Heidenheim „Frühstück bei Tiffany“ im Naturtheater wird teilweise gekürzt

Norbert Pfisterer, Vorsitzender des Naturtheaters, will etwas gegen die Langatmigkeit von „Frühstück bei Tiffany“ unternehmen.
Norbert Pfisterer, Vorsitzender des Naturtheaters, will etwas gegen die Langatmigkeit von „Frühstück bei Tiffany“ unternehmen. © Foto: Sabrina Balzer
Heidenheim / Joelle Reimer 25.06.2018
Nach den ersten Aufführungen und Reaktionen soll „Frühstück bei Tiffany“ nun etwas gestrafft werden.

Heidenheim. Den Schlussapplaus nach der Premierenaufführung sind treue Naturtheatergänger sicherlich anders gewöhnt. Zögerlich statt stürmisch, sitzend statt stehend fiel er dieses Mal aus – ja, es konnte der Eindruck gewonnen werden, dass „Frühstück bei Tiffany“ bei seiner ersten Aufführung wohl nicht jedermanns Geschmack getroffen hat. Ein Wort geisterte dabei bereits in der Pause vor der zweiten Hälfte besonders oft durch die Gästeschar: langatmig.

Inzwischen wurde das Stück viermal aufgeführt, und nach den ersten Reaktionen muss auch Norbert Pfisterer, Vorsitzender des Naturtheatervereins, einräumen: „Auch wir haben natürlich gehört, dass die Aufführung nach Meinung nicht weniger Besucher zu lang geraten ist.“ Bislang gleicht das Stück also eher einem Brunch bei Tiffany.

Nun, das Problem ist erkannt. Was aber tun? Komplett umkrempeln wäre ein No-Go und zudem zeitlich gar nicht möglich. Das Stück gravierend zu kürzen, so Pfisterer, sei vor allem aus technischen Gründen nicht möglich. „Die Licht- und Tonpläne sind genau ausgeklügelt und programmiert. Es gab in der Vergangenheit zwar immer mal wieder Kürzungen nach Spielbeginn, damals war aber die Technik noch nicht so kompliziert“, sagt Pfisterer. Und auch die Schauspieler wären wohl nicht in der Lage, sich einer solch großen Änderung kurzfristig anzupassen.

Doch die Sommerspielzeit ist noch lange, und auf die Reaktionen des Publikums will der Verein zumindest in dem Maße reagieren, in dem es ihm möglich ist. „Wir wollen kürzen, wo es eben geht. Manche Längen kann man ohne Probleme rausnehmen, etwa bei den Aneinanderreihungen der Szenen“, sagt Pfisterer. Er habe mit den Regisseurinnen Kerstin Keppler und Regine Czichon gesprochen; die beiden Verantwortlichen machen sich nun daran, „Frühstück bei Tiffany“ etwas zu straffen – auch wenn das wohl nicht sofort umsetzbar sein wird.

„Ich denke, das Stück wirkt deshalb so lang, weil es ungeheuer viel Text ist“, so Pfisterer. Andererseits habe es im Naturtheater immer mal Ausreißer gegeben, auch nach oben, und man wolle schließlich das Theaterstück nicht nur nach der Meinung anderer ausrichten. „Mit der ,Hexenjagd' zum Beispiel hatten wir damals auch ein Stück, das nicht unbedingt für volle Zuschauerreihen gesorgt hat. Aber es ist überhaupt nicht schlimm, wenn das Stück nicht immer hundertprozentig dem Geschmack des Publikums entspricht.“ Als Amateurtheater habe man auch die Aufgabe, nicht nur Gefälliges auf die Bühne zu bringen, sondern durchaus Ansprüche zu stellen. „Klar wollen die meisten Besucher ins Naturtheater, um zu entspannen und drei schöne Stunden zu verbringen“, so Pfisterer. Für viele Gäste sei das sicherlich auch bei den bisherigen Aufführungen so gewesen, für andere nicht – doch mit diesem Auf und Ab lebe das Naturtheater schon seit fast 100 Jahren.

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