Heidenheim „Vox Animata“ beeindruckt in der Marienkirche

Beeindruckte das Publikum in der Heidenheimer Marienkirche in höchstem Maße: der Chor „Vox Animata“.
Marita Kasischke 19.12.2018
Der Kammerchor „Vox Animata“ bestach bei seinem Gastspiel in der Marienkirche in Heidenheim mit einem erlesenen Programm und kristallklarem Klang.

Aus einer Wurzel zart“ war der Titel des Konzerts des Kammerchors „Vox animata“in der Heidenheimer Marienkirche, und die Textzeile aus „Es ist ein Ros€ entsprungen“ war nicht zufällig gewählt. Das traditionelle Weihnachtslied spielte eine große Rolle im Programm, wenn nicht gar die Hauptrolle.

„Die Weihnachtsgeschichte“ aus der Feder von Hugo Distler, die nicht nur die Geschehnisse in Bethlehem zum Inhalt hat, sondern von Marias Empfängnis über Herodes bis zum Erscheinen der Heiligen Drei Könige erzählt, rankt sich um „Es ist ein Ros€ entsprungen“, das sich thematisch hervorragend einfügt und musikalisch einen interessanten Gegensatz zur vertonten Erzählung bildet.

Das große Staunen

Staunen machte das Publikum jedoch nicht nur dieser Gegensatz, sondern auch der Vortrag des Kammerchors, der an Können und Brillanz nicht zu überbieten war. Kristallklar und meisterlich präzise fügten sich die Stimmen zu vollem Chorklang, der durch die Kirche zu schweben schien.

Tenor Gerhard Hölzle übernahm den erzählenden Part mit seiner voluminösen Stimme, und durchweg waren alle Solisten in diesem Werk hervorragend ausgewählt – allen voran der Engel der Verkündigung: Franziska Heidemann bestach mit ihrer auch in den höchsten Tönen festen und klaren Stimme, die tatsächlich mit „engelsgleich“ gut beschrieben ist.

Das Lied „Es ist ein Ros€ entsprungen“ selbst wurde ebenfalls vom Chor interpretiert, und am Ende gab es dieses auch als Zugabe, und das Publikum war eingeladen, mitzusingen. Allein: Es hatte den Anschein, als ob nicht gewagt wurde, den perfekten Klang von „Vox animata“ zu entzaubern, lieber hörten die 100 Besucher abermals fasziniert zu.

Drei verschiedene Ansätze

Im Programm hatte der Chor unter der Leitung von Professor Robert Göstl darüber hinaus drei verschiedene Vertonungen von „O magnum mysterium“: Komponist Morten Lauridsen bietet bei aller klanglichen Opulenz vor allem eine Umsetzung der stillen Bewunderung, die viel Raum für Nachdenklichkeit lässt, Francis Poulencs Vertonung lässt ehrfürchtiges Staunen wirken, ein geradezu filigranes Gewebe bietet Tomas Luis de Victorias Variation. Der Chor spürte das Wesen der drei verschiedenen Kompositionen des gleichen Textes fein nach und bestach abermals durch seinen präzisen Vortrag.

Strahlender Glanz erhob sich gewissermaßen wie der Stern von Bethlehem bei Eric Whitacres „Lux aurumque“, und Max Regers „Schlaf wohl, Du Himmelsknabe, Du“ sorgte in seiner schlichten Schönheit für geradezu himmlischen Genuss. Max Reger stand neben Hans-Leo Hasslers „Dixit Maria ad Angelum“ mit „Unser lieben Frauen Traum“ auch am Anfang des Konzerts, das, so Chorleiter Göstl zu Beginn der Vorträge, „eine Stunde der Andacht“ bieten sollte – und zu einer Sternstunde der Andacht wurde.