Kapelle St. Franziskus: "Wir wollen das Haus für Externe öffnen"

Die nächste Veranstaltung ist die 50.: Die Kapelle im Heidenheimer Haus St. Franziskus ist ein markanter Raum. Seit sieben Jahren gibt's hier einmal im Monat „Kultur in der Kapelle“. Verantwortlich für die Reihe: Kirstin Herrmann-Gehringer und Lars Sörös-Helfert.
Die nächste Veranstaltung ist die 50.: Die Kapelle im Heidenheimer Haus St. Franziskus ist ein markanter Raum. Seit sieben Jahren gibt's hier einmal im Monat „Kultur in der Kapelle“. Verantwortlich für die Reihe: Kirstin Herrmann-Gehringer und Lars Sörös-Helfert. © Foto: Markus Brandhuber
Heidenheim / Manfred Allenhöfer 04.08.2016
Die Reihe „Kultur in der Kapelle“, die im Heidenheimer Haus St. Franziskus jetzt ins siebte Jahr geht, stellt jeweils am letzten Mittwoch eines Monats (außer in den Sommerferien und zur Weihnachtszeit) Künstler der unterschiedlichsten Genres und Temperamente vor.

„Bevor wir angefangen haben“, erinnert sich Lars Sörös-Helfert, der das Haus leitet (das der in Gmünd beheimateten Stiftung Lindenhof gehört, einer Tochter der Caritas), „haben wir uns mit dem katholischen Pfarrer abgesprochen. Und dabei klar vereinbart: Der Raum ist offen für Kultur aller Art. Wir müssen halt einige wenige Dinge beachten – die aber eigentlich ohnehin selbstverständlich sind.“

Und so dürfe das Publikum nicht so gesetzt werden, dass es dem Kruzifix den Rücken zuwende. „Und klar ist auch: Was die Kirche oder den Glauben verunglimpft, wollen wir nicht.“ Das schließe aber Toleranz auch bei literarischen Veranstaltungen, die gar nicht selten sind, kein bisschen aus.

„Wir wollen keine reine Konzertreihe machen. Sondern offen sein für die unterschiedlichsten Angebote“, sagt Kirstin Hermann-Gehringer, die seit über zweieinhalb Jahren für die Programmgestaltung zuständig ist.

Viel Arbeit sei das, meint die 51-jährige gelernte Kunsttherapeutin, die vor der Zeit der Verantwortlichkeit auch schon als Sängerin (mit ihrem Partner, dem Gitarristen Ulrich Eckardt) in der Kapelle aufgetreten ist: „Aber das macht auch viel Spaß.“ Und Sörös-Helfert ergänzt: „Mittlerweile wird unsere Reihe so gut angenommen, dass Künstler sich auch unmittelbar bei uns melden und Auftritte anbieten.“

Und weil das so ist, kann Hermann-Gehringer vermelden: „Das Programm für 2017 steht bereits. Und auch für 2018 ist mehr als die Hälfte der Auftritte bereits festgelegt.“

Die Konditionen für die Künstler sind jedenfalls klar: Es gibt keine Gage. Aber es wird darauf hingewiesen, dass am Ende der Veranstaltung ein Korb aufgestellt wird, in dem Spenden deponiert werden können. „Ich zähle das nie nach“, meint Sörös. Der aber schon den Eindruck hat, dass da so viel zusammenkommt, insbesondere wenn eine Veranstaltung gut besucht ist (die Kapelle fasst maximal 100 Besucher, mindestens die Hälfte der Plätze ist eigentlich immer besetzt), „dass die Künstler nicht unzufrieden sind“.

