Heidenheim / Joelle Reimer Der Heidenheimer Arzt Rainer Rau ist Leiter einer Kinderwunschklinik in Aalen. In seinen ersten Roman „Die Wunderzelle“ hat er mitunter ganz persönliche Erfahrungen aus dem Praxisalltag eingeflochten.

Hildegard und Robert. Anni und Klaus. Eduard und Sophie. Namen, die leidglich als Pseudonyme dienen. Und doch stecken hinter diesen Namen drei Paare, die es wirklich gibt – noch mehr: Es sind Geschichten, die es wirklich gibt.

Geschichten davon, wie es ist, seine ganze Hoffnung auf die moderne Reproduktionsmedizin zu setzen. Geschichten von Hoffnung, von Verzweiflung, von Kinderlosigkeit. Rainer Rau erzählt in seinem im Januar erschienenen Roman „Die Wunderzelle“ von Menschen, die sich nicht mit ihrem Schicksal abfinden wollen, und er tut es auf eine ganz spezielle Art und Weise: als spannende, fiktive Erzählung von einem jungen Paar und gleichzeitig aus der Sicht eines Arztes, der sich seit über 20 Jahren mit der Frage des Schwangerwerdens beschäftigt.

Der 56-jährige Heidenheimer leitet seit 1997 eine Kinderwunschklinik in Aalen. „Ich habe täglich damit zu tun. Im Laufe der Zeit habe ich so viele dramatische, tolle und skurrile Dinge erlebt, dass irgendwann das Bedürfnis aufkam, das alles aufzuschreiben“, sagt Rau.

Wissenschaft und Belletristik

Die Idee, ein richtiges Buch daraus zu machen, entwickelte sich vom wagen Gedankenspiel hin zu einem konkreten Vorhaben. Die erste Hürde dabei: es sollte unterhaltsam und informativ zugleich sein, sollte wissenschaftliche Fakten mit Belletristik vereinen.

Im Sommerurlaub 2017 packte es ihn schließlich: Er fing an zu schreiben. Und zwar nicht so, wie man sich das zunächst vielleicht vorstellen würde, mal hier eine Seite, mal dort ein paar Sätze. Nein, er füllte innerhalb von fünf Monaten ganze 500 Seiten. „Das war zu viel, definitiv.“

Er muss lachen, wenn er sich daran erinnert, wie er eine Lektorin gesucht und diese schließlich doch noch einen roten Faden in seine Geschichte gebracht hat. „Sie hat viel gekürzt, umgeschrieben, an den Sätzen gefeilt. Aber am meisten hat geholfen, dass sie nicht nur Journalistin ist, sondern sich als Betroffene selbst sehr gut in die Gefühlslage der Protagonisten hineinversetzen konnte“, so Rau.

Diese heißen Katharina und Enno und wünschen sich sehnlichst Kinder, doch eine Fehlgeburt folgt auf die nächste. Eine genetische Untersuchung deutet schließlich auf eine unheimliche Vermutung hin: Katharina und Enno könnten verwandt sein. Zeitgleich stößt Ennos Schwester auf Ungereimtheiten im Labor eines Kinderwunschzentrums und kommt den Hintergründen langsam auf die Spur.

Arztgeheimnis bleibt gewahrt

Abgesehen davon, ein schwieriges Thema in spannende Belletristik zu packen, stand Rau noch vor einer zweiten Hürde: der des Ärztegeheimnisses. Zwar lag ihm viel daran, die Schicksale hinter den Patientenakten zu zeigen, dennoch wollte und konnte er natürlich nicht einfach so aus dem Nähkästchen plaudern.

„Das Buch ist reine Fiktion, basierend auf Geschichten und Erfahrungen, die ich tatsächlich erlebt habe“, sagt er. Zwischen der eigentlichen Romangeschichte wurden also immer wieder in kursiver Schrift kurze Kaptiel eingeflochten, die konkrete Gegebenheiten aus seinem Praxisalltag aufzeigen – „Patientengeschichten, die mir sehr am Herzen lagen“.

Zur Person

Dr. med. Rainer Rau wurde 1962 geboren und leitet als Facharzt für Gynäkologie und Reproduktionsmedizin eine Kinderwunschklinik in Aalen, die er 1997 gegründet hat. Rau hat Medizin in Ulm und Erlangen studiert, lebt in Heidenheim, ist verheiratet und hat zwei Kinder.