Heidenheim / Hendrik Rupp  Uhr
Für was stehen die Grünen, wenn Baden-Württemberg in rund sechs Wochen wählt? In Heidenheim gab es jetzt Auskünfte aus einem der berufensten Münder in Stuttgart: Von Silke Krebs, Ministerin im Staatsministerium und damit der obersten Stabschefin des Ministerpräsidenten.

Die Kulisse war überschaubar: Keine 25 Besucher im Eugen-Loderer-Zentrum, fast zu 100 Prozent grüne Parteigänger. Silke Krebs ist nicht enttäuscht: „In Mannheim waren es auch nur 30“, sagt Krebs später zur HZ. Überhaupt kann man die Frau nur schwer überraschen: Als Ministerin im Staatsministerium arbeitet Silke Krebs eher abseits des Rampenlichtes, aber an einer äußerst einflussreichen Stelle.

„Das ist die heimliche Ministerpräsidentin“, sagt Grünen-Landtagskandidat Martin Grath zur Einführung, und furchtbar übertrieben scheint das nicht. Krebs ist die oberste Stabschefin von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, und dessen Urteil über sie ist öffentlich: „Ohne Silke wäre ich nur die Hälfte wert“, sagt er, und der Spruch „da muss i mal die Silke fragen“ ist schon fast legendär.

Für Martin Grath ist der Besuch der Auftakt zum Endspurt des Wahlkampfs. Er plakatiert schon persönlich im Kreis, die druckfrischen Poster sind angekommen. „Baden-Württemberg stand selten so gut da wie heute“, sagt er – und wie man das Land noch besser machen könne, könne ebene kaum jemand so gut erklären.

Die Ministerin greift Schwerpunkte der Landespolitik auf. Digitalisierung nennt sie und den Ausbau der Breitbandversorgung. Über ungewöhnliche Kanäle hat Krebs dabei auch stets die Lage in Heidenheim im Bild: Voith-Konzernchef Dr. Hubert Lienhard sitzt im Krebs im Aufsichtsrat der EnBW: „Und Herr Lienhard erzählt mir immer, wo es in Heidenheim zu langsam läuft“.

Natur und Naturschutz? Kaum ein Thema zurzeit, selbst der UN-Klimagipfel sei von der Flüchtlingsdebatte überdeckt worden. Dabei seien die Auswirkungen fürchterlich. Das unterstreicht auch Grünen-Kandidat Grath: „Der Klimawandel kann Flüchtlingsströme hervorrufen, die noch weit größer sind als die heutigen“.

Windkraft? Unter grünen Freunden im Raum kein Reizthema. 3000 Megawatt Leistung seien das Ziel bis 2020, 1370 habe man schon heute. Es gehe oft langsam, sagt Krebs, doch das sei auch gut so: „Wir wollen den Artenschutz beachten, gute Lösungen finden. Das dauert eben, aber es lohnt sich“. Und Erfolge habe die Regierung auch anderswo: Inzwischen habe das Land den besten Betreuungsschlüssel im Bund. Silke Krebs: „Wir wollen schon gerne weiter regieren“.

Ende der Ansprache, Wechsel zur Fragerunde, die unter Parteifreunden aber natürlich wenig kritisch ausfällt. Krebs erläutert auf wohlwollende Nachfrage die Erleichterungen bei Bürgerentscheiden, die neuen Plattformen, auf denen Bürger Vorschläge zu Gesetzen einbringen können. Bei der verfassten Studentenschaft habe man viele Vorschläge übernommen. Und beim umstrittenen Jagdgesetz? „Gehört werden heißt nicht, dass der Wille jedes Bürgers umgesetzt werden kann“, sagt Krebs. Dass das manchen Bürger enttäuscht? „Uns allen fehlt eben auch noch die Übung mit diesen Instrumenten“. Klar sei aber, dass man ohne Bürgerbeteiligung schlicht nicht mehr regieren könne. „Wir machen das ja nicht aus Edelmut“.

Haben die Grünen nach einer Regierungsperiode dazugelernt? Die Ministerin verweist auf die Ehrenamtlichen. „Zu denen hatten wir mal einen kleinen Abschnitt im Programm, heute sind es drei Seiten“. Man habe erkannt, wie „wahnsinnig wichtig“ das Ehrenamt für das Land sei. Und auch bei der Bildungspolitik gebe es Einsichten. Eine einzige Schule für alle sei nicht mehr das Ziel, vielmehr ein Zwei-Säulen-Modell. Und die Realschule? Für die werde es enger, aber „wenn die Leute irgendwo sehr glücklich sind mit ihrer Realschule, dann sollen sie sie doch haben“. Umgekehrt drohe die CDU, den Gemeinschaftsschulen an den Kragen zu gehen. Zwar wolle man keine Standorte schließen, diese aber weniger fördern. „Dabei sind Gemeinschaftsschulen immer Ganztagesschulen, sind immer inklusiv“, so Krebs – ohne mehr Geld hätten sie keine Chance.

Die Themenauswahl ist eine eigene: Straßenbau sei durchaus drin, sagt Krebs, doch Nachfragen gibt es keine. Dann lieber zum rechtlichen Status von Biosphärengebieten und zu Wildbrücken, zur Erweiterung des Nationalparks im Schwarzwald oder zur paritätischen Krankenkassen-Finanzierung (Krebs: Eine theoretische Debatte, denn im Bundestag wird es ohnehin keine Mehrheit dafür geben).

Martin Grath verschenkt wie gewohnt Backwaren, Krebs tritt die Heimreise an und ihre Parteifreunde sind sicher, dass der Wahlkampfslogan der Grünen gut gewählt ist. „Auf dem richtigen Weg“, heißt er.