Das sind dieselben Konditionen, wie sie auch für Auftritte bei der Reihe „Kultur im Park“ gelten; es sind auch zumindest teilweise dieselben Künstler. Eine Konkurrenz sieht man in der Brenzparkkultur freilich in keiner Weise: „Die treten im Sommer auf und möglichst openair. Wir sind das ganze Jahr über präsent – und im geschlossenen Raum unserer Kirche.“ Man sei mit den Machern auch teilweise „gut befreundet“; die seien auch immer mal wieder Gast in der Kapelle. Sörös-Helfert: „Wir klauen uns nichts!“

Musik dominiert; aber eine reine Konzertreihe war ja ausdrücklich nicht gewünscht. Und so gibt es literarische Veranstaltungen ebenso wie Vorträge oder Reiseberichte. Der Rückblick auf die bislang angebotenen Veranstaltungen der „Kultur in der Kapelle“ offenbart eine erfreuliche Vielfalt – die zu erreichen auch erklärtes Ziel der Initiatoren war. Der 51-jährige Lars Sörös-Helfert, gelernter Krankenpfleger und studierter Betriebswirt, übernahm die Leitung des Hauses 2010. Die Kapelle, einst gebaut im Auftrag der Caritas, war ein bisschen unansehnlich geworden und wurde renoviert – und dabei als Forum für lokale Kultur entdeckt: „Ich wollte das Haus öffnen – für Interessierte von außerhalb.“

Der Platz für die Akteure ist groß genug, dass auch einmal (kleinere) Chöre oder Ensembles auftreten können: „Wir überlegen gerade, ob der Platz etwa auch für die Cellikatessen reicht – Berthold Guggenberger beispielsweise ist ein Profi und Musikpädagoge, der immer wieder gerne bei uns auftritt.“

Die Kapelle liegt im ersten Stock; man kommt, beim Eintritt ins Haus, über den Aufzug unmittelbar dort hin: „Da geht man an keinen Zimmern von Bewohnern vorbei. Es stehen auch keine Pflege-Utensilien herum. Und riechen tut's bei uns nirgends“, sagt Sörös-Helfert, der eine „niedrige Schwelle“ für alle Besucher betont.

Die übrigens auch gerne aus dem Haus kommen können: „Wir haben interessierte Bewohner; ein Stammgast ist schon über 90 Jahre alt“, freut sich Sörös-Helfert über die Akzeptanz des Programms nach innen. „Wir bringen ja auch keine ganz wilden Sachen“, ergänzt ihn Hermann-Gehringer: „Heavy Metal gibt's bei uns nicht. Und Folk oder Pop sind akzeptiert – als die Beatles aufkamen, waren die Bewohner ja noch ganz frisch an Jahren. Und solche Konzerte kommen womöglich besser an als Klassik“, so die Erfahrung der Programmmacherin.

Freilich kommt der Großteil der Besucher von außen: „Und das ist auch recht so“, sagt Sörös-Helfert: „Wir wollen mit der Kulturreihe ja ausdrücklich unser Haus auch öffnen.“

Gibt's eine Lieblingsveranstaltung? Die beiden Verantwortlichen denken nach, schauen sich an. Um sich dann, gemeinschaftlich, zu erinnern an eine Lesung mit Musik, die der Heidenheimer Norbert Sluzalek machte: Er trug aus seinem Lyrikband „Spiegelungen“ vor und hatte noch zwei Musiker dabei: Zum Buch gehört eine CD, aus der sie Titel vortrugen. „Dazu war die Kapelle eigenwillig hergerichtet worden, fast schon wohnzimmerartig.“ Und selbst das Licht wurde originell eingesetzt – wodurch nicht nur die Vortragenden, sondern auch der Raum mit seinen Eigenheiten besonders inszeniert wurden.

Die Dominante des Raums ist das Glasfenster, das aus den frühen 70er-Jahren stammt und von der in Griechenland lebenden Künstlerin Luitgard Chountras-Mueller stammt, die „über das Medium der Farbe, der Form und der Bewegung“ anregend wirken möchte.

„Unsere nächste Veranstaltung ist die 50.“, sagt Geringer-Eckardt. Kein Grund, sich zurückzulehnen: „Uns gehen die Ideen schon nicht so schnell aus.“ Und man habe mittlerweile so viele Künstler an der Hand, dass, etwa bei einem Krankheitsfall, auch kurzfristig ein vermeintlicher „Ersatz“ gefunden werden kann. Sörös-Helfert: „Ausgefallen ist erst ein Auftritt.“

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