Heidenheim / Günter Trittner Solange sich das Finanzierungssystem der Kommunen nicht ändert, eröffnen erst die Einnahmen aus der Gewerbesteuer den Kommunen einen Gestaltungsspielraum. Kein Bürgermeister kann darauf verzichten. Doch es gäbe alternative Ideen. Ein Kommentar.

Es gibt nicht nur den Rinderberg. Auch andere Gemeinden im Kreisgebiet, leisten ihren Beitrag dazu, dass landesweit jeden Tag sieben Hektar Fläche versiegelt werden.

In Steinheim plant man für das Königsbronner Feld, 14 neue Bauplätze soll es in Bergenweiler an der Watzelsdorfer Straße geben, Herbrechtingen legt über 30 Bauplätze in der Lehmgrube nach und Giengen will gleich einen Industriepark auf 40 Hektar schaffen.

Der Rinderberg sticht nur heraus, weil hier ein ganzes Waldstück gefällt wurde, damit die Ansiedlung eines Gewerbebetriebes wahrscheinlicher wird. Andernorts kommt man ohne Sägen aus, nimmt aber genauso Natur weg.

Arbeitsplätze sind das gängige Argument, um den Zugriff des Menschen zu rechtfertigen. Es gibt noch einen zweiten Grund: Gewerbesteuer. Sie ist es, die den Kommunen Wasser unter den Kiel spült. Solange sich das Finanzierungssystem der Kommunen nicht ändert, eröffnen erst die Einnahmen aus der Gewerbesteuer den Kommunen einen Gestaltungsspielraum. Kein Bürgermeister kann darauf verzichten.

Gleiches gilt für den Verkauf von Grundstücken. Spielplätze, Sporthallen, Bürgertreffs, blühende Anlagen wollen finanziert sein. Das Ausweisen von Baugebieten ist ein Weg dazu.

Momentan treffen sich die Interessen von Bauwilligen und Kommunen bestens. Die Niedrigzinsphase verlockt zum Bauen. Ein eigenes Haus, eine eigene Wohnung scheint eine rentablere Geldanlage als das zinslose Sparbuch. Zunehmende Single-Haushalte und ein gestiegenes Komfort-Bedürfnis heizen nochmals die Nachfrage an. Welche die Kommunen zum Wohle ihrer Bürger auch bedienen wollen. Welcher Bürgermeister würde sich da sperren? Und mit welchen Argumenten?

Die Stadt verdient ja nicht nur am Verkauf der Grundstücke, sie gewinnt auch bei den Zuweisungen von Bund und Land mit jedem Einwohner mehr.

Auch hier gilt, wer diese Konkurrenz um Bürger und Betriebe stoppen möchte, muss am System Änderungen vornehmen. Kein einfaches Unterfangen. Man sieht an der Landwirtschaft, was daraus werden kann, wenn die Politik Märkte großflächig regulieren will.

Aber der Boden ist nun mal nicht teilbar. Wo ein Haus steht, kann nicht mehr gepflügt werden. Vor kurzem ist der Landkreis Biomuster-Region geworden. Ökologisch und regional erzeugt sollen die Produkte sein. Doch verzichtet ein Hof auf Kunstdünger und Pestizide, braucht er die doppelte Fläche für den Anbau von Futtermitteln. Es wird eng in unserem Landkreis, wenn wir Bio groß schreiben wollen.

Vielleicht würde es helfen, wenn man auf Ebene des Landkreises ein Flächenmanagement überlegen würde, bei dem man jenseits von Gemeindegrenzen Zonen bestimmt, wo Gewerbe passt, wo Natur Natur bleiben soll und wo der Landwirt seinen guten Boden behalten darf.

Man könnte sich dabei wechselseitig entschädigen. Das wäre dann eine Solidargemeinschaft. Ohne Konkurrenz und Neid. Wäre das schlimm?