Konzert Seltene spanische Orgelmusik in der Versöhnungskirche

Bot spanische Kostbarkeiten: Horst Fickelscher an der Kreisz-Orgel der Heidenheimer Versöhnungskirche.
Bot spanische Kostbarkeiten: Horst Fickelscher an der Kreisz-Orgel der Heidenheimer Versöhnungskirche. © Foto: Hans-Peter Leitenberger
Heidenheim / Hans-Peter Leitenberger 03.09.2018
Horst Fickelscher präsentierte auf der Kreisz-Orgel der Heidenheimer Versöhnungskirche äußerst selten zu hörende barocke Kompositionen von der iberischen Halbinsel.

Orgelmusik zur Ferienzeit“: Unter diesem Motto trafen sich 180 Besucher am vergangene Freitagnachmittag in der Versöhnungskirche im ökumenischen Gemeindezentrum im Heidenheimer Mittelrain. Horst Fickelscher bot auf der klangschönen Kreisz-Orgel frühe Orgelmusik aus Spanien, aber auch aus Deutschland und Italien.

Die orgellandschaftlichen und stilistischen Eigenheiten der spanischen Orgelmusik hatten es Horst Fickelscher besonders angetan, nicht zuletzt deshalb, weil er vor Ort an Orgelseminaren teilgenommen hat.

Eine große Besonderheit dieser Musik ist der „Tiento“, eine Form aus Mischungen von strukturierenden Formelementen mit Vorliebe für ausgefallene Intervalle und unkonventionelle Dissonanzbehandlung.

Lebhafte Figuren

Antonio Solers „Sonata de Clarines“ aus dem 18. Jahrhundert lebte von den lebhaften Figuren im Trompetenregister. Horst Fickelscher zeigte spielerisches Temperament wie die Fähigkeit, die Figurationen subtil und sorgfältig zu gestalten.

Den Charakter der „Tientos“ konnte man in Pablo Brunas „Tiento de falsas“ aus dem 17. Jahrhundert bei Fickelschers pointierter Registrierung deutlich spüren, nämlich die Tendenz zur Sektionsreihung und Motivhäufung. Der thematisch fixierten Vorlage folgte eine Verkettung mit fast tänzerischem Charakter mit einer akustisch ganz besonders hervorgehobenen Solostimme durch die linke Hand.

Fremdheit und Strenge

Dennoch war eine gewisse Fremdheit und Strenge herauszuhören. Die Orgelstücke aus dem 17. Jahrhundert boten aber durchaus auch mediterranen Charme, etwa der phantasiereiche Tiento von Juan Cabanilles. Ein figurierter Kontrapunkt und ein toccatenhaftes Laufwerk, dazu freie Themenvariationen erklangen in anmutiger und regelrech luftiger Heiterkeit bei den Variationssätzen und Harmoniefortschreitungen.

Horst Fickelscher verstand es in seinem Spiel die unterschiedlichsten Ausprägungen in Tempo und Dynamik mit Sensibilität und Temperament in einer heiteren intellektuellen Klarheit herauszuspielen. Man war überrascht von der Vielfalt der skalenartigen Figurationen.

Fanfaren und Signale

Einen „Nachklang zur Fußball-WM“ stellte Fickelscher augenwinkernd mit dem ältesten Komponisten des Konzerts, José Ximinez, vor. Der 1601 geborene Meister bot echte „Programmmusik“ mit kämpferischen Fanfaren und Signalfiguren auf Zungenpfeifen und einem Freudentanz, der bei diesem beeindruckenden Konzert eher angebracht erschien als bei dem zuletzt in Russland blamablen Abschneiden der deutschen Nationalelf.

Ganz anders, feierlich und beschwingt zugleich und mit deutlich romantischem Charakter, erklang „Elevación“ von Enrique Barrera, bevor mit Georg Böhm noch ein deutscher Meister und Lehrer von Johann Sebastian Bach zu Gehör gebracht wurde.

Dessen Choralpartiten zu „Herr Jesu Christ, dich zu uns wend“ mit Ostinatobildungen und die phantasievoll geführte Oberstimme mit schweifender Harmonik lebten von der ganz feinen Durchgestaltung der Motivik durch den Organisten.

Opernhafte Farbigkeit

Padre Davide da Bergamos „Suonatina“ schließlich, wo mitunter Donizetti durchschimmerte, hatte den Klangcharakter und die Farbigkeit einer italienischen Oper. Ein apartes Orgelkonzert, gespielt mit Begeisterung, Eleganz und Präzision.

Versöhnungskirche: eine ökumenische Orgelgeschichte

Seit dem Jahr 2000 erklingt die Kreisz-Orgel im ökumenischen Gemeindezentrum zu Heidsenheim, die sich, wenn man so will, die evangelischen Versöhnungsgemeinde und die katholische Dreifaltigkeitsgemeinde teilen.

Redlich geteilt hatte man sich auf alle Fälle die Kosten für die Orgel in Höhe von 320 000 Mark, die komplett über Spenden hereinkamen, die wiederum aus zahlreichen verschiedenen Quellen geflossen waren.

Ökumenisch ist gewissermaßen ökumenisch ist auch die Disposition der Orgel, für die die Orgelsachverständigen beider „Fakultäten“ sorgten, Thomas Haller für die evangelische und Heribert Halbe für die katholische Seite.

Orgelbauer Michael Kreisz, dies nur am Rande, der ursprünglich von Berglen, später dann von Schwäbisch Gmünd aus operiert hatte, ist inzwischen übrigens mitsamt seiner kompletten Firma nach Japan umgesiedelt.

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