Bahn Sieben Mini-ICEs als Verstärkung für die Brenzbahn

Heidenheim / Arthur Penk 15.03.2016
In den kommenden Tagen ist es so weit: Die in die Jahre gekommenen Regioshuttles der Brenzbahn werden durch generalüberholte Dieseltriebwagen der Baureihe 644 ersetzt. Die Bahn hat seit dieser Woche die Genehmigung für die neuen Züge.

Viele Wochen standen die sieben Triebwagen in Ulm auf dem Abstellgleis und warteten auf die Freigabe. Eigentlich sollten die für die Brenzbahn vorgesehenen, überholten Züge mit Namen „Talent“ des Herstellers Bombardier schon seit Dezember zwischen Ulm und Aalen unterwegs sein, doch das Eisenbahnbundesamt nahm seine Prüfungen offenbar sehr genau vor.


 

Wie ein Sprecher der Bahn erklärt, waren die zuvor im Kölner Raum eingesetzten DB 644 für den Einsatz auf der Brenzbahn aufgefrischt worden. In ihrer Optik erinnern die Maschinen stark an den ICE – kein Wunder, stammt das Design doch aus der Feder Alexander Neumeisters, dem Schöpfer mehrerer ICE-Baureihen, des japanischen Schnellzug Shinkansen und des Transrapids. Ein Mini-ICE also für die Brenzbahn?

Neben einem erneuerten Innenraum wurden die Wagen so modifiziert, dass jetzt etwa 20 Fahrräder mitgenommen werden können – zum Vergleich: In die alte Baureihe 611 passten gerade einmal drei. Die Talents sind nach Aussage der Bahn zudem gehbehindertenfreudlich. Neben ausklappbaren Tritten in den Eingangsbereichen verfügen die Triebwagen über ein Meldesystem für Rollstuhlfahrer. Bei einem Druck aufs Knöpfchen erfährt der Zugführer davon, wenn Personen Hilfe beim Ein- oder Ausstieg benötigen. Auch auf nicht barrierefreien Bahnsteigen soll dadurch der Ein- oder Ausstieg leichter fallen, denn es befindet sich eine Rampe an Bord, die bei Bedarf vom Zugführer ausgeklappt werden kann. Auch das WC ist groß genug dimensioniert, um Rollstuhlfahrern Platz zu bieten.

Schneller rein und raus

Auch beim Fahrgastwechsel, also beim Zu- und Aussteigen der Passagiere, soll es mit den neuen 52 Meter langen Zügen einfacher und schneller gehen, da die dreiteiligen Triebwagen jeweils sechs Eingangsbereiche mit Doppeltüren haben. Weil der gesamte Zug von vorne bis hinten ebenerdig begehbar ist, können sich Fahrgäste zudem problemlos von einem Abteil ins nächste bewegen. Neu sind die Zielanzeigen an der Zugdecke, die wiederum von jedem Platz aus sichtbar sind. Auch ein bisschen Luxus gibt es an Bord: Ein Erste-Klasse-Abteil, das sich in der Ausführung vom ICE nicht unterscheidet.

So wie die Ausstattung ist auch die Technik um einiges moderner als bei den bisher eingesetzten DB 611: Die runderneuerten Talents sind zwar Diesel getrieben, die beiden Verbrennungsmotoren treiben allerdings bei optimaler Drehzahl Generatoren an. Der eigentliche Antrieb der Achsen erfolgt also über Elektromotoren, die Leistung liegt bei knapp 1100 Kilowatt.

Ende der Kritik?

Für Frank Dietrich, Bahnbetriebsleiter in Ulm, liegen die Vorteile auf der Hand: Zum einen kann der DB 644 praktisch ruckelfrei beschleunigen. Zum anderen ist der Verbrauch minimiert, da die Bremsenergie zurückgewonnen wird. Die Höchstgeschwindigkeit der 101 Tonnen wiegenden Gespanne liegt bei 120 km/h.

In der Vergangenheit war besonders am alten Wagenmaterial der Brenzbahn immer wieder Kritik geübt worden: zu langsam, zu alt, zu hoher Einstieg. Der Fahrgastverband Pro Bahn und der Verkehrsclub VCD hatten wiederholt moderne Fahrzeuge gefordert, auch weil alte Wagen häufig zur Reparatur abgezogen wurden. Anfang dieses Jahres kam es deswegen zu massiven Problemen mit überfüllten und verspäteten Zügen auf der Brenzbahn. Dass die neuen Talents für eine Verbesserung sorgen werden, davon ist Bahnbetriebsleiter Frank Dietrich überzeugt.

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