heidenheimer Werk um 13.30 Uhr und damit ebenfalls zwei Stunden früher als sonst verließen.

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