Heidenheim Stadion-Deal: kaum Kritik am Preis von zwei Millionen Euro

Die Voith-Arena in Heidenheim gehört nun dem FCH.
Die Voith-Arena in Heidenheim gehört nun dem FCH. © Foto: Edgar Deibert
Heidenheim / Andreas Uitz 20.07.2018
Im Gemeinderat herrschte weitgehend Einigkeit, dass der Verkauf der richtige Schritt ist um sich von dem Profi-Verein finanziell zu lösen.

Eigentlich herrschte bei der Sitzung des Gemeinderats am Donnerstag Nachmittag weitgehend Einigkeit darin, dass es für die Stadt nur einen richtigen Weg gibt: Die Voith-Arena muss an den FCH verkauft werden, der das Stadion, mitsamt der fünf zugehörigen Trainigsplätze und des großen Parkplatzes nur gepachtet hat. Dennoch nahm sich das Gremium mehr als eine Stunde Zeit, die Argumente auszutauschen.

Kaum Kritik am Verkaufspreis

Dabei wurde schnell deutlich, dass es kaum Kritik am Verkaufspreis von zwei Millionen Euro gibt und auch das Wertgutachten wurde nicht generell in Frage gestellt. Der Tenor: Hauptsache das Stadion wird verkauft. Stadtkämmerer Guido Ochs erläuterte dem Gremium das Verfahren und bezeichnete die zwei Millionen als „angemessenen und sachgerechten Verkaufspreis“.

„Mitgegangen, mitgehangen“, nannte Michael Sautter, Fraktionschef der Grünen, das Verhältnis von Stadt und FCH. Aufgrund des „unglücklichen Pachtverhältnisses“ über die Anlagen wäre die Stadt auch in den kommenden Jahren noch stark finanziell gefordert gewesen. Durch den Verkauf falle das weg, deshalb sei der richtig und wichtig. „Es wird Zeit, dass der FCH auf eigenen Füßen steht.“

OB Ilg: „Ich nehme die Schuld auf mich...“

Mehrfach wurde der Pachtvertrag angesprochen, demzufolge der FCH nur 2900 Euro jährlich an die Stadt für die Nutzung aller Anlagen zahlt, und der noch bis ins Jahr 2039 gilt. „Ich nehme die Schuld auf mich dafür, dass ich nicht wusste, dass der FCH so schnell in die 2. Liga aufsteigt“, sagte Oberbürgermeister Bernhard Ilg. „Grundlage für den Pachtvertrag waren die Verhältnisse in der Oberliga“. Es gehe darum, dass der FCH mit der Stadt gemeinsam einen erfolgreichen Weg gegangen sei, „aber jetzt stimmt eben nicht mehr, was früher gestimmt hat.“ Der Profi-Verein wolle und müsse sich weiterentwickeln, deshalb sei die Zäsur jetzt notwendig.

Geld für die Förderung des Sports?

Sabine Skwara (CDU) nannte den FCH ein sportlich sehr erfolgreiches Wirtschaftsunternehmen. Sie sei froh, dass er jetzt das Stadion übernehme und sich die Stadt damit vom Verein trenne. „Wir wollten nicht länger subventionieren“, erklärte SPD-Fraktionschef Rudi Neidlein. Ohne die „Geburtshilfe“ wäre der Erfolg des FCH nicht möglich gewesen, aber jetzt sei es für ihn Zeit, auf eigenen Beinen zu stehen „und wir wollen die Belastung loswerden“, so Neidlein.

Ralf Willuth erklärte für die Freien Wähler, dass die bisherige Pacht aus heutiger Sicht „geradezu lächerlich und moralisch nicht vertretbar“ sei. Angesichts der in Zukunft noch auflaufenden Kosten hält er den Kaufpreis von zwei Millionen Euro für darstellbar. Im Verkauf „sehen wir die Vorteile für die Stadt“, so Willuth. „Der FCH hat sicherlich viel für Heidenheim getan, aber die Stadt Heidenheim und damit jeder Steuerzahler hat auch sehr viel für den FCH getan.“

Norbert Fandrich „Linke“ begrüßte den Verkaufsbeschluss ebenso. Er schlug vor, den Erlös in erster Linie in die Förderung des Sports zu investieren.

Für zwei Millionen verkauft, aber mindestens 18 Millionen Wert

Das Wertgutachten hat ergeben, dass Stadt und FCH gemeinsam 46 Millionen Euro in die Voith-Arena und die Anlagen investiert haben, der städtische Anteil lag bei 18,4 Millionen Euro.

Den aktuellen bilanziellen Restwert setzt das Gutachten mit 18,4 Millionen Euro an. Von diesem Betrag wurden für die Ermittlung eines Verkaufspreises zukünftige Investitionen, die die Stadt mittragen müsste, abgezogen. Außerdem wurden die Verluste einberechnet.

An laufenden Kosten zahlt die Stadt Heidenheim nämlich pro Jahr rund 725.000 Euro als Eigentümerin.

Hochgerechnet auf die Laufzeit des Pachtvertrags ergeben sich 12,4 Millionen Euro Verlust, die ebenfalls vom Wert abgezogen werden, weil sie die Stadt dann nicht mehr hätte.

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